Zuschauerauswertung: Bei den Männern gibt es eine „Dunkelziffer“

Von: Holger Richter
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CHIO
Immernoch zieht der Reitsport hauptsächlich Frauen an. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es bleibt dabei. Der typische CHIO-Zuschauer ist eine Zuschauerin. 73 Prozent aller Besucher in der Soers sind weiblich.

Das hat die jüngste Zuschauerbefragung ergeben, die den „Nachrichten“ in Auszügen vorliegt. Die wurde im vergangenen Jahr beim CHIO 2016 vorgenommen und bestätigte den Trend der vergangenen Jahre. Denn der Reitsport und damit auch der CHIO lockte seit der ersten Befragung im Jahr 2000 ( Infobox) immer schon mehr Frauen an als Männer. So wurde der bislang geringste Frauenanteil in der Soers im Jahr 2001 gemessen. Und selbst damals hat er immerhin 60 Prozent betragen.

„Wir sträuben uns ja nicht gegen unser weibliches Publikum. Denn dieses Publikum unterscheidet uns ja sehr von anderen Sportarten“, bewertet Stefan Knopp die Zahlen. Für die Aachener Reitturnier GmbH (ART) kümmert sich der 39-jährige Sportökonom um die regelmäßigen Befragungen und deren Auswertung. Und er weiß aus Erfahrung, dass die Geschlechterverteilung unter den Zuschauern bei der Konzeption des Reitturniers keine Rolle spielt. „Wir sind vielmehr eine Familienveranstaltung“, sagt er und findet dafür auch eine Bestätigung in den Daten, die das Institut für Sportsoziologie an der Sporthochschule Köln im vergangenen Jahr beim CHIO erhoben hat.

Starke Familienorientierung

Denn 19 Prozent der befragten Besucher gaben an, dass sie mit ihren Kindern zum CHIO gekommen sind, 20 Prozent waren mit ihren Eltern da. Acht Prozent erklärten, mit sonstigen Verwandten das Reitturnier besucht zu haben. Das unterstreiche die starke Familienorientierung des CHIO, schlussfolgern die Wissenschaftler.

Und überhaupt: Ganz so weiblich ist der CHIO dann wohl doch nicht. Denn die Kölner Sportsoziologen vermuten eine „Dunkelziffer“ an Männern auf den Tribünen in der Soers. Die beteiligten Studenten hätten nämlich beobachtet, dass bei einigen Paaren der Mann jeweils darauf verwies, dass er „keine Ahnung vom Reitsport“ habe und der Fragebogen nur an die Partnerin gegeben werden solle, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Auswertung. Trotz des Hinweises, dass „Kenntnis vom Reitsport“ für die Befragung nicht erforderlich sei, blieben einige Männer bei der Ablehnung – um dann aber meist sehr interessiert das Fragebogenausfüllen der Partnerin zu beobachten. Daher gehe man von einem Männeranteil aus, der um knapp drei Prozent höher liegt, als erhoben wurde, was das Verhältnis der Geschlechter aber auch nicht wesentlich ausgeglichener macht.

Was den Experten Knopp aber viel mehr überrascht, ist der Anteil an Erstbesuchern. „28 Prozent der Befragten waren zum ersten Mal beim CHIO, das ist ein sehr hoher Wert“, sagt Knopp. Noch erstaunlicher wird dieser Wert laut Knopp, wenn man sieht, dass 26,3 Prozent dieser Erstbesucher aus Nordrhein-Westfalen kommen. „Das bedeutet nämlich umgekehrt, dass fast 75 Prozent der Erstbesucher aus ganz Deutschland kommen“, betont der ART-Mitarbeiter. „Das ist für uns ein deutliches Signal, dass wir hier eine spannende Veranstaltung anbieten, für die es sich lohnt, auch eine weitere Anreise auf sich zu nehmen.“

Diese weite Anreise nehmen auch Besucher auf sich, die schon zum wiederholten Male zum Reitturnier in die Soers kommen, denn die Länge des durchschnittlichen Anreiseweges aller Besucher hat sich im Vergleich zur vorletzten Befragung 2013 erneut um vier Kilometer auf 186 Kilometer verlängert. Im gleichen Zeitraum ist übrigens der Anteil der heimischen CHIO-Zuschauer aus dem Postleitzahlenbereich 5 von 53 Prozent (2013) auf 47,5 Prozent (2016) gesunken. Im Vergleich zu 2011, als der Anteil der Heimbesucher noch bei 56,5 Prozent lag, ist er sogar um neun Prozentpunkte gesunken.

Das beunruhigt Stefan Knopp jedoch nicht. „Der gesunkene Anteil bedeutet ja nicht, dass wir in der Region Zuschauer verloren hätten.“ Von außerhalb seien es nur mehr geworden, was den heimischen Anteil senke. „Der CHIO bleibt regional verwurzelt“, stellt er fest. Allein, einen Wachstum könne man nur überregional generieren, denn in Aachen und Umgebung sei das Turnier nun mal hinlänglich bekannt.

Digitales Angebot überarbeitet

Und was hat der Aachen-Laurensberger Rennverein (ALRV) aus der Befragung gelernt? „In diesem Jahr gibt es nicht die großen Innovationen“, berichtet Knopp, „wir haben Nuancen verbessert.“ Etwa das digitale Angebot, die CHIO-App sei überarbeitet worden, die Judging-App gebe es jetzt auch für die Fernsehzuschauer, und bei den neuen sozialen Medien wie Instagram oder Snapchat sei man breiter aufgestellt, um auch das jüngere Publikum für sich zu gewinnen, erläutert Knopp. Ob männlich oder weiblich, das sagt er nicht.

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