Düren - 20 Jahre Multikulti: Vielfalt als Bereicherung

20 Jahre Multikulti: Vielfalt als Bereicherung

Von: Sarah Maria Berners
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Kümmern sich im Multikulti um
Kümmern sich im Multikulti um Kinder und Jugendliche aus 18 Nationen: Leiterin Maria Horn, Pfarrerin Karin Heucher und Erzieher Detlef Oepen. Foto: Berners

Düren. „Die Effektivität unserer Arbeit kann man nicht in Zahlen messen”, sagt Pfarrerin Karin Heucher. Es lasse sich nicht in Euro und Cent umrechen, wenn ein junger Mann sagt „Dank euch bin ich nicht in die Drogen-Szene abgerutscht” oder wenn eine junge Frau versichert „Ohne euch hätte ich meinen Weg nicht gefunden”.

Viele Erfolge der Jugendsozialarbeit sieht man nicht unmittelbar. Dabei wäre es hilfreich, wenn man eine Rechnung aufstellen könnte, die belegt, dass sich jeder Euro, der in die Arbeit fließt, auszahlt - monetär betrachtet. „Ob sich etwas menschlich auszahlt, darauf wird in unserer Gesellschaft zu wenig geachtet”, sagt Heucher.

Kinder und Jugendliche aus 18 Nationen kommen in die Jugendeinrichtung der Evangelischen Gemeinde, die am Samstag ihr 20-jähriges Bestehen feiert. Dort können sie ihre Freizeit verbringen, manche sind fünf bis sechs Stunden am Tag dort. Sie werden bei den Hausaufgaben betreut, erhalten Hilfe bei Bewerbungsschreiben, machen Sport, sind kreativ, sprechen über Probleme. „Mit zwei Stellen ist es schwer, die vielen Aufgaben zu erfüllen”, sagt Leiterin Maria Horn. Auf die ehrenamtlichen Helfer sei man da angewiesen.

Ein Stück weit ist die Einrichtung Familienersatz. Die Pädagogen sind mal die Guten, mal die Strengen, immer die Helfenden.

Nicht selten dauert die Bindung auch noch an, wenn aus den Jugendlichen längst Erwachsene geworden sind. Erst vor zwei, drei Wochen, erzählt Maria Horn, habe ein Mann aus Bonn angerufen. Er bat um Hilfe bei einem Bewerbungsschreiben. Früher war er regelmäßig zu Gast im Multikulti.

Der Name - und damit auch das Konzept - war seinerzeit heftig umstritten. „Der Begriff ist es heute noch”, sagt Heucher. „Aber unsere Arbeit wird nicht mehr in Frage gestellt.” Multikulti sei aber noch immer keine Selbstverständlichkeit. Immer wieder würden rechte Gedanken auftauchen. Ausländerfeindliche Menschen hatten vor einigen Jahren Parolen an die Wände des Treffpunkts geschmiert und Scheiben zertrümmert.

Gerade deshalb sei es wichtig, einander in einer multikulturellen Umgebung zu begegnen und positive Erfahrungen mit dieser kulturellen Vielfalt zu machen, sagt Erzieher Detlef Oepen. In der Einrichtung selbst ist das Miteinander der Kulturen Alltag.

Anfangs gab es spezielle Angebote für die einzelnen Nationen. Aber sehr schnell wurde kulturübergreifend gearbeitet. Und weil viele Jugendliche ihre jüngeren Geschwister mitbrachten, wurden Konzepte auch für Kinder entwickelt. „Das Miteinander verschiedener Altersstufen sei in vielen Familien mit Migrationshintergrund ganz normal”, erklärt Heucher.

Und auch für die Mädchen hat sich viel verändert. Vor 20 Jahren durften viele gar nicht ins Multikulti kommen oder nur spezielle Mädchengruppen besuchen. Maria Horn erinnert sich noch gut daran, dass ein Mädchen bei einer Übernachtung nur dabei sein durfte, weil ihr Bruder unten, abseits der Gruppe, auf einem Billardtisch übernachtet hat. „Das ist heute zum Glück anders”, sagt Horn. Wenn auch leider noch nicht für alle.

Die Interessen der Besucher haben sich in den Jahren verändert. Als das Multikulti seine Arbeit aufnahm, war die gut ausgestattete Disco der Hit, heute spielt das Tonstudio eine größere Rolle.

Und auch die Probleme sind andere geworden: „Die Perspektivlosigkeit der Kinder- und Jugendlichen ist heute größer”, sagt Horn. Immer mehr von ihnen würden keine Ausbildungsstelle, keine Arbeit finden. Ein weiteres Problem sei, dass die Armut deutlich zugenommen habe. Dank Tafel und Spendern könnten im Multikulti auch Malzeiten angeboten werden. In Geld lässt sich das nicht zählen. Am Samstag, 28. April, feiert das Multikulti von 15 bis 18 Uhr sein 20-jähriges Bestehen.
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