Zweiter Teil der Heiligtumsfahrt: Zum Abschluss offene Worte

Von: Carlon Kruff
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Zelebrierten am Sonntag den Abschluss: Abtprimas Dr. Notker Wolf und Propst Ewald Vincken (links). Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Ein bisschen Wehmut wird der eine oder andere Einwohner Kornelimünsters schon verspürt haben, als er am Sonntagvormittag das Glockengeläut von St. Kornelius durch das historische Örtchen hallen hörte.

Denn dieses rief nicht nur zum Pontifikalamt mit Abtprimas Dr. Notker Wolf, Rom, sowie Dr. Ewald Vienken, Propst von Kornelimünster, und Abt Friedhelm Tissen von der Benediktinerabtei Kornelimünster, sondern läutete auch den Schlusstag des zweiten Teils der Heiligtumsfahrt sowie der Kornelioktav ein.

Wie bereits beim Eröffnungsgottesdienst war die Kirche rappelvoll. Nachzügler konnten nur noch Stehplätze ergattern. Neben Ortsansässigen, Zugereisten und Pilgern nahmen auch einige Benediktinermönche aus ganz Europa an der geistlichen Zeremonie Teil. Propst Vienken sprach rückblickend von einer „Woche der Begegnungen“, die nun mit Glanz und Gloria endete. Denn während außerhalb des historischen Kirchengemäuers der Farbton grau vorherrschte, erstrahlte im Innern der Hochaltar in goldenem Licht, begleitet von der spirituellen Aura der drei Heiligtümer Schürztuch, Grabtuch und Schweißtuch Jesu, welche die letzen Stunden in der Öffentlichkeit in ihren Vitrinen verharrten.

Musikalisch begleitet wurde das stimmungsvolle Kirchenfest von der Choralschola der Benediktinerabtei. Modern und weltoffen präsentierte sich die Heiligtumsfahrt – das abschließende Pontifikalamt machte da keine Ausnahme. Abtprimas Wolf fand in seiner Predigt deutliche Worte und formulierte eine erfrischend offene und ehrliche Gesellschaftskritik, wie man sie sich von manch anderen Institutionen ab und an wünscht. „Wir Menschen sind nun mal verschieden, keine Zinnsoldaten und keine Schachfiguren. Die Ehrfurcht vor der Einzigartigkeit des anderen und das Miteinander der Menschen ist wichtig. Leider ist Ehrfurcht ein Fremdwort in unserer heutigen Gesellschaft.“

Damit verkündete der Geistliche eine Abrede auf die um sich greifende Gleichmacherei sowie die Political Correctness. „Wir wollen heutzutage alles genau wissen, für alles brauchen wir ein Gesetz. Dabei gibt es so viele Situationen, die nicht durch Gesetze festgezurrt werden können. Sicherheit entsteht doch erst durch Vertrauen, das ich in andere lege.“ Die vorschnelle Aburteilung von Mitmenschen bezeichnete er als arrogant. „Es fehlt heutzutage an Humor und Gelassenheit, stattdessen macht sich Zynismus breit.“

Dabei betonte er, dass diese Gedanken nicht neu seien. Bei der Vorbereitung auf seinen Besuch in Kornelimünster stieß er in den Schriften Benedikts von Aniane, der vor 1200 Jahren den Grundstein für das Indeörtchen legte, auf ähnliche Gedanken. Besonders von dem persönlichen Wandel des Mönchs sei er fasziniert, verriet Abtprimas Wolf.

Am späten Nachmittag wurden bei einer Schlussfeier, die von den Korneliusbläsern und der Kantorei Kornelimünster musikalisch begleitet wurden, die Heiligtümer wieder verschlossen. In sieben Jahren ist es wieder soweit: Dann kann Kornelimünster sich wieder auf Pilger aus nah und fern freuen.

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