Düren - 130 Arbeitsplätze wieder auf der Kippe

130 Arbeitsplätze wieder auf der Kippe

Von: Jörg Abels
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Wieder dunkte Wolken über dem
Wieder dunkte Wolken über dem Zanders-Werk-Reflex: M-Real gab gestern bekannt, dass der geplante Verkauf der Premium-Papier-Sparte an die Papierwerke Lenk vorerst gescheitert ist. Foto: Abels

Düren. Die negativen Nachrichten aus dem M-Real-Zanders-Werk „Reflex” reißen nicht ab. Am Freitag gaben die Finnen bekannt, dass der geplante Verkauf der Premium-Papier-Sparte an die Papierwerke Lenk AG aus dem Schwarzwald vorerst gescheitert ist.

Damit müssen weitere 130 Mitarbeiter wieder um ihren Arbeitsplatz bangen. Erst vor zwei Monaten hatte M-Real erklärt, die Produktion von Durchschreibepapieren (Autocopy) in Düren einzustellen und sich bis zum Jahresende komplett aus dem Werk zurückzuziehen. Maßnahmen, von denen noch einmal 180 Mitarbeiter betroffen sind. Und an diesem Plan habe sich nichts geändert, wie Reflex-Geschäftsführer Heikki Husso auf DZ-Nachfrage erklärte.

Weitere Interessenten

Somit drängt die Zeit, eine neue Lösung für die Premium-Papier-Sparte zu finden. „Die Tür für weitere Verhandlungen mit Lenk bleibt offen”, erklärte Husso. Parallel sollen Gespräche mit anderen Interessenten geführt werden.

Zu den Gründen des vorerst gescheiterten Verkaufs wollten sich weder Husso noch der Lenk-Vorstandsvorsitzende Sebastian Leser offiziell äußern. Leser ließ aber durchblicken, dass sein Unternehmen weiter an einem Engagement in Düren interessiert sei, aber keine „langfristigen Investitionen ohne langfristige Absprachen” eingehen könne. Nach DZ-Informationen scheiterte der Verkauf an logistischen Fragen (unter anderem Wegenutzungsrechte auf dem Fabrikgelände, Mitbenutzung des Hochregallagers) und an der Energieversorgung. Offenbar war die M-Real-Schwester Metsä-Tissue, die bereits Ende 2009 Teile des Werks Reflex inklusive der größten Papiermaschine und des Kraftwerks gekauft hatte, nicht bereit, Lenk langfristige Nutzungsrechte einzuräumen.

„Wir brauchen nun innovative Lösungsansätze”, forderte Leser und betonte, dass es an fehlender Unterstützung der Belegschaft nicht gemangelt habe: „Mit dem Betriebsrat hatten wir uns rasch auf ein zukunftsfähiges Konzept geeinigt.”

Die Belegschaft war zu nicht unerheblichen Zugeständnissen bereit, um die Arbeitsplätze langfristig zu sichern. Entsprechend sauer ist der Reflex-Betriebsratsvorsitzende Norbert Werres. Der Betriebsrat habe im Vertrauen auf die Umsetzung des von M-Real angestrebten Papierpark-Konzepts im Dürener Werk zuerst dem Abbau von 80, später von weiteren 47 Arbeitsplätzen über den Wechsel in eine Transfergesellschaft zugestimmt. Beides sei zu moderaten Konditionen erfolgt, um den Einstieg der Investoren zu ermöglichen.

„Der erste Schritt erfolgte im direkten Zusammenhang mit dem Einstieg von Metsä-Tissue”, erklärt Werres, „der zweite sollte den Einstieg von Lenk erleichtern.” Daher erwarten Betriebsrat und IGBCE, dass nun endlich auch die Finnen ihre Zusagen einhalten, und fordern „klare und verbindliche Rahmenbedingungen für den Verkaufsprozess und die Investoren, die hier einsteigen wollen”. Das hat der Betriebsrat in der vergangenen Woche auch in einem Schreiben an den Vorstandsvorsitzenden der Metsäliitto Gruppe deutlich gemacht, der Muttergesellschaft von M-Real und Metsä Tissue. „Sollte es keine Lösung für das Werk Reflex geben, kann sich die Geschäftsleitung auf harte Verhandlungen einstellen”, erhöht Werres den Druck.

Dabei ist er felsenfest überzeugt, dass Investoren durchaus gefunden werden können, und verweist darauf, dass M-Real zuletzt fünf Millionen Euro in das Papierpark-Konzept investiert habe. „Wir haben gute Anlagen und hoch qualifizierte Mitarbeiter”, betont Werres und kündigt an, dass sich der Betriebsrat nun seinerseits aktiv in die Investorensuche einschalten werde. Dabei will der Betriebsrat nicht nur auf die IGBCE, sondern auch auf einen externen Sachverständigen zurückgreifen. „Wir werden von unserer Seite alles für den Erhalt des Werks Reflex unternehmen.”
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