Zwei Alemannia-Spiele mit lebenslänglichen Folgen

Von: Hans-Peter Leisten
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Zwei Ordner und das Stadion: Peter Zentis und Alo Overath (rechts) mitten in ihrem geliebten alten Tivoli. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Irgendwann waren sie da, diese Schlüsselspiele. Fußballpartien, die aufgrund ihrer Dramatik oder besonderer Umstände ein lebenslanges Fan-Dasein begründen. Peter Zentis und Alo Overath haben diese Spiele erlebt.

Der Eine 1965, der Andere 1973. Seither gehen die Beiden zum Tivoli, haben Aufstiege, Abstiege, Dramen und Triumphe erlebt. Jeder auf seine Art und doch irgendwie wesensverwandt, weil sie die beiden Männer an die Alemannia und genauso an den Tivoli gekettet haben.

Vor Jahren bekam diese Beziehung dann eine neue Qualität, weil der heute 67-jährige Peter Zentis und der 45-jährige Alo Overath in den Ordnungsdienst eintraten und seither nach dem Rechten auf dem Tivoli sehen. Zwischen 250 und 350 Kräfte sind pro Spiel im Einsatz. Noch fünf Mal, am Sonntagabend nach dem Spiel gegen Fürth noch vier Mal.

Beide geraten ins Schwärmen, wenn sie vom alten Tivoli erzählen, und Alo Overath sagt mit Blick auf den Auszug aus der Kultstätte klipp und klar: „Da wird schon ein gutes Stück meines Lebens weggebaggert.”

Dieses ganz spezielle Leben begann 1973, als er mit seinem Opa zum ersten Mal zur Alemannia ging. Damals gab es ein Freundschaftsspiel gegen Bayern München und der kleine Alois bekam von Torwart-Legende Sepp Maier durch den Zaun die Hand entgegengestreckt.

„Ich wollte damals unbedingt Torwart werden. Und nach dem Handschlag von Sepp Maier habe ich mir zwei Wochen lang nicht die Hände gewaschen.”

Bevor aber ein Missverständnis aufkommt: Die Gefahr, Bayern-Fan zu werden, bestand nie. Und Anhänger des 1. FC Köln erst recht nicht, obwohl er und FC-Präsident Wolfgang Overath tatsächlich entfernt verwandt sind.

„Aber der hat mir bei einem Treffen noch nicht mal ein Autogramm gegeben.” Als junger Fan und Mitglied der „Black Eagles” kniete Alois vor dem Spiel im Anstoßkreis vielmehr nieder und „betete” die Alemannia-Fahne an. Noch Fragen zur Gesinnung?

Peter Zentis´ erstes Spiel datiert noch etliche Jahre weiter zurück. DFB-Pokal, Alemannia gegen Schalke 04, nach Verlängerung kam Aachen mit 4:3 weiter.

„Ich bin damals bis auf die Haut nass geworden, meine Lederjacke konnte man auswringen - aber ich war der glücklichste Mensch auf der Erde”, erzählt er mit leicht versonnenem Lächeln.

Auch er kam vom Klub und dem Stadion an der Krefelder Straße nicht mehr los. 1981 wurde er dann auch Mitglied und Ordner und ist viele Jahre - zunächst lange ehrenamtlich - mit dem Verein durch dick und dünn gegangen.

Noch etwas verbindet die beiden Männer: ihr freundliches Wesen. „Das gehört zu unserem Job hier im Stadion”, hebt Peter Zentis hervor. Und das hat nichts damit zu tun, dass sie heutzutage die Medienvertreter betreuen.

Das war auch schon so, als sie noch für andere Blocks zuständig waren. Die Faszination der Heimspiele ist geblieben. „Eine Mischung aus Routine und Kribbeln spüre ich noch immer”, sagt Zentis. Und dieses Gänsehautgefühl.

Die letzten Spiele im alten Tivoli wollen sie - soweit der Job dies ermöglicht - genießen. Und sie würden gerne im neuen Stadion weitermachen. Doch davor steht der schmerzhafte Abschied, für den beide ihr eigenes Mittelchen haben: Peter Zentis hat sich für den neuen Tivoli eine Sitzplatzoption gesichert.

Und Alo Overath hat ein Paket Taschentücher bereit gelegt. Denn er schämt sich nicht zu sagen: „Die ein oder andere Träne werde ich beim letzten Spiel bestimmt verdrücken. Und das kann man ruhig sehen.”
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