Aachen - Zwei Begleiter auf dem Weg in die Normalität - trotz Handicap

Zwei Begleiter auf dem Weg in die Normalität - trotz Handicap

Von: Robert Flader
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Aachen. Integration? Da muss Juliane Ihlenfeld erst einmal ein Weilchen überlegen. „Eigentlich geht es uns beim betreuten Wohnen nicht nur um Integration, sondern um Inklusion. Bis zur absolut gleichberechtigten Lebensform ist es noch ein Schritt weiter.”

Der 48-Jährigen von den Caritas Lebenswelten glaubt man das gerne, schließlich ist sie für „Betreutes Wohnen” zuständig und weiß, wovon sie spricht. Menschen mit Handicap erhalten umfangreiche Unterstützung zum selbstständigen Leben außerhalb der Familie oder einem Wohnheim, Eigenständigkeit ist hier Trumpf. Und das seit mittlerweile fünf Jahren, rund 70 Klienten betreut die Caritas im Raum Aachen derzeit, Tendenz steigend.

Doch damit nicht genug: In einem für Aachen einzigartigen Wohnprojekt haben sich im „Integrationshaus” in der Bendelstraße seit 2006 insgesamt zwölf Mieter zu einer aktiven Nachbarschaft zusammengeschlossen - unter ihnen drei Menschen mit geringer geistiger Behinderung. Grillfeste, langfristige Graffiti-Arbeiten an der Mauerfassade im Hof und viele kleine weitere Helferstätigkeiten, die das Leben unter Nachbarn angenehm machen: Das Miteinander wird in der Bendelstraße groß geschrieben.

„Wir hatten den Wunsch, Menschen mit geistiger Behinderung auf dem Weg in die Normalität zu unterstützen. Und wo, wenn nicht in den eigenen vier Wänden, beginnt der Alltag?”, fragt Ihlenfeld nicht zu unrecht. In insgesamt neun Wohnungen leben Familien, Studenten, Handwerker und Kaufleute neben- bzw. miteinander, und sorgen im „Haus des Miteinanders” für eine bunte Mischung, die sich „perfekt ergänzt.”

Sonja Gattner schaut sich im Hof der integrativen Wohngemeinschaft um und blickt auf die oberen Etagen des Integrationshauses. Dort hat die 37-Jährige ihr Büro, sie ist, so oft es gewünscht ist, vor Ort und hilft den drei Klienten von „Betreutes Wohnen”, sie ist gewissermaßen das offene Ohr für die Bewohner.

„Aber die kommen auch ganz gut allein zurecht”, sagt sie lächelnd und fügt zufrieden hinzu: „Und das ist ja auch genau unser Ziel, die Leute sollen so eigenständig wie möglich leben.” Maximal acht bis zehn Stunden werden die drei Mieter, die (noch) auf Fremdhilfe angewiesen sind, betreut, „und je weniger wir gerufen werden, desto besser ist das.”

Im Integrationshaus soll alles so normal wie möglich sein, keine der Wohnungen hat beispielsweise behindertengerechte Ausstattungen - ganz nach der ursprünglichen Idee, die hinter dem Projekt stand. „Für Menschen mit geringem Handicap sind Wohnheime nichts, da sind sie unterfordert und fühlen sich oft nicht besonders wohl”, so Ihlenfeld. „Doch hier können sie selbständig leben und haben mit uns trotzdem noch einen Ansprechpartner, der immer für sie da ist.”

Der Erfolg des Projekts lässt die beiden engagierten Damen gleichzeitig von mehr träumen: „Wir wollen das Ganze weitertragen. Wenn in den nächsten Jahren weitere Wohnprojekte entstünden, wäre das sehr schön”, sagen sie. „Es ist doch so wichtig, Menschen mit Handicap ein Leben in der Normalität zu ermöglichen.” Und genau dabei gehen sie mit gutem Beispiel voran.
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