Erst um 4.15 Uhr hat Nietan sein Mandat sicher

Von Jörg Abels | 28.09.2009, 16:01

Kreis Düren. Die Nacht war kurz und verlief unruhig für Dietmar Nietan: Die Ungewissheit, ob es für ihn nach dem Absturz auf gerade einmal 30,63 Prozent und dem deutlich gegen Thomas Rachel (CDU) verlorenen Direktmandat doch noch über die NRW-Landesliste der SPD für den Einzug in den Bundestag reichen würde, raubte dem Genossen den Schlaf.
Aber auch um 3.30 Uhr am frühen Montagmorgen konnte ihm die Landeswahlleiterin aus Düsseldorf telefonisch noch keine verlässliche Wasserstandsmeldung geben. Erst eine Dreiviertelstunde später hatte das Zittern mit einem Blick ins Internet ein Ende.

Mit dem vorläufigen amtlichen Endergebnis des Bundeswahlleiters stand fest: Auch der SPD-Kreisvorsitzende wird dem 17. Bundestag angehören. Sein im Vorfeld als weitgehend sicher eingeschätzter Landeslistenplatz 11 zog aber nur, weil die SPD mit ihrem schlechtesten Abschneiden bei einer Bundestagswahl überhaupt NRW-weit von bislang 40 Direktmandaten nur noch 13 rettete.

An welch seidenem Faden Nietans Comeback - von 1998 bis 2005 gehörte er bereits dem Bundestag an - hing, zeigt auch die Tatsache, dass der Dürener und die scheidende Gesundheitsministerin Ulla Schmidt die einzigen Genossen aus dem Regierungsbezirk Köln sind, die über die Landesliste den Sprung schafften. Diesen «Katastrophenschutz» musste sich Nietan in den letzten Jahren parteiintern erst erkämpfen und hart erarbeiten. Zur Erinnerung: Beim Verlust des Direktmandats 2005 war er nicht abgesichert.

Seine herben Verluste schreibt Nietan in erster Linie dem Bundestrend zu, aber auch dem Umstand, dass deutlich mehr FDP-Wähler Rachel unterstützten als er nur Stimmen von Grünen und Linken erhielt. Das ändert freilich nichts an der Tatsache, dass der Dürener von 75.330 Stimmen bei der Ablösung der Ära Kohl anno 1998 nur noch 43.665 retten konnte. «Damals lag aber auch die SPD bundesweit bei 40,4 und nicht nur bei 23», relativiert der Genosse.

Mit Direktkandidat Thomas Rachel (CDU), der in den letzten 21 Jahren «nur» rund 4000 Stimmen an die Herausforderer der kleinen Parteien verlor, Dietmar Nietan und dem Grünen Oliver Krischer ist der Kreis Düren erstmals seit 2002 - damals mit Rachel, Nietan und Irmgard Schwaetzer (FDP) wieder mit drei Abgeordneten in Berlin vertreten - überproportional stark im Vergleich zu anderen Kreisen.

Der Blick auf das Endergebnis im Kreis Düren zeigt aber noch weitere Tendenzen. Die Zahl der «Piraten», die sich «für einen stärkeren Schutz und eine stärkere Beachtung der Grundrechte einsetzen und die Bürgerrechte gegenüber dem sie bedrohenden Staat verteidigen wollen» (Programm Piratenpartei), hat sich seit der Europawahl (582 Stimmen/0,70 %) binnen dreieinhalb Monaten vervierfacht (2268/1,6 %) und damit sogar die der NPD-Anhänger (2065) überflügelt, die in Stadt und Kreis Düren je ein Mandat gewannen.

Im Vergleich zur Kreistagswahl (NPD: 2369) ist die Zahl der Sympathisanten für Rechtsaußen nahezu konstant geblieben, verteilt sich aber auch auf REP (257) und DVU (72 Stimmen).

Zurück zu Dietmar Nietan. Nachdem er am Morgen unzählige SMS- und E-Mail-Glückwünsche beantwortet hatte, stürzte er sich bereits wieder in die Arbeit und packte die Koffer, um in Berlin an der Erneuerung der SPD mitzuarbeiten.