Aachen - Zwischen dem Karlspreis, Hooligans und Nachbarschaftshilfe

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Zwischen dem Karlspreis, Hooligans und Nachbarschaftshilfe

Von: Peter Schopp
Letzte Aktualisierung:
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Unterhaltsame Gespräche: (hinten v.l.) das Sofa-Team mit Till Schüler, Claire Radermacher, Christian Mourad, (vorne v. l.) Bernd Büttgens, Sprecher der Stadt, Mechtild Jansen, „Netzwerk Neue Nachbarn“ und Polizeisprecher Paul Kemen. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Gemeindeabend „Treffpunkt Sofa“ in St. Gregorius – die Idee des unvergessenen Pfarrers Hans-Albert Höntges lebt ungebrochen weiter. Zweimal im Jahr treffen sich drei regional bekannte Persönlichkeiten zum unterhaltsamen und informativen Gespräch auf der Couch im Gemeinderaum unter der Kirche.

Das Sofa-Team um Till Schüler, Claire Radermacher und Christian Mourad hatte bei der 59. Auflage des Talkabends Mechtild Jansen vom „Netzwerk Neue Nachbarn“, Polizei-Pressesprecher und Mullefluppet-Preisträger Paul Kemen und Bernd Büttgens, ehemaliger stellvertretender Chefredakteur von AZ und AN und aktueller Sprecher der Stadt Aachen, als Gäste eingeladen.

Zahlreiche Besucher

Alle drei begeisterten erwartungsgemäß die wiederum zahlreich erschienenen Besucher mit schlagfertigen Antworten und interessanten Geschichten aus ihrem Arbeitsalltag. Büttgens freute sich über den gelungenen Perspektivwechsel seines Arbeitsplatzes vom Industriegebiet an der Dresdener Straße ins Haus Löwenstein, wo er zu Beginn seiner jetzigen Tätigkeit manchmal ungläubig aus dem Fenster geschaut und einfach den tollen Anblick auf Markt und Rathaus genossen habe.

Anekdoten rund um Karneval, Sommerveranstaltungen und Weihnachtsmarkt („Irgendwann kannst du Helene Fischer nicht mehr hören“) sowie die Feinheiten einer Karlspreisverleihung im Vatikan aus dem Munde eines unmittelbar „Betroffenen“ rundeten das Bild eines Menschen ab, der es genießt, in Aachen und für Aachen zu arbeiten und die Zukunft – Stichwort Digitalisierung – mitgestalten zu können. Wenn auch sein heimlicher Wunsch, die Alemannia zwecks Schadensminimierung wieder in die Bundesliga zu hexen, unrealistisch daherkommt.

Umso realistischer waren dann die Ausführungen von Mechtild Jansen. Sie ist aktiv in der Flüchtlingshilfe engagiert und konnte eindrucksvoll von den großen und kleinen Erfolgen ihrer Arbeit, aber auch von den unausweichlichen Problemen berichten, die mit der großen Zahl von Flüchtlingen aufkommen. Jansen machte deutlich, dass das „Netzwerk Neue Nachbarn“ kein Rundum-sorglos-Paket für die Neuankömmlinge sein kann und auch nicht sein will, sondern dass die hier mithelfenden Menschen den Flüchtlingen Hilfe zur Selbsthilfe anbieten, damit diese ihr Leben bald selber gestalten können.

Greifbar wurde die Problematik bei ihrer Schilderung unterschiedlicher Bildungsniveaus und sprachlicher Hürden. Dabei plädierte sie auch dafür, den Menschen mit Verständnis zu begegnen, da viele von ihnen stark traumatisiert seien. Anhängern einer gewissen Sozialromantik erteilte sie hingegen eine Abfuhr: „Mit Handauflegen und schönen Reden kommen wir nicht weiter. Integration ist harte Arbeit“.

Mit allzu viel Nachsicht kam auch Paul Kemen in seiner beruflichen Laufbahn nur selten zum Ziel. Da sein eigentlicher Berufswunsch Sportlehrer aus Mangel eines zweiten Faches („Ich war sehr schlecht in Mathe“) nicht zustande kam, empfahl sein Vater: „Geh zur Polizei, da brauchst du nur die Knöllchen bis 40 Mark zu berechnen.“ Aber in Zeiten von RAF-Terror, aufkommenden Hooligans und wachsender Gewalt auch gegen Polizisten waren die Anforderungen schnell deutlich höher.

Der Bericht zu einem internen Vorgang sorgte schließlich für seine Berufung zum Pressesprecher der Polizei in Aachen. Kemen erfüllte diese Aufgabe in der Folge mit so viel Herzblut und Mutterwitz, dass er seine schönsten Erlebnisse auf zwei CDs herausbrachte, was wiederum zum Mullefluppetpreis 2012 der Aachener Zeitung und zu 8888 Euro für die Aktion „Menschen helfen Menschen“ führte.

Er zeigte sich als großer „Fan“ seiner Kollegen mit Migrationshintergrund, da diese sehr einfühlsam in ernsten Situationen mit Landsleuten für Beruhigung sorgen würden und eine echte Bereicherung für die Polizei seien. Soziale Medien seien Fluch und Segen gleichzeitig: „Bei Fahndungen können sie hilfreich sein, aber andererseits werden viele unwahre Dinge in die Welt gesetzt, und es wird Stimmung gemacht.“

60. Sofaabend im Oktober

Der ausgesprochen kurzweilige Abend wurde von Regina Lützenburg (Klavier) sowie Maria Regina Heyne (Sopran) hervorragend musikalisch abgerundet. Der 60. Sofaabend findet am 24. Oktober statt.

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