Zum Wiehern: Welcher Turniertyp sind Sie?

Von: Laura Beemelmanns und Stefan Herrmann
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Der Mix macht‘s: Zum Aachener Reitturnier kommen sie alle. Ob jung oder alt, mit oder ohne Hut – die Art des Auftritt in der Soers ist eine Typfrage. Foto: Andreas Steindl

Aachen. 350.000 Besucher in einer Woche können nicht irren: Der CHIO gehört ins Sommer-Pflichtprogramm eines richtigen Aacheners. Das Weltfest des Pferdesports bedeutet aber viel mehr als faszinierende Turniere und Höchstleistungen von Ross und Reiter.

Das ALRV-Gelände mutiert eine Woche lang für die einen zum Laufsteg, für die anderen zur Ersatzküche. Die Eckkneipe wandert für den Öcher in dieser Zeit ebenso in den Soerser Winkel wie die Kaffeeklatschrunde. Die AZ hat sich einmal vor Ort umgesehen und eine (nicht ganz ernst gemeinte) Liste von Besuchertypen erstellt. Finden Sie sich wieder? Wunderbar! Oder doch nicht? Auch gut. Denn eines ist klar: Der CHIO ist ein Fest für alle.

„Der Captain“: Sind Pferd und gemeiner Besucher eingeschifft, betritt auch der Captain das Deck. Er segelt geradezu über das Turniergelände, zückt mit weltmännischer Gelassenheit die Kreditkarte, um seiner Gattin ein neues Kostüm an einer der unzähligen Mode-Oasen zu spendieren. Er selbst braucht keinen neuen Look, da für ihn nur eine Kombination auf dem CHIO in Frage kommt: Eine auffällige weiße/rote/grüne/karierte Hose, dazu ein maritim-blaues Sakko mit Einstecktuch samt Manschettenknöpfen, der Hemdkragen sitzt steif und perfekt. Fehlt eigentlich nur noch Tischfeuerwerk an süßer Nachspeise und dazu James Last. Denn das Aachener Reitturnier ist für den Captain so etwas wie das Traumschiff.

„Der Ausweis-Träger“: Zeig mir deinen Ausweis, und ich sag dir, wer du bist. Nirgendwo hat diese Binsenweisheit mehr Gewicht als auf dem CHIO. Denn gefühlt die Hälfte des Publikums trägt mit sichtlichem Stolz das laminierte Kärtchen um den Hals. Es zeigt: „Ich bin mehr als ein gewöhnlicher Besucher.“ Ob VIPs oder Journalisten, Mitarbeiter oder Sportler, Sponsoren oder Aussteller – sie alle kommen nicht nur „ömmesöns“ aufs Gelände, sie genießen auch noch etliche exklusive Vorteile.

So ist es allein ihnen vergönnt, kleine Abkürzungswege zu benutzen, während das gemeine CHIO-Volk eine Schleife laufen muss. Essen im feinen Catering-Zelt, eigener Zugang zum Stadion oder – ein nicht zu verachtender Bonus an diesen Tagen in der Soers – einige abgelegene stille Örtchen, der Ausweis-Träger weiß um seinen Status und nutzt die Privilegien in Hülle und Fülle. Dass einige ihre Ausweise während der CHIO-Woche nicht einmal zum Schlafen ablegen, ist allerdings nur ein Gerücht...

„Der Experte“: Manchmal mag man es fast vergessen, dass man sich ja eigentlich auf einem Reitturnier befindet. Dass einige Gäste es schaffen, einen Besuch auf dem CHIO zu beenden, ohne auch nur ein Pferd gesehen zu haben, dürfte nicht überraschen. Es gibt aber selbstverständlich auch die andere Sorte: den totalen Experten. Wenn nicht auf dem Weltfest des Pferdesports, wo sonst sollte er mit seinem Wissen punkten.

