Zur 12. Langen Nacht der Museen werden 3500 Besucher erwartet

Von: Daniel Gerhards
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Aachener Kunsthäuser präsentieren sich bei der Langen Nacht der Museen: Unter anderem gibt es interessante Ausstellungsstücke im Suermondt-Ludwig-Museum,... Foto: Michael Jaspers, Andreas Hermann
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...Aktionen für Kinder im LuFo,... Foto: Michael Jaspers, Andreas Hermann
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... beliebte Führungen im Couven-Museum... Foto: Michael Jaspers, Andreas Hermann
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...und das rundum erneuerte Zeitungsmuseum zu sehen. Foto: Michael Jaspers, Andreas Hermann

Aachen. An diesem Abend wird das Personal des Suermondt-Ludwig-Museums in zwei Lager gespalten sein. Die einen freuen sich, die anderen sind ziemlich nervös. Und beide aus dem selben Grund: Zur Langen Nacht der Museen, die am Samstag, 8. Juni, von 18 bis 2 Uhr stattfindet, werden tausende Besucher durch sieben Aachener Museen laufen.

Auch durch das Suermondt-Ludwig-Museum. Adam C. Oellers, stellvertretender Leiter des Hauses, ist einer von denen, die sich auf die vielen Leute freuen. „Ich finde das spannend. Aber unsere Restauratoren haben dann immer Angst, dass etwas mit den Ausstellungsstücken passiert“, sagt er.

Oellers freut sich besonders, dass wahrscheinlich viele Leute kommen, die sich die Ausstellungen sonst nicht anschauen würden. „Das ist schon ein anderes Publikum als an normalen Tagen. Es schätzt den Eventcharakter“, sagt Oellers. Trotzdem: Die Ausstellungen und die Häuser sollen auch bei diesen Leuten bekannter werden.

Die Museen ins Bewusstsein zu rücken, das ist auch das Ziel der Organisatoren der Langen Nacht, wie Rick Takvorian, städtischer Veranstaltungsmanager, sagt. Aber in den Häusern wolle man zusätzlich ein außergewöhnliches Programm bieten. „Das soll nicht stören, sondern ergänzen“, sagt er. Takvorian erklärt das mit einem Bild: Ein Vogel im Wald sei nichts Besonderes. Den nehme man kaum wahr. Genau wie eine Opernsängerin in einer Oper nichts Besonderes sei. „Wenn der Vogel durch ein Fenster in einen Raum fliegt und sich auf einen Sessel setzt, schaut man sich den Vogel und den Sessel genauer an“, sagt er. Man sehe beides – Vogel und Sessel – mit anderen Augen. Genauso sei es, wenn eine Opernsängerin plötzlich im Museum singt, meint Takvorian. Und genauso ist es geplant. Die Sängerin: Sopranistin Victoria Kloos de Haas. Das Museum: das Suermondt-Ludwig-Museum. Man nehme Sängerin und Museum dann viel intensiver wahr.

Baby mit Pistole

Eine weitere Aktion wird sich sogar außerhalb der Häuser abspielen. Eine „Familie“, bestehend aus sechs lebensgroßen Puppen, wird sich ab 19 Uhr vom Couven Museum aus auf den Weg machen. Es geht mit Künstlerin Walpurga Pauels quer durch die Stadt. Einzeln werden die Puppen – auf unterschiedliche Weise – an viele Orte in der Stadt transportiert. Dort improvisiert die Künstlerin dann eine „situationsbedingte Geste“. „Das werden eine Menge Leute mitbekommen, die nicht zur Langen Nacht der Museen kommen“, sagt Richard Mariaux, Initiator des Präsentationsreigens.

„Die Aktion ist ein wenig radikal. Die Baby-Puppe hat eine Pistole in der Hand“, verrät er. Angesichts der aktuellen Waffenrechtsdebatte in den USA könne man das kontrovers diskutieren.

Ins Gespräch könne man bei der Langen Nacht ohnehin problemlos kommen. „Es geht um Begegnung, Vielfalt und Geselligkeit“, sagt Olaf Müller, Leiter des Kulturbetriebs der Stadt Aachen. Die Leute sind zwischen den Museen unterwegs, treffen sich, tauschen sich aus. „Man begegnet dabei immer wieder Freunden. Es wird auch deutlich, dass das die Museen der Aachener sind“, sagt Müller.

