Aachen - Zwei Freisprüche im Prozess um Ballerei

Zwei Freisprüche im Prozess um Ballerei

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Am Ende war die Wende perfekt: Nach Monaten zähflüssiger und teils hektischer Verhandlungstage gab es im Schwurgerichtsverfahren um die Schüsse in der Metzgerstraße zwei Freisprüche für die beiden ursprünglich wegen versuchten Mordes angeklagten Denis S. (24) und Christian V. (36).

Über das Schicksal des dritten Angeklagten Gabriel V. (29) wird allerdings weiterverhandelt, da hier noch nach Meinung des Gerichts einigen, im Rahmen der Verteidigerplädoyers gestellten Beweisanträgen nachgegangen werden soll.

Fehde eskalierte

Für Gabriel V. hatte Staatsanwalt Wilhelm Muckel letztlich fünf Jahre Haft wegen gefährlicher Körperverletzung gefordert. Die Verteidiger aber hatten in den Schüssen, die Gabriel V. nach eigenem Bekunden damals in die Luft abgab, eine fahrlässige Körperverletzung gesehen – sie würde das Strafmaß noch herunter setzen.

Denn dass an jenem 17. Juni des Jahres 2013 am späten Abend die „blauen Bohnen“ an der Ecke Metzger- und Feldstraße durch die Gegend sausten und eine Gruppe von Angehörigen einer dort ansässigen Familie zwangen, sich schnellstens vor der Ballerei, die aus einem dunklen Mercedes heraus erfolgte, in Deckung zu bringen, ist unstrittig. Doch die eskalierende Fehde unter den einst befreundeten Familien führte auch dazu, dass manche Zeugen vor Gericht „eher intentional“ als wahrheitsgemäß und objektiv aussagten, wie es der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung der Schwurgerichtskammer ohne viele Emotionen feststellte.

So habe ein großer Teil der langen Beweisaufnahme während des Prozessverlaufs dazu gedient, die verschiedenen Zeugenaussagen auf Herz und Nieren zu prüfen. Dabei haben anscheinend viele der Aussagen der Familie, die dort beschossen wurde, den Kriterien wahrheitsgemäßer Antwortens vor Gericht nicht standgehalten. „Wir konnten nicht klären, dass tatsächlich die Angeklagten Denis S. und Christian V. in dem Mercedes saßen“, hieß es schließlich.

Auch eine Nachstellung der Ereignisse am Tatort durch die Polizei habe letztlich wenig Erhellendes im Hinblick auf die obskuren Ereignisse gebracht, in jener späten Sommernacht sei es bereits Dunkel gewesen, und man habe nur Kopfumrisse, sprich sogenannte Glatzköpfe erkennen können.

Christian V., der ebenfalls kahl ist, sei sofort von den unter Beschuss stehenden als Täter verdächtigt worden. Doch sicherlich sei die Aussage eines Cousins der beschossenen Familie zu beachten, sich ebenfalls am Tatort aufgehalten hatte und sofort nach den Schüssen mit seinem Wagen zum Haus des vermeintlichen Schützen Christian V. gerast war. In der tat traf er V. dort bei sich zu Hause an, dies obwohl er den Tatwagen auf der rasanten Fahrt von der Metzgerstraße in die Bleibergerstraße, dem Wohnort von Christian V., überholt hatte. Dort, das konnte im Laufe des Prozesses geklärt werden, befand sich ebenfalls Denis S. Beide sollen für die gegen sie verhängte U-Haft entschädigt werden.

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