Zum Eklat kam es nach Bordellbesuch in Aachen

Von: wos
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Es geht um Prostitution, Menschenhandel und Vergewaltigung einer jungen Frau: Beim Prozess vor dem Landgericht schwieg der aus Rumänien stammende Hauptangeklagte – bis Dienstag. Foto: Volker Hartmann/dpa

Aachen/Stolberg. Seit zehn Verhandlungstagen schwelt ein Verfahren vor der 7. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht, bei dem es um Menschenhandel, Prostitution und Vergewaltigung einer 18-jährigen Frau geht. Die fünf Angeklagten im Alter zwischen 24 und 37 Jahren haben sich teilweise geäußert, der Hauptangeklagte schwieg jedoch – bis Dienstag.

Im zähen Verfahren war es hin und her gegangen, zehn Verteidiger sind am Start. Es steht viel auf dem Spiel: Das Opfer, eine 18-jährige Frau aus Rumänien, ist nur von ihrer Anwältin vertreten, laut ärztlicher Atteste soll sie nicht aussagefähig sein. Mit Hilfe eines Bekannten war der 18-Jährigen zu Beginn dieses Jahres die Flucht aus Stolberg gelungen.

Laut Anklageschrift war sie in der Nacht zuvor vergewaltigt und geschlagen worden, sie sollte trotzdem weiter in einem Stolberger Club anschaffen gehen, was sie jedoch nicht mehr wollte. Sie floh und erstattete später Anzeige. Andere Mädchen aus der Gruppe, die in dem Stolberger Haus zusammen mit ihren Zuhältern wohnten, sollen auch in der Aachener Antoniusstraße und in Etablissements in Würselen „untergebracht“ worden sein, der „Nachschub“ kam regelmäßig aus Rumänien.

Der Vorsitzende Richter Matthias Quarch schien sich bereits mit einer Rechtsfindung ohne Einlassung des Hauptangeklagten Valentin P. (37) abgefunden zu haben. Doch am Dienstag sprach P. Die Schilderungen widersprachen völlig den bisherigen Erkenntnissen im Prozessverlauf und belasten die zwei weiteren männlichen Mitangeklagten schwer.

Danach hatte sich Valentin P. erst kurz vor Silvester von Rumänien aus auf die Reise nach Aachen gemacht, um seine Geliebte in Stolberg zu besuchen, sie lebte mit den anderen zusammen in dem Bordellhaus. Er habe sich dummerweise schnell in das spätere Opfer verliebt, gab er am Dienstag an. Seine eigentliche Geliebte – er habe in Rumänien auch noch Frau und Kinder – bemerkt die Sache, die Frauen bekamen untereinander Zoff.

Zum endgültigen Eklat sei es gekommen, als P. von einer Tour in die Aachener Antoniusstraße, hier ging er anscheinend zu einer weitere Frau, zurück nach Stolberg gekommen sei. Da habe er seine zwei Mitbewohner mit seiner neuen Geliebten im Bett vorgefunden – in eindeutiger Pose. Sie hätten ihn dann mit vorgehaltenem Messer gezwungen, das Mädchen zu schlagen. Das sei später geflüchtet, die Kumpel hätten sie bis zu dem Fluchtauto verfolgt und mit dem Messer bedroht. Die Frau konnte aber nach Rumänien fliehen.

Er habe bislang keine Angaben gemacht, weil seine Mitangeklagten ihm Geld versprochen hätten, wenn er den Mund halte. Als er am Dienstag aber an den Äußerungen des Gerichts bemerkte, dass er anders als die beiden Mitangeklagten mit einer viel höheren Strafe zu rechnen hat, packte er seine Version der Geschichte aus. Der Prozess wird am 3. November ab 13 Uhr fortgesetzt.

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