Für Kulturdezernent Wolfgang Rombey ist wichtig, dass es nicht ausschließlich um die Häuser geht. Die vielen – teils ausgefallenen – Programmpunkte seien das, was die Lange Nacht der Museen ausmacht. Es gibt Kinderkunst, Tanz, einen Büchermarkt, Musik und Party. „Wir öffnen die Häuser damit. Es kommen viele junge Leute, die wir in der klassischen Kultur nicht so leicht erreichen“, sagt er.

Kinderaktionen im LuFo

Wer so viel wie möglich sehen will, kann zwischen den einzelnen Museen mit einem Aseag-Shuttle-Bus pendeln – der fährt viertelstündlich zwischen den Häusern in der Innenstadt. Zur Ausstellung Kunst aus NRW fährt dazu ein Sonderbus im Ein-Stunden-Takt von Elisenbrunnen und Bushof nach Kornelimünster. Zum Zollmuseum Friedrich kommt man dagegen nur mit der regulären Aseag-Linie 44. Auf dieser Fahrt gilt das Museums-Ticket nicht.

Den Bus wird Adam C. Oellers wohl nicht nutzen. Er hat im Suermondt-Ludwig-Museum wohl genug zu tun. Oellers ist selber Teil des Programms: Er „packt aus“. In Anekdoten, Geschichten und kleinen Vorlesestücken berichtet er aus seiner über 30 Jahre langen Tätigkeit im Museum. Zum Beispiel wird er über die Besuche von Jean-Jacques Annaud, dem Regisseur des Films „Der Name Rose“, und des spanischen Königs Juan Carlos berichten. Als Kenner aller skurrilen und kuriosen Begebenheiten der Aachener Museumsszene wird er auch vom Diebstahl eines Gemäldes, von einer vermeintlichen Bombe in der Burg Frankenberg und einer verhinderten Lasershow über dem Lousberg erzählen. „Aber zu viel will ich noch nicht verraten“, sagt er.

Im Ludwig Forum will man versuchen, Kinder und Jugendliche an die Kunst heranzuführen. Bis 20 Uhr gibt es dort ein Kreativprogramm. „Da können die Eltern ihre Kinder auch schon mal parken, um sich in Ruhe die Ausstellung anzuschauen“, sagt Holger Otten vom LuFo. Und dazu gibt es eine Kinder-Rallye, bei der die jungen Museumsbesucher „eigenständig Kunst entdecken“ können. Außerdem können Besucher – auch Erwachsene – Motive aus der LuFo-Sammlung mittels Siebdruck auf T-Shirts drucken.

Andreas Düspohl, Leiter des Internationalen Zeitungsmuseums, freut sich, dass sein Haus nach dem Umbau nun auch wieder bei der Langen Museumsnacht dabei ist. „Das gibt den Besuchern die Möglichkeit, das Haus in seinem neuen Glanz zu sehen“, sagt er. In den einzelnen Räumen werden ausgewählte Artikel aus Zeitungen vorgelesen, und Führer nehmen die Besucher an die Hand.

Müller betont, dass die Eintrittspreise seit 2007 stabil geblieben seien. Mit 9,90 Euro im Vorverkauf (Aboplus-Kunden der AZ zahlen nur 4,90 Euro) und 13,40 Euro an der Abendkasse sei die Nacht auch in Relation zu vergleichbaren Aktionen in anderen großen Städten sehr preiswert. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren kommen kostenlos hinein. Und der Bus-Shuttle ist im Preis enthalten.

Die günstigen Preise schlügen sich allerdings nicht negativ auf die Qualität nieder. Müller sagt, dass er sich die Konzepte vieler anderer Städte angeschaut habe. Aachen könne da durchaus mithalten. Auch wegen des Programms. Das soll „klein, aber fein“ sein – ohne große Aufbauten, sagt Takvorian. „Aber es ist so konzipiert, dass es trotzdem tausende Menschen erleben können.“

Es ist „noch nie was passiert“

Dass wieder Tausende kommen, erwartet auch Mariaux. 3500 zahlende Gäste seien es im vergangenen Jahr gewesen. „Diese Marke wollen wir wieder erreichen. Wir haben vor Jahren mal davon gesprochen, dass wir 5000 Besucher haben wollen. Aber das ist gar nicht zu erreichen. Dafür sind die Museen – bis auf das LuFo – zu eng“, sagt er. Im Suermondt-Ludwig-Museum habe es sogar schon mal einen Einlassstopp gegeben – es war schlicht zu voll.

Bis es so weit ist, versucht Oellers seine Restauratoren zu beruhigen. Damit alle Ausstellungsstücke heil bleiben, werden die Museumswärter noch einmal eingehend geschult. Oellers: „Bisher ist noch nie was passiert“.

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