Aachen - Zum Wiehern! Prinz macht „Winkewinke“

Zum Wiehern! Prinz macht „Winkewinke“

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
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Siegerpose: Im Konfettiregen stellt sich Aachens neuer Prinz Axel II. (Schwartz) dem Blitzlichtgewitter der Fotografen und lässt sich von 1400 Jecken feiern. Foto: Andreas Steindl
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Stimmungshöhepunkt: Die 4 Amigos (v.l.) Uwe Brandt, Stefan Beuel, René Brandt und Dietmar Ritterbecks rissen das Publikum von den Stühlen. Foto: Andreas Steindl
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Tolle Choreographie: Die neue AKV-Schautanztruppe fegte in beeindruckender Präzision über die Eurogress-Bühne. Foto: Andreas Steindl
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Aufgalopp in farbenfroher Reiterkluft: Prinz Axel II. (Schwartz) eingerahmt von Prinzenberater Alwin Fiebus, Adjutant Dirk Engels, Peädsdoktor Willi Iserlohn, Hufschmied Ingo Asten, Mundschenk Stefan Förster, Düvel Ralf Bongartz, Noppeney Georg Meyer, Schängche Willi Meyer, Mandele Leo Hans Bremen, Hofnarr Dirk Löven, Klenkes Dieter Kollmann, Lennet Kann Axel Gülpen und Hofmarschall Thomas Jägerberg. Das gemeinsame Motto im Reit-EM-Jahr 2015: „Oche, os Heämetstadt, jewess met Prente, Peäd än Öcher Platt faaß verbonge es!“. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wer zurück zu den Wurzeln will, muss eigentlich nicht auf unterirdischem Niveau bleiben. Alte Gärtnerweisheit. Nach einem gähnend langweiligen Prinzenspiel, in dem der designierte Hofstaat als Laienspielschar endlose Minuten lang auf Öcher Platt und auf sowie neben der Bühne bei der Prinzensuche dilettiert, weckt die furiose AKV-Schautanztruppe das Publikum am Freitagabend aus dem Tiefschlaf.

Musik, Tanz, Tschingderassabum. Aufatmen im ausverkauften Eurogress bei der Prinzenproklamation 2015. Der sogenannte Höhepunkt des Programms ist fast vorbei. Um 23.05 Uhr rollt der neue Narrenherrscher Axel II. (Schwartz) im Reit-EM-Jahr auf einem hölzernen Pferd auf die Bühne. Applaus!

Im Konfettiregen reckt er die Arme zur Siegerpose im Blitzlichtgewitter. Der 50-Jährige ist nun endlich ganz in seinem Element. Und singt erstmals seine tatsächlich hitverdächtigen Prinzenlieder – wie „Winkewinke“ als Hommage an den Abschied der Nationen im Reitstadion. Apropos: Axel II. widmet seine Session als langjähriger Stadtreiter ganz den edlen Vierbeinern. So auch sein Motto: „Oche, os Heämetstadt, jewess met Prente, Peäd än Öcher Platt faaß verbonge es!“

Wenige Höhepunkte

Bis dahin erleben die gut gelaunten Jecken im Saal ein Programm mit nur wenigen echten Höhepunkten. AKV-Präsident Dr. Werner Pfeil erinnert nach dem grauenhaften Terror in Paris zunächst daran, dass man sich als „politische Karnevalisten“ verstehe und jede Form von Extremismus verabscheue. Was Beifall erntet. Dann führt Elferrat David Lulley mit viel Elan durch den rund vierstündigen Abend.

Der startet mit einem Medley von knapp 20 Ex-Prinzen, die Kurzformen ihrer alten Sessionslieder zu Gehör bringen – ein toller Einfall des Prinzenkorps, der bestens ankommt. Bejubeln lassen darf sich auch das Tanzpaar Inga Dahlen und Marco Schmitz vom Oecher Storm. Ihr extrem anspruchsvoller Paartanz mit spektakulären Hebefiguren gelingt perfekt. Lennet Kann Dirk von Pezold wird diesmal von dem vielstimmigen Gospelchor „Sound & Soul“ begleitet: „Öcher Fasteleer – Halleluja“ singt die schwarz gekleidete Formation.

Das ungewöhnliche Experiment geht auf, der Beifall ist kräftig. Musicalsängerin Nicole Malangré meistert technische Probleme bei der Präsentation einiger Lieder der neuen CD „Nite of the Princes – 22 Prinzenlieder neu arrangiert“, und das AKV-Ballett verlegt sich bei seiner Darbietung auf laszive Hüftschwünge in knallroten, extrem kurzen Korsagenkleidchen. Zu kurz kommt daraufhin auch die Klangqualität – was besonders bei der Band „De Bajaasch“ auffällt. Trotzdem singt das Publikum bei der Hitparade der Karnevalsschlager à la „Schenk mir Dein ganzes Herz“ voller Inbrunst mit. Von mieser Tonqualität lässt sich hier zum Glück kaum einer die Laune verderben.

Fantastische Live-Bilder

Zumindest lässt sich das Bühnengeschehen bis in die letzten Zuschauerreihen und oben auf dem Rang präzise verfolgen. Mehrere Kameras liefern fantastische Live-Bilder, die auf eine riesige Leinwand oberhalb der Bühne projiziert werden.

Nach den Nothberger Fanfarentrompetern steigt das Stimmungsbarometer bis zum Anschlag. Die 4 Amigos – Uwe Brandt, Stefan Beuel, René Brandt und Dietmar Ritterbecks – reißen die Jecken Jahr für Jahr von den Stühlen. Bunt kostümiert tanzen viele Narren auf den Tischen. Zu Salsa-Rhythmen und Pop-Sound wird gejohlt und mitgesungen: „Alaaf d‘r Öcher Schäng...“ Erst nach mehreren Zugaben entlässt man das Quartett, das im Öcher Fatelovvend seinesgleichen sucht. Wirklich phänomenal!

Auf die Suche dürfte so mancher aus der Riege hunderter Karnevalisten aus 50 Vereinen zum Schluss gegangen sein. Traditionell ziehen die Vereinsvertreter nämlich zum Ende der Prinzenproklamation uniformiert am neuen Narrenherrscher auf der Bühne vorbei und erweisen diesem so die Ehre. Was nach dem zähen Proklamationsfinale allerdings dieses Jahr quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit passiert. Der größte Teil des Narrenvolkes hat vor Mitternacht längst den Saal verlassen und feiert – weit weg von Prinz, Hofstaat und der Polonaise der Karnevalsvereine – im Foyer zur Livemusik der „Wheels“.

Viele fragen sich dort nicht einmal hinter vorgehaltener Hand, ob eine Prinzenproklamation in Aachen womöglich einige Höhepunkte mehr verdient hätte. Zum Aufblühen bis Aschermittwoch bleiben nun noch 35 Tage Zeit. Die will man sicher nutzen. Dann ist alles vorbei. Alte Karnevalistenweisheit.

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