220 Gräber und ein Pferdeskelett

Von: Tobias Röber
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Ein Glaskrug vor der „Tagebau
Ein Glaskrug vor der „Tagebaulandschaft”. Solche gut erhaltenen Fundstücke wurden bei Ausgrabungen an der Ortsumgehung Luchem gefunden. Foto: Wurzel Archäologie GmbH

Luchem. Und dann haben sie auch noch die Überreste eines Pferdes gefunden. Direkt hinter einem Haus wurde es damals verscharrt, irgendwann zwischen dem ersten und dritten Jahrhundert nach Christus.

Bei Ausgrabungen an der Ortsumgehung Luchem, direkt an der A 4, zwischen Januar und Oktober dieses Jahres kam das Skelett zum Vorschein. So wie 750 weitere archäologische Befunde und Strukturen aus römischer, teilweise aber auch vorrömischer Eisenzeit. Am Mittwoch wurden die Funde der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Arbeiten wurden vom Landesbetrieb Straßenbau beauftragt und finanziert, die fachliche Kontrolle hatte das Amt für Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinland. Nach der Ausscheibung bekam die Firma Wurzel Archäologie den Zuschlag. Untersucht wurden daraufhin 45.000 Quadratmeter nördlich und südlich der A4.

Von einer „kleinen Sensation” sprach Dr. Claus Weber vom Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland des Landschaftsverbandes Rheinland am Mittwoch. Die entdeckte Siedlung, ein sogenannter „Vicus” und Reste einer Straße waren den Fachleuten bis dato völlig unbekannt. Nördlich der Autobahn wurden eine römische Straße, Teile von fünf Häusern und mehrere Brunnen freigelegt.

Drei der Häuser sind sogenannte „Streifenhäuser”, eine in der römischen Provinz weit verbreitete Bauform. Bei den anderen beiden Häusern handelt es sich um Speichergebäude zur Aufbewahrung von Getreide. Die Straße erstreckte sich von Ost nach West und dürfte nach Experteneinschätzung eine ländliche Erschließungsstraße zur Verbindung der römischen Siedlungen von Mariaweiler und Eschweiler gewesen sein.

Östlich und südöstlich der A4 wurden über 220 Grabstätten entdeckt. Mindestens 160 davon stammen aus römischer Zeit. Die Archäologen sprechen von einem der größten ländlichen Zivilfriedhöfe im Rheinland. Die römischen Gräber liegen entlang eines Hohlwegs, was für diese Zeit typisch war. Besonders interessant waren die zahlreichen Grabbeigaben, viele sind gut erhalten. So wurden unter anderem Glasgefäße gefunden und sogar eine Schere und ein Rasiermesser.

Die älteste bislang datierte Urne aus der vorrömischen Zeit stammt aus der Bronzezeit, um etwa 1000 v. Chr. Einige Urnen sind mit aufwändigen Mustern verziert. Dieser Bestattungsplatz aus der Eisenzeit bilde die Fortsetzung des bereits bekannten Friedhofs bei Merken und stamme wohl aus den letzten drei Jahrhunderten vor der römischen Besiedlung der Region, der Keltenzeit, erklärte Oliver Ungerath von Wurzel Archäologie.

Die Reste der Häuser und Brunnen wurden nach der Ausgrabung wieder so „zugeschüttet”, dass sie der Nachwelt erhalten bleiben. Die Grabbeigaben wurden eingesammelt, und nach der Datierung sollen sie im Rheinischen Landesmuseum zu sehen sein.

Die Siedlung ist damit aber längst nicht völlig ausgegraben. Die Archäologen sind sich sicher, dass es in der Nähe weitere Gebäude der Siedlung gibt.
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