Zum Abtauchen bleibt ihr keine Zeit

Von: Thorsten Karbach
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40 Seiten voller Angebote für Kinder von 6 bis 16 Jahren: Petra Nagelschmitz-Goffart koordiniert bei der Stadt Aachen die Ferienspiele. Das Angebot wächst, weil die Nachfrage größer wird. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. In diesen Ferien wäre Petra Nagelschmitz-Goffart gerne abgetaucht. Und zwar im wörtlichen Sinne, denn bei den Ferienspielen stand ein Tauchkurs auf dem Programm und Nagelschmitz-Goffart zieht sich gerne die Taucherbrille an.

Doch ihr Platz ist auf dem Trockenen, genauer an einem Schreibtisch des städtischen Fachbereichs Kinder, Jugend, Schule, von wo aus sie die städtischen Ferienspiele koordiniert.

Ferienspiele gibt es in Aachen seit Anfang der 1980er. Doch nie waren sie so begehrt wie jetzt, nie so umfangreich, nie so abwechslungsreich. 40 Seiten ist die Ferienspielzeitung dick, 42 verschiedene Anbieter -Êneben der Stadt mit den Fachbereichen Kinder, Jugend, Schule, Kultur und Sport viele freie Träger, die Offenen Türen, Bildungsträger wie die Volkshochschule -Êbieten 116 Einzelangebote. Zum Vergleich: 2004 waren es kaum 70 Angebote, 1999 noch deutlich weniger. „Die Ferienspiele haben sich in den letzten Jahren unheimlich entwickelt”, sagt Nagelschmitz-Goffart.

Das Angebot passt sich dabei zwangsläufig der Nachfrage an. Die freien Träger haben an den Offenen Türen in 2008 2500 Kinder in den Ferienspielen (Ostern, Sommer und Herbst) betreut, in diesem Jahr wurden 2600 Plätze beantragt.

Die werden dringend benötigt -Êetwa in Brand, wo die Zahl der Teilnehmer von 190 auf 234 anstieg. Und einige Kinder mussten mangels Kapazität auch noch abgelehnt werden. Die Ferienspiele seien eben mehr denn je eine Art Ganztagsbetreuung meint Karl Simons, Leiter der Brander Ferienspiele an St. Donatus dazu. „Die Ferienspiele werden als wichtiges Betreuungsmodul in den Ferien gesehen. Die Eltern fragen immer früher an, was es wann für Angebote gibt”, erklärt Nagelschmitz-Goffart.

Insgesamt gibt es in Aachen in diesem Jahr fast 7000 Plätze bei den Ferienspielen -Êneben denen in den Offenen Türen gibt es eine ähnliche Zahl in den Weiterbildungseinrichtungen wie der VHS und dann die 600 Plätze bei 24 Einzelangeboten der Stadt.


„Der Bedarf verändert sich dabei andauernd - vor allem was die Angebote betrifft”, erklärt Nagelschmitz-Goffart und meint, dass gerade bei den Einzelangeboten Trends zu erkennen sind. Einfach Spielenachmittage reichen nicht mehr, die Ansprüche steigen. Und die Koordinatorin muss flexibel reagieren. Die Zahl der Plätze bei der Waldwoche im Paulinenwäldchen wurde kurzfristig aufgestockt, statt eines Kurses „Mädchen und Mode” werden drei angeboten, getaucht haben 36 statt der eingeplanten 30 Kinder.

Betreut werden die Kinder von Fach- und Honorarkräften - vorgeschrieben ist ein Betreuer für zehn Kinder. Doch die Aachener Ferienspiele sind besser aufgestellt. Den Tauchkurs in der Westhalle betreuten acht Tauchlehrer und Helfer. Und so kümmern sich in Aachen fast 1000 Betreuer in den Ferienspielen um die Kinder. Doch nicht nur sie müssen bezahlt werden. Die Kosten steigen mit den Ansprüchen und sind mit dem städtischen Budget nicht mehr zu decken.

Etwas mehr als 100.000 Euro liegen im städtischen Topf für die Ferienspiele - mit diesem Geld werden aber auch die Offenen Türen mit ihren Angeboten gefördert. Waren die meisten Ferienspiele vor zehn Jahren noch kostenlos, muss mittlerweile eine Gebühr erhoben werden. „Es ist ein Luxus, dass ein paar Veranstaltungen immer noch kostenlos sind”, sagt Nagelschmitz-Goffart. In anderen Städten sind die Ferienspiele komplett ein bezahlter Spaß.

Spätestens im Februar zurrt die städtische Ferienspiele-Koordinatorin das neue Programm zusammen. Bestimmt wieder mit Waldwoche. Auch die hätte Petra Nagelschmitz-Goffart als Kind ganz gewiss besucht.
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