Zum Anbeißen: Diese Beete machen Appetit auf Aachen

Von: Katrin Fuhrmann
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Silke Willen, Axel Brach, Horst Schnitzler, Astrid Urgatz und Dieter Klamke sind so weit: Sie wollen Aachen wieder zur essbaren Stadt machen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Was unterscheidet ein Blumenbeet von einem Gemüsebeet? Das Blumenbeet, das zwar schön anzuschauen ist, hat keinen weiteren Nutzen, während das Gemüsebeet, das optisch ebenfalls ansehnlich ist, hungrige Mägen füllen könnte. Dieser Gedanke steckt hinter der Idee von „essbaren Städten“.

 Statt Zierblumen möchte man Nutzpflanzen, die für jeden kostenfrei zugänglich sein sollen, anbauen – und das mitten in der Stadt. Grünanlagen sollen so zu essbaren Landschaften werden. Seit vier Jahren setzen sich viele Aachener mit dem Gedanken auseinander. Jetzt soll es endlich konkret werden.

In der Richardstraße und im „Vielfeld“ im Stadtgarten sind Gemeinschaftsgärten entstanden. Viele Anwohner haben das „Gärtnern“ mittlerweile für sich entdeckt. „Jede Altersgruppe ist vertreten und die Gärten wachsen stetig“, sagt UWG-Ratsherr Horst Schnitzler, Leiter der Urbanen Gemeinschaftsgärten Aachen.

„Wir sind mittlerweile so weit, dass wir unsere Ideen der Stadt präsentieren können. Es gibt unserer Meinung nach genügend freie Flächen, auf denen man urbane Gärten verwirklichen kann. Das müssen wir der Stadt bewusst machen“, erklärt Schnitzler. Außerdem sei es wichtig aufzuzeigen, dass essbare Pflanzen auch optisch einiges zu bieten haben. So solle man in Zukunft bei der Bepflanzung von Grünanlagen beispielsweise auf Grünkohl und Mangold setzen, sie unterscheiden sich von Zierpflanzen nicht im Geringsten.

Mittlerweile gibt es deutschlandweit schon etliche „essbare Städte“. Das große Vorbild ist Andernach. Hier haben es Bürger 2010 geschafft, mit ihrer Bepflanzung von Gemüse, Obst und Kräutern Teile der Stadt in essbare Gärten zu verwandeln.

Dieses Ziel haben auch die Aachener. Denn von einer essbaren Stadt profitieren letztlich nicht nur die Bürger, auch die Stadt tut dies. „Menschen mit wenig Geld bekommen eine Möglichkeit, mit wenig Eigenleistung kostenlos Nahrungsmittel zu bekommen. Die Wertschätzung der gewonnenen Nahrungsmittel ist eine ganz andere als die, beim Kauf im Supermarkt“, sagt Dieter Klamke, der ebenfalls im Gemeinschaftsgarten aktiv ist. Außerdem könne man durch die Bereitstellung von städtischen Grün- oder Brachflächen die Bürger emotional an die Stadt binden, so dass das Verantwortungsgefühl für die Heimatstadt wachse.

Erstaunliches fördert der Blick in die Vergangenheit zu Tage: Denn in den 1970er Jahren war Aachen sogar noch in Teilen „essbar“. Obstbäume zierten die Grünflächen und verschönerten zudem das Stadtbild. Doch mit der zunehmenden Bebauung verschwanden auch die urbanen Gärten. „Viele Menschen haben vergessen, wie ein Beet bewirtschaftet wird, weil sie in der Stadt meistens nicht die Möglichkeit dazu haben“, sagt Silke Willen, Gärtnerin im Gemeinschaftsgarten.

Die Gärten haben einen weiteren positiven Nebeneffekt: Sie stärken das Gemeinschaftsgefühl. Jeder sei willkommen. „In den nächsten Wochen werden wir unsere Ideen der Stadt präsentieren. Wir hoffen, dass wir in diesem Jahr unserem Ziel, Aachen wieder essbar zu machen, näher kommen“, sagt Schnitzler.

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