1000 Einbrüche pro Jahr: Den Einbrechern die Zeit stehlen

Von: Sarah Maria Berners und Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
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Nachrüsten empfohlen: Mit einem Schraubendreher und ein paar Handgriffen können Einbrecher einfache Fenster schnell öffnen. Foto: sj

Kreis Düren. Rund 1000 Einbrüche gibt es pro Jahr im Kreis Düren, die Täter werden nur selten dingfest gemacht. Sie dringen durch Fenster und Terrassentüren schnell und unauffällig in die Wohnungen ein und sind ebenso flott mit ihrer Beute wieder draußen. Zurück bleiben die geschockten Bewohner.

„Da war jemand in meiner Wohnung. Da hat jemand in meinen Sachen gewühlt“. Dieses Gefühl ist oft viel schlimmer für die Menschen als der eigentliche Sachschaden“, weiß Dietmar Schorn von der Abteilung für Kriminalprävention und Opferschutz. „Viele sind fertig mit den Nerven. Und dieses ungute Gefühl, die Nervosität auf dem Heimweg, begleitet die Menschen oft über eine lange Zeit.“

Und dennoch: „Viele Menschen sind sehr unbekümmert“, betont Schorn. Friedhelm Fink, Leiter des Kommissariats, ergänzt: „Die Menschen zu sensibilisieren, bevor sie Opfer werden, ist schwierig.“ Bauliche Veränderungen zum Schutz vor Einbrüchen stehen für die meisten Menschen nicht oben auf der privaten Investitionsliste. Außerdem zeige sich die Unbekümmertheit der Menschen darin, dass viele nicht sofort zum Hörer greifen, wenn ihnen manche Beobachtung „komisch“ vorkommt.

In Zivil observiert

„Ein gesundes Maß an Misstrauen darf der Mensch ruhig haben“, sagt Polizeisprecher Ralf Meurer, der dazu rät, in einem solchen Fall „hemmungslos die 110 zu wählen“. Und wenn Sie die 110 gewählt haben und kein blaues Polizeiauto kommt? „Es könnte sein, dass die Kollegen in Zivil observieren“, erklärt Ralf Meurer.

Das Thema Einbruchsprävention ist schon seit einigen Jahren ein Schwerpunktthema der Kreispolizeibehörde. Auch, weil es so schwer ist, die oft reisenden Einbrechergruppen aus dem Ausland, zu fassen. Fingerabdrücke und DNA-Spuren hinterlassen sie nur selten, am nächsten Tag sind sie schon in einer anderen Stadt. Dennoch werden in einer behördenübergreifenden Auswertungs- und Analysestelle alle noch so kleinen Puzzleteile festgehalten. Sie könnten später noch bedeutsam sein.

Neben dem Schutz vor Einbrüchen geht es Dietmar Schorn und Friedhelm Fink auch darum, dass die Menschen für den Fall eines Einbruches vorbereitet sind. „Sie sollten sich die Gerätenummern aufschreiben und Fotos von ihrem Schmuck machen“, rät Schorn. Wenn die Polizei Verdächtige kontrolliere oder bei einer Routinekontrolle etwas Verdächtiges entdecke, könnten registrierte Gegenstände den Weg zurück zum Besitzer finden. „Nur mit diesen Beweisen können wir die Täter greifen“, betont Schorn.

Was die Polizisten feststellen, ist eine Art Resignation. „Wenn sie rein wollen, kommen sie auch rein“ – diesen Satz hören die Beamten häufiger. „Er stimmt aber nur begrenzt. Oft reicht eine Verzögerung und der Einbrecher flüchtet“, erklärt Friedhelm Fink. Für die entsprechende Verzögerung können Fenster mit „Pilzverzapfung“ sorgen, die nicht so leicht aufzuhebeln sind, und abschließbare Fenstergriffe. „Die Täter wollen im Regelfall nicht in dieses bestimmte Haus einbrechen. Sie wollen in irgendein Haus einbrechen“, betonen Fink und Schorn. Und sie würden aufgeben, wenn der Versuch zu lange dauert.

Fenster leicht zu knacken

80 Prozent der aktuell eingebauten Fenster haben die Einbrecher in einer Minute aufgehebelt, wissen die Experten. „Stehlen Sie dem Einbrecher die Zeit und lassen Sie ihn nicht im Dunkeln stehen“, lautet ein einprägsamer Ratschlag der Polizisten, der mit einem Plädoyer für Bewegungsmelder verbunden ist.

„Die Menschen machen eine Kosten-Nutzen-Rechnung“, weiß Ralf Meurer. Und weil ihnen die Wahrscheinlichkeit eines Einbruchs gering vorkommt, entscheiden sie sich oft auch gegen eine Investition. Die wirklichen Kosten würden sie aber erst erkennen, wenn sie Opfer geworden seien. „Rauchmelder sind in Deutschland mittlerweile Pflicht. Wir würden uns auch eine Vorschrift für sicherere Fenster wünschen“, sagt Fink. In anderen Ländern gebe es bereits einen Mindeststandard bei Neubauten.

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