29-Jähriger nach Fahrerflucht vor Gericht

Von: bugi
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Düren. Die Polizeimeldung vom 2. November vor einem Jahr klingt nüchtern: Eine 26 Jahre alte Frau weicht auf der L495 zwischen Nörvenich und Gymnich einem Kleintransporter aus, der auf ihre Fahrspur geraten war, kommt ins Schleudern, prallt frontal gegen einen Baum, der Fahrer flüchtet. Der potenzielle Fahrer dieses Kleintransporters muss sich seit Dienstag vor dem Dürener Amtsgericht verantworten.

Nahezu emotionslos schildert der heute 29-jährige Kölner den Unfall aus seiner Sicht. Während der Fahrt sei ihm ein Brillenglas heruntergefallen. Er habe sich gebückt, sei auf die Gegenfahrbahn geraten und habe gerade noch rechtzeitig gesehen, dass ihm ein Auto entgegenkomme. Er habe seinen Kurierwagen herumgerissen, leicht gebremst, im Rückspiegel Bremslichter gesehen und sei dann weitergefahren. „Es gab keine Kollision. Deswegen bin ich davon ausgegangen, dass nichts passiert ist“, sagt der Kurierfahrer auf Nachfrage von Richterin Verena Neft.

Ein Irrtum. Die 26-jährige Autofahrerin geriet ins Schleudern, prallte frontal gegen einen Baum. Die Frau wird schwer verletzt, lag im Koma und leidet noch heute an den Folgen des Unfalls, von dem der Angeklagte nichts mitbekommen haben will.

„Der Angeklagte nahm den Tod der Geschädigten billigend in Kauf“, lautet der Vorwurf von Staatsanwalt Axel Körtgen. Den ursprünglichen Vorwurf der versuchten Tötung hatte das Gericht bereits fallen gelassen. Dass Nico W. der Fahrer des Kleintransporters war, bestreitet er nicht – auch wenn es keinen Zeugen gibt, der ihn am Steuer erkannt hat und Zeugen des Unfalls den Fahrer anders beschreiben.

Richterin Verena Neft interessiert eine andere Frage: Hat der Kurierfahrer den Unfall erkennen müssen, oder nicht? „Von dem Unfall habe ich nichts mitbekommen. Ich habe während der Fahrt Musik gehört. Ich musste die Kunden beliefern, stand unter Termindruck“, erzählt der Angeklagte. Dabei ist der Mann, der wegen des Unfalls seinen Job verloren hat und schon vorher 75 000 Euro Schulden angehäuft hatte, nervös, verhaspelt sich und bekommt Nasenbluten.

Ein Gutachter bestätigt allerdings die Version des Angeklagten: „Selbst wenn man alles zu Ungunsten des Angeklagten auslegt, ist es sehr wahrscheinlich, dass der Unfall nicht wahrzunehmen war.“

Dabei gibt es im Laufe der Zeugenbefragung Widersprüche. Ausgerechnet eine gute Freundin des Kölners gibt an, dass Nico W. ihr gegenüber erwähnte, einen „Knall“ gehört zu haben.

Der Prozess wird am Freitag, 20. Dezember, fortgesetzt.

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