Zwei Facetten des Weihnachtsfestes

Von: Svenja Pesch und Jutta Katsaitis-Schmitz
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Weihnachtsfeier im Cafe Plattform: Leiterin Simone Holzapfel und ihr Team feierten mit etwa 150 Personen. Foto: Andreas Steindl
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Christmette im Dom: Bischof Heinrich Mussinghoff erinnerte an die Geburt Jesu Christi. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Stürmisch ist es an diesem Heiligen Abend, an dem Armin seinem Hund Fanny ein kleines Mäntelchen umgebunden hat. Wenn der Vierbeiner schon nicht mit rein darf, dann soll er es wenigstens halbwegs warm haben. Noch einmal dreht sich Armin um, bevor er die Weihnachtsfeier des „Café Plattform“ besucht.

„Frohe Weihnachten“ ruft er in die Runde. Die Meisten kennt er hier. Von der Straße und von seinem Job. „Ich habe hier Sozialstunden abgeleistet“, erzählt der 43-Jährige. „Die Weihnachtsfeier ist eine schöne Sache für Menschen, die kein Geld haben und einsam sind. Ich habe auch keine Familie, nur meine Lebensgefährtin und Fanny.“ Und damit auch diejenigen einen schönen Heiligen Abend erleben können, denen es eben nicht so gut geht, veranstaltet das Café Plattform seit 25 Jahren eine Weihnachtsfeier.

Mit Baum, Keksen, einem Weihnachtsessen und Geschenk für jeden Besucher. Unsere Leser helfen dabei über ihre Spende für „Menschen helfen Menschen“ mit. Viele Privatpersonen kommen persönlich vorbei, um eine kleine Spende abzugeben, wie Simone Holzapfel, Leiterin des Cafés, erzählt: „Viele bringen Kuchen und Kekse, aber auch Geld vorbei.

Es fällt auf, dass viele junge Leute die Feier aufsuchen. „Vor ein paar Jahren waren die Meisten so um die 40 bis 50 Jahre alt, aber seit einiger Zeit kommen auch viele 18 bis 30-Jährige zu uns“, ergänzt Holzapfel. Im großen Raum liest Andreas Grube Gedichte vor. Die Stimmung ist friedlich, wobei Holzapfel aus Erfahrung weiß, dass die ganze Feier kippen kann, wenn nur schon einer der Besucher aggressiv ist. 25 der 150 Gäste, die jedes Jahr am Heiligen Abend kommen, werden auch hier übernachten. Armin wünsche sich Tabak, erzählt er, und sieht kurz nach Fanny, die dem Sturm standhält.

Luftlinie nicht weit davon entfernt schwingen die Glocken des Domes im Festgeläut. Bach’sche Klänge erfüllten den Kirchenraum als Prelude unter den Händen des neuen Domorganisten Professor Michael Hoppe. Die festliche Musik erfuhr ihre Steigerung bei Mendelssohn-Bartholdys „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ zum Einzug von Bischof Heinrich Mussinghoff und der acht Konzelebranten des Domkapitels.

Orgel, Domorchester, Domchor und Solisten begleiten die Christmette als Festkonzert mit der anschließenden Messe in B-Dur von Schubert, mit ihrem triumphalen Gloria. Mehr als 1200 Gläubige lauschten den Klängen. Zum ersten Mal als Solist sang der zwölfjährige Matthias Emondspool an den Stufen des Altars a cappella das Martyrologium. Gebannt lauschten die Gläubigen der hellen Knabenstimme des Mitglieds des Knabenchores.

In seiner aufrüttelnden und bewegenden Predigt berichtete Bischof Mussinghoff auch über persönliche Erlebnisse in Israel. „Es ergreift mich immer zutiefst, wenn ich nach dem Besuch der Geburtsbasilika in Bethlehem in das Caritas-Baby-Hospital komme und in die Gesichter der kranken und leidenden Beduinenkinder schaue, die mich mit großen, glänzenden Augen anschauen. In ihren Augen sehe ich die Augen Jesu, des Kindes von Bethlehem, und ich fühle das Leiden vieler Tausender Kinder auf unserer Erde“, sagte er.

Heute seien 45 Millionen Menschen auf der Flucht. Doch Europa habe seine Grenzen nach Afrika dicht gemacht, jage die Flüchtlinge ins sichere Verderben zurück. Papst Franziskus flog nach Lampedusa, um den Flüchtlingen dort ein Zeichen der Solidarität zu setzen. Sein Appell habe die Welt aufhorchen lassen und wurde mit begeisterten Kommentaren versehen. „Was geschah? Was hat Europa getan? Was haben wir Deutschen getan?“ fragte der Bischof. Nichts sei geschehen.

Zwei Facetten eines Festes – äußerlich unterschiedlich, aber im Wesensgehalt nicht weit entfernt.

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