Zukunftskonzepte für Mobilität: „Bequemer, spontaner, flexibler“

Von: Katharina Menne
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Spannende Diskussion: (vl.) Dirk Reuters, Hans-Joachim Sistenich, Marcel Philipp, Prof. Thomas Ritz, Dr. Tobias Kuhnimhof, Michael Carmincke, Bernd Büttgens, Ruedi Ott und Uwe Müller. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Das Thema Mobilität beschäftigt die Aachener. Über 300 Interessierte fanden am Donnerstagabend den Weg in die Fertigungshallen der Talbot Services an der Jülicher Straße zu einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung zum Thema „Verkehr in Aachen“.

Eingeladen hatten dazu der Bürgerverein „Initiative Aachen“ sowie die Stadt. Moderiert von Stadtsprecher Bernd Büttgens ging es um die Zukunft der Verkehrsentwicklung und sinnvolle neue Mobilitätskonzepte. Das gesamte Publikum vor Ort war dazu aufgerufen, sich über Twitter oder auch handschriftlich mit Fragen und Anregungen zu beteiligen.

Rege Twittergemeinde

Das ließen sich viele nicht zweimal sagen. Unter dem Hashtag „#mobilinac“ ging es bei Twitter sofort hoch her. So blieb kaum eine Aussage der Vortragenden unkommentiert. „Dem Parkplatz nach zu urteilen sind 90 mit dem Auto da“ hieß es dort. Oder: „Bei #mobilinac werden mal wieder hehre Ziele ausgebrütet, die dann wie üblich in den Mühlen der Realpolitik jämmerlich verenden…“. Aus vielen Kommentaren lässt sich außerdem schließen, dass viele sich wünschen, die Stadt würde das Fahrradfahren attraktiver machen: „Meine Kinder fragen: Wann wird es in Aachen für Fahrräder endlich so wie in Kopenhagen?“

Im ersten Vortrag des Abends stellte Verkehrsingenieur Dr. Tobias Kuhnimhof vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) fest: „Bequemer, spontaner, flexibler – das sind die Ansprüche an neue Mobilitätskonzepte.“ Insbesondere die Digitalisierung trage ihren Teil dazu bei, diese Ansprüche umzusetzen. Sie verändere unser Verhalten durch neue Angebote, wie intelligente Navigationssysteme, Carsharing, Fahrplan-Apps oder auch soziale Netzwerke und erleichtere darüber hinaus die Multimodalität, das heißt die Nutzung verschiedener, aufeinander abgestimmter Verkehrsmittel. So stellte er anhand verschiedener Grafiken dar, dass in den jüngeren Generationen seit einigen Jahren der Trend zu beobachten ist, dass das eigene Auto als Statussymbol an Bedeutung verliert und die vielfältigen Möglichkeiten der Fortbewegung stärker genutzt werden.

Dass die Digitalisierung eine entscheidende Rolle für das neue, veränderte Mobilitätsverhalten spielt, wird auch umgehend in der Twitter-Diskussion bestätigt. „Dank Digitalisierung nutze ich persönlich sehr viel mehr und viel entspannter ÖPNV als noch vor 10 Jahren“, schreibt ein Nutzer. Es kommen auch ganz neue Vorschläge: „Mögliche zukünftige Entwicklung: Das autonome e-Taxi“. Oder: „Verkehrsabhängige Ampeln (mit Induktionsschleife) sorgen beim Nachbarn NL für fließenden Verkehr. Bitte in Aachen damit beginnen“.

Doch Ruedi Ott, ehemaliger Leiter für Mobilität und Planung der Stadt Zürich, ist der Meinung, dass technischer Fortschritt die Probleme alleine nicht löse. Er erläuterte in seinem Vortrag den Weg zur Züricher Strategie „Stadtverkehr 2025“ als gutes Beispiel für bürgernahe Verkehrsplanung. Die Einwohner von Zürich haben in den letzten Jahrzehnten über diverse Volksbegehren immer wieder den Ausbau des ÖPNV und die Reduzierung des Pkw-Verkehrs mehrheitlich beschlossen und so dazu beigetragen, dass Zürich heute zu einer der lebenswertesten Städte weltweit zählt. Die schöne Innenstadt habe Aachen bereits, sagte Ott, aber „man steht zu lange an den Ampeln“.

In der anschließenden Podiumsdiskussion standen die zukünftigen Herausforderungen für Aachen im Fokus, die auch in der neu erschienenen, von der Stadt herausgegebenen Broschüre „Vision Mobilität 2050“ zusammengetragen wurden. Ist der Straßenraum sicher für alle Verkehrsteilnehmer? Ist und bleibt Busfahren für alle bezahlbar? Ist die Umweltzone Nachteil oder auch Chance? Neben den beiden Vortragsreferenten diskutierten dazu auch Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp, Aseag-Vorstand Michael Carmincke und Thomas Ritz, Professor für mobile Informationslogistik an der FH Aachen.

So bedeutet Mobilität für Oberbürgermeister Marcel Philipp dass man überall gut hinkommt und dafür mehrere Möglichkeiten zur Auswahl hat. Für den Schulweg seiner Kinder habe er sich aus verschiedenen Gründen für das Auto als Fortbewegungsmittel seiner Wahl entschlossen – jetzt sei er ja dafür mit dem Fahrrad da. Dafür schlug ihm prompt Spott auf Twitter entgegen: „Nutze mein Rad täglich als Alltagsverkehrsmittel und muss es heute Abend im Gegensatz zu Herrn Philipp nicht repräsentativ nutzen“. Oder: „Auch wenn es gerne als selbstverständlich kommuniziert wird: Kinder haben heißt nicht automatisch ein Auto brauchen.“

Für Aseag-Vorstand Michael Carmincke stehen eine Beschleunigung des ÖPNV sowie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit ganz oben auf der Agenda. Hinzukommt die geplante Elektrifizierung der Flotte sowie die Entwicklung eines „Elektromobilen Mobilitätsverbunds“, der ÖPNV-Angebote, E-Car-Sharing und Pedelec-Verleihsysteme miteinander verknüpft. Ideen für eine verbesserte Verkehrssituation in Aachen gibt es demnach viele und dass Handlungsbedarf besteht, zeigen die Twitter-Kommentare.„#mobilinac kann nur ein Anfang gewesen sein“, bringt dort ein Nutzer die Stimmung im Publikum auf den Punkt, denn viele zeigten sich enttäuscht, dass sie nicht aktiver in die Diskussion eingebunden wurden.

Doch Bernd Büttgens betonte, dass das bei einer Veranstaltung solchen Umfangs gar nicht möglich sei. „Sinn und Zweck dieser Veranstaltung war es, Schwerpunktthemen zu identifizieren, die dann bei weiteren Terminen gezielter diskutiert werden können“, sagte er. Hans-Joachim Sistenich aus dem Vorstand der „Initiative Aachen“ ist jedenfalls von dem Veranstaltungsformat überzeugt und schließt, dass „die Stadt nicht völlig falsch unterwegs, sondern auf einem sehr guten Weg ist“.

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