Eine Schnapsidee? Nein! Ein Likör.

Von Stephan Johnen | 24.08.2011, 18:00

Vossenack. Die amtliche Einschätzung kam von Herzen. «Das ist ja eine Schnapsidee», kommentierte der Verwaltungsfachmann im Kleinhauer Rathaus augenzwinkernd, als er die Geschäftsidee studierte, den Gewerbeschein ausfüllte und den drei Freunden viel Erfolg wünschte. Von wegen Schnapsidee!
Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte sich das mühsame Einarbeiten ins EU-Spirituosengesetz für Michael Rambadt (34 Jahre) und Christiane (29) und Christof Lutterbach (36) gelohnt. Bei 15,5 Prozent Alkohol und 130 Gramm Zucker pro Liter handelt es sich ganz klar nicht um einen Klaren! «Wir stellen einen Likör her», betonten die Drei. Der Rest des Genehmigungsverfahrens war eine Formalie.

Nun, nicht ganz. «Wir sind ein wenig blauäugig an die Sache herangegangen», blickt Michael Rambadt zurück. Die drei Vossenacker hatten schon viele Stunden in der Küche verbracht, um nach einem geheimen Rezept für Freunde, Bekannte und für Feierlichkeiten Holunderlikör als Geschenk herzustellen.

Offenbar so gut, dass vor zwei Jahren die Idee reifte, den «Original Vossenacker Holunderlikör» unter dem Namen «Hola» zu produzieren und zu verkaufen. Welche Schritte bis zur Gründung einer GbR und dem ersten Abfüllen einer Flasche notwendig sind, lernten die Freunde auf dem Weg dorthin kennen. Es war eine weite Strecke.

EU-Spirituosengesetz, Lebensmittelrecht, Hygienevorschriften, Bilanzbuchhaltung, Marketing und Grundlagen von Kalkulation und Vertrieb: Der Start der eigenen Likör-Produktion ließ sich nicht von jetzt auf gleich umsetzen.

Zumal Christof Lutterbach hauptberuflich als Elektrotechniker arbeitet und Michael Rambadt im Forschungszentrum Jülich als Diplom-Mathematiker den dortigen Super-Computer betreut - und beide nicht den Wunsch hegen, Großindustrielle in Sachen Likör zu werden.

Die Herstellung einer eigenen Spezialität soll weiterhin ein Hobby bleiben. Nur auf professioneller Basis. So wurde im Jahr 2009 mit amtlicher Genehmigung und unter amtlicher Kontrolle die Produktion von der Wohnküche in die tageweise angemietete Industrieküche verlegt.

Seit April ist die «Hola GbR» auch zertifizierter Produzent unter dem Dach der Regionalmarke Eifel. Alle Rohstoffe ihres Likörs kommen aus der Region. «Die Vorgaben entsprechen auch unserer Philosophie», finden die Vossenacker Freunde. «Wir gehen ja auch beim Metzger im Ort einkaufen.»

Klinken haben die Likör-Produzenten im Freizeitbereich aber auch außerhalb des Ortes kräftig geputzt, schließlich lief der Verkauf ab eigener Haustüre zunächst eher überschaubar. Mittlerweile ist der Likör, dessen Markenzeichen ein stilisiertes Panoramabild von Vossenack ist, unter anderem auch in Kleinhau, Simonskall, Schleiden, Heimbach, Monschau, Aachen und auf dem Dürener Wochenmarkt zu erhalten.

«Wir haben nie daran gezweifelt, dass wir die Flaschen auch wieder loswerden», sagt Christof Lutterbach. «Wir mussten aber auch zu keinem Zeitpunkt davon leben. Das beruhigt.» Und was kommt in Zukunft? Ein neues Getränk? «Hola» für die Dame? Die Freunde winken ab. «Wir sind mit einem Produkt ausgelastet.» In diesem Jahr wird die Produktion erneut gesteigert.

Mit der Gründung der «Hola GbR» haben sich die drei Geschäftsführer Christiane und Christof Lutterbach und Michael Rambadt auf die Herstellung des Holunderlikörs spezialisiert.

Ihr Produkt wurde jüngst von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) mit einer Prämierung in Silber ausgezeichnet.

Gerade zur Sommerzeit empfiehlt Christiane Lutterbach «Holacuja» - einen fruchtigen Cocktail, den sie selbst im Eigenversuch zusammengestellt hat.

Vier Zentiliter Hola werden mit zwei Zentilitern braunem Rum und acht Zentilitern Maracujasaft in ein Cocktail-Glas mit gecrushtem Eis gefüllt.