Er kennt jeden Voltigierer mit Vornamen, bisherigen Erfolgen und Starternummer in Aachen. Er trägt Listen mit sich herum, auf denen er sich Notizen macht zu Pferd und Reiter. Schon Wochen zuvor hat er einen Terminplan ausgeklügelt, wie er möglichst viele Wettbewerbe live miterleben kann. Das nahe Ladendorf ist für ihn nur Mittel zum Zweck, da dort die dringend benötigte Nahrungsaufnahme vonstatten geht. Eine Woche Reitturnier in Aachen – für den Experten ein Fachsimpel-El-Dorado, wo er auf Gleichgesinnte trifft.

„Die Dame“: Sie geht nicht über das CHIO-Gelände, sie schreitet. Dabei trägt sie einen dekadenten Hut, Perlenkette und ein floral-gemustertes Kostüm. Dazu eine das Gesicht zu Dreiviertel bedeckende Sonnenbrille und einen Lippenstift in Knallfarbe – die Dame. Man könnte fast denken, dass sie eigentlich auf dem Weg zu einem Polo-Turnier war, nur versehentlich auf „dem größten Pferderennen der Welt“ landete, wie Cascada-Sängerin Nathalie Horler bei der Media-Night am Dienstag lauthals verkündete. Zu später Stunde kann man die Dame dabei beobachten, wie sie ein mit Minze und Limetten aufgehübschtes Weinglas in den Händen hält und mit Freundinnen über Gott und die Welt schnattert. Allesamt natürlich ebenfalls im floral-gemusterten Kostüm mit Hut und riesiger Sonnenbrille.

„Der Mann mit Hut“: Er ist der Herrscher der Kopfbedeckungen. Er hat keinen begehbaren Schuhschrank, nein, er hat einen begehbaren Hutschrank. Irgendwo in seinem Häuschen muss sich ein Platz finden, an dem Kappen in allen Farben, Formen und von allen Marken neben Stroh-, Stoff- und Cowboyhüten nahezu aufgebahrt sind. Nicht umsonst stellt der Hut in vielen Kulturen ein Symbol für einen sozialen Status dar. Auf dem CHIO sieht man alle möglichen Variationen: 1. Der legere Mann mit Kappe, lässig getragen, ungezwungen, unkonventionell, darunter eine schmale Sonnenbrille, oft mit buntem Glas. 2. Der Cowboy mit kariertem Hemd, Jeans und dunkelbraunem Stoffhut. 3. Der schicke Mann mit Strohhut, dem Wetter angepasst, in feinen Beigetönen, dazu trägt er ein weißes (bei den Temperaturen oft durchnässtes) Hemd, Leinenhose und farblich zum Hut passende Schuhe und Gürtel.

„Der Normalo“: Dieser Besucher-Typ ist kurz beschrieben: Ihn interessiert es einfach nicht, was er trägt, wie er es trägt, wie er auf andere wirkt und ob die Farbkombination auch wirklich die richtige war. Er legt keinen Wert darauf, zu sehen und gesehen zu werden. Er legt lediglich Wert darauf, dass es praktisch ist. Ihn erkennt man an einer kurzen Hose, Sandalen und Rucksack. Die Frauen hingegen neigen in manchen Fällen dazu, eine zu kurze Hose oder ein zu durchsichtiges Top zu wählen.

„Der Genießer“: Sein Steckenpferd ist nicht der Pferdesport. Er tummelt sich lieber in einer der unzähligen Getränke-Rondells. Er liegt entweder entspannt in einer Liege an der Strandbar oder nimmt die beobachtende Position am Stehtisch ein. Dort kann er ungestört an seinem Glas nippen, nett grüßen, hier ein Küsschen, dort eins, freundlich winken und hin und wieder auf sein Handy starren. Der Genießer hält sich eher hinter den Kulissen auf und wartet. Wenn sich der passende Moment ergibt, schaut er beim Springen oder Dressurreiten zu, gibt einen Tipp ab und verschwindet wieder.

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