Zwingend auch ohne „Theaterzwang”

Von: Peter Motz
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In Front
Das Programm „Satie(re) & Valentin(aden)” bescherte beim „In Front”-Festival einen beschwingten Abend mit reichlich Schmäh. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Spinnert” ist ein schönes Schmähwort. Und es passt wohlgemeint auf das, was die Gesellschaft für Zeitgenössische Musik zum Start des „In Front”-Festivals in der Klangbrücke präsentierte.

Das Programm „Satie(re) & Valentin(aden)” bescherte einen beschwingten Abend mit reichlich Schmäh. Für den Swing-Schwung sorgten die renommierten Jazzer Frank Wunsch am Klavier und Gerd Dudek an Saxofonen. Ihr Spiel fiel Peter Niemeyer ins Wort. Der Schauspieler rezitierte Erik Satie und Karl Valentin.

Beim Namen Satie denkt man in erster Linie an Musik. Und das ist gut so. Denn die zur Wendezeit vom 19. zum 20. Jahrhundert entstandenen Kompositionen gelten als Pionierwerke. Der Meister griff aber nicht nur in die Tasten, sondern auch zum Griffel. Diese Texte sind meist absurd, oft komisch - mitunter auch läppisch.

Ein Glück, dass sich Satie - wie er in „Tagesablauf eines Musikers” festhielt - täglich von 10.23 bis 11.47 Uhr sowie von 15.12 bis 16.07 Uhr Zeit für musikalische Inspiration gönnte. Da entstanden entspannte Pianoläufe wie in „Gymnopdie No.1”, das der heutigen Ambient-Musik den Weg bereitete. Seine Wurzeln lagen eigentlich im Cabaret. So hätte Satie an den federleichten Arrangements von Frank Wunsch und den schillernden Improvisationen von Gerd Dudek wohl seine Freude gehabt.

Freude machte dem Publikum die Tatsache, dass das kongeniale Jazz-Duo nicht wie Satie um 22.37 Uhr zu Bett ging, sondern im zweiten Teil des Abends zur genialen - wenngleich hochdeutsch vorgetragenen - Wortakrobatik Karl Valentins mit zahlreichen Zitaten der Musikgeschichte jonglierte.

Da wurde improvisiert, was das Zeug des großen Münchner Komikers hält: von Franz Schuberts „Forellenquintett” zu Valentins Gedanken über „Das Fischen von lebenden Fischen” bis zu Irving Berlins „There´s no business like show business” zu Valentins schelmischer Forderung nach einem „Theaterzwang”.

Leere Kulturhäuser sind nämlich beileibe kein neues Phänomen. Karl Valentin ärgerte sich schon vor 100 Jahren über das Banausentum, unter dem leider auch der Auftakt des „In Front”-Festivals litt. Kaum mehr als ein Dutzend Zuschauer: Doch sie verloren sich nicht, sie amüsierten sich. Ende Oktober geht der Konzertreigen in der Klangbrücke weiter. Man sollte die Macher auch ganz ohne „Theaterzwang” zwingend für ihr Engagement belohnen - und hingehen.
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