Zwei Aachener Büros gewinnen beim Architekturwettbewerb

Von: Carolin Cremer-Kruff
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Überzeugen mit ihren Entwürfen: Alexander und Elisabeth Bartscher ("Bartscher Architekten") sowie Jens Johannisson ("Additiv Architektur", rechts).

Aachen. Eines steht fest: „projective habitat“ ist mehr als ein Wettbewerb für experimentelle Wohnkonzepte. Im Mai letzten Jahres startete er, nun stehen die drei gleichrangigen Gewinner fest, darunter zwei Aachener Büros.

„Wenn man bedenkt, wie schwer es junge selbstständige Architekten heute am Markt haben, dann wurde mit diesem Wettbewerb auch gezielt Nachwuchsförderung betrieben“, betont Mitinitiator Prof. Klaus Klever, Vorsitzender des BDA Aachen, mit Nachdruck.

Als „jung“ gilt man in der heutigen Architekturszene bis 40 Jahre. Was Außenstehenden als schmeichelhaft erscheinen mag, ist für die Nachwuchsarchitekten ein echtes Problem. „Es gibt viele junge Architekten, die sehr kreative Ideen haben, aber einfach keine Chance bekommen, diese in konkreten Projekten umzusetzen“, beklagt etwa Alexander Bartscher, der gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth Bartscher einen der drei Preise gewonnen hat.

Auch der ausgelobte Ideenwettbewerb versprach keinen Bauauftrag, aber dennoch die Möglichkeit, innovative Ideen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Organisiert wurde er vom Lehrstuhl Wohnbau der RWTH Aachen, der IBA Parkstad und dem BDA Aachen. Die internationale Jury bestand aus fünf renommierten Architekten. In der ersten Phase wurden Studenten, Absolventen und junge Architekten aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden aufgerufen, recht frei grundsätzliche Konzepte zum Thema Wohnen einzureichen.

Die sechs besten Gruppen wurden anschließend zur zweiten Phase eingeladen, in der innovative Konzepte zu konkreten Standorten entworfen werden sollten. Zur Auswahl standen das Vaalserquartier, der Branderhof und ein ehemaliges Gelände der FH Aachen in Jülich. Gleich zwei Mal schaffte es der Branderhof, wo ein neues Wohngebiet entstehen soll, in die Gewinnerriege. Seit 2013 befindet sich die denkmalgeschützte Hofanlage wieder komplett in städtischem Besitz.

„In puncto Wohntypologie ist dieses Objekt richtig interessant“, so Alexander Bartsch. Der Vorgabe folgend, dass das Objekt Ansprüchen des gemeinschaftlichen Wohnens und des Denkmalschutzes genügen muss, entwickelten er und seine Frau ein ausgeklügeltes Wohnsystem, bei dem alte und neue Gebäude auf verschiedene Weise miteinander verknüpft sind, z. B. über Wege, Terrassen oder Dachgärten.

Ein zweiter Entwurf zum Branderhof, der von dem Berliner Büro „FAKT Office“ eingereicht wurde, beschäftigt sich unter anderem damit, wie Grünflächen direkt in die Gebäude integriert werden können, um so städtisches, aber gleichzeitig naturnahes Wohnen zu ermöglichen.

Gleich mit einer ganzen Ortsstruktur, nämlich dem Vaalserquartier an der niederländischen Grenze, beschäftigte sich die Aachener „Additiv Arbeitsgemeinschaft“. „Wir haben uns zunächst angeschaut, wie die Menschen dort wohnen und haben festgestellt, dass die Vaalser Straße in diesem Gebiet sehr heterogen bebaut ist und immer wieder Lücken aufweist“, so Jens Johannisson.

Daraufhin identifizierte die Gruppe drei ortstypische Bauformen, die in eine Art Baukastensystem überführt wurden. So wird die Möglichkeit geschaffen, die einzelnen architektonischen Elemente bei Neubauprojekten miteinander zu kombiniert und auch weiterzuentwickeln, ohne dass der Charakter der Gegend verfremdet würde.

Die Gewinner und auch Prof. Klever haben nun die Hoffnung, dass es nicht allein bei den Modellen bleibt. „Mit Sicherheit kann nicht alles umgesetzt werden. Aber ich würde mich freuen, wenn zumindest über diese großartigen Konzepte diskutiert würde und vielleicht doch die eine oder andere Idee in die Realität umgesetzt wird“, so Klever. Und so steht noch etwas fest: Die Gewinner von „projective habitat“ sind gefunden, das Projekt ist aber noch lange nicht beendet.

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