Aachen - Zwischen Kleiderhaken fürs Abi büffeln

Zwischen Kleiderhaken fürs Abi büffeln

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
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„Das ist eine Kriegserklärung”: Schulleiter Hans-Albert Ohnesorge mit einem Schreiben der Stadt, das die Mitnutzung der Aula verbietet.

Aachen. Hans-Albert Ohnesorge ist im Moment ganz und und gar nicht ohne Sorge. Und mit ihm die private Amos-Comenius-Schule, die er 1999 gegründet hat. So hält der Schulleiter ganz aktuell ein Schreiben der Stadt in Händen, das er eine „Kriegerklärung” nennt. Normalerweise ist Hans-Albert Ohnesorge kein Mann, dem solche Worte leicht über die Lippen kommen.

Nein, er sagt eher, dass seine Schule über die Jahre hinweg ein „gutes, kooperatives Verhältnis” zur Stadt habe. Wie bei den Vertretern der Elternschaft, des Fördervereins und der Schüler herrscht derzeit jedoch Frust. Aktueller Anlass: Die Schule darf die Aula des Gebäudes zwischen Sandkaul- und Bergstraße, in dem sie sitzt, nicht mehr mitbenutzen. Dort ist jetzt eine Mensa der David-Hansemann-Realschule eingerichtet worden. Besser gesagt: Es stehen ein paar Tische und Stühle in einem Teil der Aula. Lapidar teilt die Stadt mit Schreiben von vorgestern mit, dass die Aula für die Amos-Comenius-Schule zum 30. August tabu ist - also sozusagen rückwirkend. Einen entsprechend geänderten Mietvertrag werde man separat zusenden. Die Schule möge ihn unterschrieben zurückschicken.

Pause nur noch draußen

Die Art und Weise bezeichnet Ohnesorge als „Bodenlosigkeit”. Die Schule ist seit 2004 Mieterin in dem Gebäudeteil, das zuvor jahrelang leer stand. Ohne die Mitbenutzung der Aula stehe den 160 Schülern kein Pausenraum zur Verfügung. Sie müssten nun bei Wind und Wetter nach draußen und dort ihre Freistunde verbringen - obwohl sich die Pausenzeiten mit jenen der Realschule kaum überschnitten. Apropos Räume. Die reichen für die expandierende Schule längst nicht mehr. Grund- und Leistungskurse der Oberstufe werden bisweilen zwischen Kleiderhaken in den Klassenvorräumen unterrichtet. Ohne Tafel, ohne begleitendes Unterrichtsmaterial, bei hoher Geräuschkulisse, wie Schülerin Miriam Koken es beschreibt.

Die Stadt sagt auf Anfrage, die Schulleitung habe sich seinerzeit die Räume angeschaut und sie für gut befunden. „Damals konnten wir nicht absehen, dass wir derart wachsen würden”, erklärt Hans-Albert Ohnesorge. Und die Schule könnte weiter expandieren, die Warteliste ist lang. Gerne würde man eine zweite Klasse pro Jahrgang starten - in der Sandkaulstraße unmöglich.

Die Enge ist die eine Seite. Hinzu kommt ein Gebäudezustand, den man als ziemlich marode beschreiben könnte. Die Toiletten stinken. „Die sind in erbärmlichem Zustand”, sagt Ohnesorge. Auch gründliche Reinigung vertreibe den Muff nicht, der sich überall festgesetzt hat. Die Flachdächer sind indes immer wieder undicht, an einer Glaswand im Treppenhaus fließe das Wasser manchmal in Sturzbächen hinab. Seitens des städtischen Gebäudemanagements komme dann auch immer jemand. Ein Dauerzustand könne das aber nicht sein. „denn da wird nur an den Symptomen herumoperiert”.

Im Außenbereich sind Gittersteine lose und ragen in die Luft. Eine echte Unfallgefahr, wie Ohnesorge sagt. Aus Holzbänken hätten zuletzt Nägel hervorgestanden. Die Bänke seien nun abgebaut - ohne, dass neue gekommen wären. Dabei sei die Miete, die man an die Stadt zahle, „exorbitant hoch” - zumindest in Relation zum Gebäudezustand, wie Fördervereinsvorsitzender Raymund Hofmann feststellt.

Einen Grund für die Behandlung kann Hans-Albert Ohnesorge höchstens in wirtschaftlichen Zwängen der Stadt vermuten. Konkurrenzdenken könne es nicht sein. Die private Schule - schulrechtlich ein Gymnasium - leiste eine anerkannt wichtige Arbeit. Sie nimmt auch Schüler auf, die in ihrer vorherigen „Laufbahn” unter Problemen litten. In vielerlei Hinsicht sei man eine integrative Einrichtung.

So ist die Schule auf der Suche nach einer neuen Heimat. Auf dem Immobilienmarkt ist man nicht fündig geworden. Die Stadt habe als Alternativstandort etwa die Grundschule Walheim angeboten. Wegen der schlechten Erreichbarkeit komme das aber nicht in Frage, so Ohnesorge.

Indes versteht man bei der Stadt die Verärgerung nicht. Man sei immer im Gespräch mit der Amos-Comenius-Schule, sagt Stadtsprecher Hans Poth nach Rücksprache mit dem Gebäudemanagement. Die Miete sei „sehr gering”, Schäden würden rasch repariert. Eine Sanierung der Toiletten komme aber nicht in Frage, denn „möglicherweise ist die Schule nicht mehr lange in dem Gebäude”.

Am Runden Tisch zur Schulentwicklung sei auch ein neuer Standort für die Amos-Comenius-Schule ein Thema. Tatsächlich hofft die Privatschule, in die Hauptschule Franzstraße einziehen zu können, die geschlossen werden soll. „Jetzt, da sich die Schullandschaft verändert, ist der richtige Zeitpunkt, darüber nachzudenken”, so Hofmann. Diesen Wunsch habe man an die Stadt herangetragen. Die Reaktion beschreibt Ohnesorge so: „Man hat es freundlich zur Kenntnis genommen.”

Kronenberg zu klein für komplette Gesamtschule

Die vierte Gesamtschule soll 2011 am Kronenberg einziehen. So wollen es SPD, CDU und Grüne. Die Hauptschule wird geschlossen, die Grundschule läuft ebenfalls aus. Doch die Räume beider Schulen zusammen reichen für eine vierzügige Gesamtschule nicht aus. Das hat Schuldezernent Wolfgang Rombey im Juli am Runden Tisch zur Schulentwicklung erklärt. Zu entnehmen ist das dem Protokoll der Sitzung.

Seine Aussage sei jedoch kein Widerspruch zur Einrichtung einer Gesamtschule dort, erklärte Rombey jetzt auf AZ-Anfrage. In den ersten Jahren, in denen ja noch nicht alle Jahrgangsstufen vorhanden sind, reichten die Gebäude. Im vollen Betrieb müsse man dann anbauen.

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