1800 Fans feiern „In Extremo” in Merode

Von: Stephan Johnen
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„Metal” aus dem Mittelalter:
„Metal” aus dem Mittelalter: Die Band „In Extremo” um Sänger Michael Rhein alias „Das letzte Einhorn” ließ es in Merode krachen. Foto: Johnen

Merode. Wer die Bühne brennen lässt, kann kein Freund der halben Sachen sein. Und so stellte Sänger Michael Rhein alias „Das letzte Einhorn” beim Auftritt von „In Extremo” im Schlosspark von Merode vorsichtshalber klar: „Wir sind die Lauten, nicht die Leisen.”

Rein akustisch war die Botschaft zu diesem Zeitpunkt längst überbracht. Nur wenige Takte genügten für „In-Extremo”-Novizen, um zu erahnen, dass der Abend ein Extremerlebnis werden würde, das bleibende Eindrücke im Trommelfell hinterlässt.

Spätestens als meterhohe Feuerfontänen die Nacht erhellten, waren die 1800 angereisten Fans gänzlich aus dem Häuschen. Die Bühne brannte - und der Funke sprang schnell auf alle Zuhörer über.

„In Extremo” heißt nichts geringeres als „in Vollendung”. Der Name ist Programm. Auch wenn die Truppe ein wenig aussieht, als hätten Landsknechte, sowjetische Matrosen und der geschäftsführende Vorstand der Schmiedezunft einer mittelalterlichen Kleinstadt einen neuen Verein gegründet: Die Mannen des „letzten Einhorns” machen kompromisslosen Rock, wenn nicht Heavy-Metal.

Der Sound von „In Extremo” vereint martialische Klänge, melancholischen Folk und treibenden Rock. Bindeglied sind die mittelalterlichen Töne, die die Musiker immer wieder gekonnt in ihre Kompositionen einweben. Was sie da in Merode an Dudelsack, Schalmei und Harfe durch die Leier drehten, ergab den unverkennbaren Klang einer Gruppe, die bei aller zur Schau gestellten Ernsthaftigkeit nicht vergessen hat, Spaß an der Freud zu haben.

Inspiration für Texte und Melodien finden die Musiker in der europäischen Geschichte. Sie zitieren mittelalterliche Dichter, greifen alte Weisen auf. Sie singen auf Mittelhochdeutsch, Schwedisch, Gälisch und Isländisch - und liefern sich auf der Bühne mit langem Atem Dudelsack-Wettstreite.

Bei der Pyrotechnik vertrauen die Musiker voll auf die Neuzeit. Feuerfontänen, Kanonenschüsse und Explosionen stammten von den Spezialisten, die auch bei „Rammstein” für die Effekte sorgen.

Doch nicht nur die Musiker wussten am Sonntagabend, wie ein Fest gefeiert wird. Die Fans, nicht wenige traten im Schottenrock in Erscheinung, ließen es friedfertig krachen. Wie kaum ein Publikum zuvor feierten die Zuschauer mit ihrer Band.

Eine Band, die sich durchaus selbstironisch gab: „Wir sitzen gerne an dunklen Tischen in dunklen Kneipen”, beschrieb Sänger Michael Rhein die Entstehungsgeschichte eines Liedes. Dass die Musiker auch vor der Kulisse eines Renaissance-Schlosses eine gute Figur machte, bewiesen sie in Merode.
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