Zwei Schulen, ein Gebäude und jede Menge Kompromisse

Von: Stefan Herrmann
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Aachen. Der Rock regiert die Schule. Wenn, wie an diesem Mittag, die Schülerband in der Aula probt, ein durchaus gewollter Zustand. Doch auch wenn keine Songs durch die Flure des Gebäudes an der Sandkaulstraße schallen, müssen sich Schüler wie Lehrer teilweise vorkommen wie auf einem Rockkonzert: Es ist laut, es ist eng.

Seit vergangenem Sommer müssen sich die 4. Gesamtschule und Teile der David-Hansemann-Realschule (DHS) das Gebäude mitten in der City teilen. Unterricht im räumlichen Ausnahmezustand. „Normalerweise ist das nicht tragbar“, meint Hanno Bennemann, Leiter der Gesamtschule. Doch beide Schulen haben sich mit dem Kompromiss auf Zeit so gut wie möglich arrangiert.

Zuvor hatte es im Frühjahr 2014 eine emotional geführte Debatte um den Standort gegeben. Politik und Verwaltung schalteten sich ein. Herausgekommen war, so beurteilten es die Beteiligten damals, ein Kompromiss. Andere sprachen dagegen eher von einer Notlösung. Die Realschule läuft nach dem Schuljahr 2015/16 aus, die Gesamtschule ist unterdessen weiter im Aufbau.

Derzeit entsteht deshalb an der Sandkaulstraße ein neuer Komplex. Kostenpunkt: rund 11,7 Millionen Euro. Für die Dauer der Bauzeit musste die Gesamtschule nun in die bis vergangenen Sommer alleinige Heimat der David-Hansemann-Schule auf der gegenüberliegenden Straßenseite ziehen. Dies sorgte für Ärger und führte schließlich zur Entscheidung, dass zumindest die gut 100 Zehntklässler der DHS ihren Abschluss in „ihrem“ alten Gebäude machen können.

Die Auswirkungen bedeuten für beide Schulen: Einschränkungen und Kompromisse dominieren den Unterrichtsalltag. Insgesamt tummeln sich nun rund 540 Schüler der beiden Schulen in den Klassen und Gängen. Ein Trakt mit vier Klassenräumen, einem Lehrerzimmer und einem Sekretariat steht der DHS zu, den Rest belegt die 4. Gesamtschule. Mit Platzmangel haben beide zu kämpfen. Fachräume unter anderem für Kunst oder eine angemessene Umsetzung der schulischen Inklusion fehlen. Bennemann macht keinen Hehl daraus, dass er die nach Eltern- und Schülerprotesten der DHS beschlossene Lösung „Zwei Schulen, ein Gebäude“ für unglücklich hält. Er betont aber auch: „Das Miteinander ist mittlerweile trotz aller Enge unproblematisch.“

In den ersten Wochen habe es einige Konflikte unter den Schülern auf dem Schulhof gegeben. Denn den teilen sich die beiden Schulen. Doch das ist längst vom Tisch. „Jüngere Schüler von uns orientieren sich sogar an den älteren Realschülern, schauen zu ihnen auf“, erzählt Bennemann. Umgekehrt nimmt eine Realschülerin inzwischen an der Musik-AG der Gesamtschule teil. Eine gemeinsame Weihnachtsfeier fand im Dezember in der Aula statt. Zwischen den beiden Leitern Bennemann und Ilse Zimmermann (DHS und Hugo-Junkers-Realschule) habe die Kooperation von Beginn an funktioniert, so der Gesamtschulleiter.

Schulhof abgesackt

In Kürze erhält die 4. Gesamtschule einen Klassencontainer, damit sich die Raumsituation etwas entspannt. Draußen rücken Schüler und Lehrer dagegen seit Wochen noch enger zusammen. Ein Teil des Schulhofs war in Folge der direkt angrenzenden Aushubarbeiten für ein neues Vier-Sterne-Hotel abgesackt. Zeitweise musste der Hof großflächig abgesperrt werden. Bauzäune trennen weiterhin den Randbereich des Schulhofs Richtung Sandkaulstraße ab.

Beide Schulen haben sich inzwischen daran gewöhnt, dass immer wieder improvisiert werden muss und unkonventionelle Lösungen gefragt sind. „Das ist vor allem dem unglaublich hohen Engagement der Lehrer zu verdanken“, sagt Bennemann. Im gleichen Atemzug betont er, dass solch eine Situation „nur zeitlich begrenzt“ zu überstehen sei. Und die Zukunft an neuem/altem Ort naht: Zum Schuljahr 2016/17 soll der Neubau an der Sandkaulstraße 75 fertiggestellt sein.

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