Zugluft, Thermalwasser und Kaisergrab fordern den Dombaumeister

Von: Thomas Kreft
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Dorothée Hugot
Dorothée Hugot, Witwe des Dombaumeisters Leo Hugot, präsentiert eine AVZ von 1982 zum Kausergrab. Foto: Kreft

Aachen. „Nein, wir sind nicht auf der Jagd nach dem Karlsgrab”, dämpfte Dombaumeister Helmut Maintz am Freitagabend Spekulationen, die nach der AZ-Berichterstattung selben Tages ins Kraut geschossen waren. Ort der Debatte war die Hauptversammlung des Karls- und Dombauvereins, wo Maintz von den Sanierungen 2009 sowie von den neuen Arbeiten im Westwerk berichtete.

Der Dombaumeister bestätigte die Fakten, in der Tat grabe man jetzt dort, wo die erste letzte Ruhestätte des Kaisers vermutet wird, dessen Gebeine seit dem 12. Jahrhundert der Karlsschrein birgt. Nur stehe eben nicht die Wiederentdeckung im Zentrum der Kampagne. Vielmehr wolle man die Grabung von vor 100 Jahren nachvollziehen. Und wer weiß, was man dabei noch so alles findet

Zu den Verfechtern des Grabstandortes unter dem Westwerkfußboden gehörte Leo Hugot. Dessen Witwe Dorothée präsentierte der Versammlung dazu eine AVZ-Ausgabe vom 6. März 1982 mit einem ganzseitigen Beitrag des damaligen Dombaumeisters. Offenbar war die Grabfrage vor 30 Jahren ein großes Thema.

Der Überlieferung nach wurde Karl d.Gr. nach dem Tod am 28. Januar 814 binnen Stunden im Aachener Münster beigesetzt aus Sorge, die Abtei Saint Denis könnte den Leichnam ebenfalls beanspruchen. Saint Denis bei Paris war die traditionelle Grablege der fränkischen Könige. Die Aachener hoben also eilig ein Grab aus. Anstelle eines neuen Sarkophags griff man auf den römischen Proserpina-Sarg zurück, der heute in der Domschatzkammer zu sehen ist. Vor 100 Jahren wurde eine Gruft entdeckt, die passen könnte. „Mit 2,15 m Länge und 0,64 m Breite nimmt der Sarkophag soviel Raum ein, daß ringsum etwa 0,20 m Luftraum bleibt”, zitierte Dorothée Hugot aus dem AVZ-Artikel ihres Mannes. „Eine solche Gruft ist durchaus in wenigen Stunden zu erstellen. Denn um 9 Uhr wussten sie beim Tode Karls noch nicht, wo er bestattet werden sollte. Vor Sonnenuntergang war er bereits am gleichen Tag beerdigt.”

Helmut Maintz hatte aber noch andere interessante Dinge zu berichten. Im Fundamentbereich wurde Thermalwasser angebohrt, das 31 Grad warm ist und seinen Pegel sieben Meter unter Fußbodenniveau hat. Vor 100 Jahren seien die Archäologen hingegen in 5,20 Meter Tiefe auf den Wasserspiegel gestoßen. Die Risse im Gewölbe gehen bis zur Oberseite durch und sollen dort verklammert werden. Auch das Bleidach des 16-Ecks ist brüchig. 35 Risse mussten die Bauleute flicken. Die Fernwärmeleitung, die in den 60er Jahren in grenzenlosem Glauben an technische Zuverlässigkeit unter dem Dom hindurch gebaut worden war, liegt inzwischen unter den Straßenflächen ringsum. Über der Orgel wurde eine Wetterstation in Miniatur installiert. Sie soll die Luftströme zwischen Chor und Oktogon messen. Man wolle die unangenehme Zugluft in den Griff kriegen, ausgelöst durch die Heizung. Voraussichtlich im März wird der Dachboden über dem Chor auf über 50 Grad erhitzt, um dem Gescheckten Nagekäfer den Garaus zu machen.

Der Dombauverein zieht Bilanz

Der Aachener Karls- und Dombauverein wächst weiter und fährt damit gegen den Trend vieler anderer Organisationen. Es ist schon fast zur Tradition geworden, die Zuwächse bei der Hauptversammlung zu verkünden - spannend bleibt nur die Rate. Im Berichtsjahr 2009 stieg die Mitgliederzahl von 2011 auf 2105. „Das zeigt uns, dass das Interesse am Dom und seiner Sanierung ungebrochen ist”, sagte der Vorsitzende Dr. Jochen Bräutigam.

Was die Mitglieder am Verein schätzen oder auch nicht, darüber gibt eine Mitgliederumfrage Auskunft. Nach dem erfreulichen Rücklauf von über der Hälfte werde der Vorstand das Ergebnis in die weitere Planung einfließen lassen, versicherte Bräutigam. 57 Prozent der Antwortenden engagieren sich, um den Dom als Wahrzeichen der Stadt zu erhalten, 26 Prozent denken globaler und sehen eher das Weltkulturerbe. 47 Prozent wären bereit, für einzelne Veranstaltungen des Vereins fünf Euro zusätzlich zum Beitrag zu zahlen, je halb so viele wollen auch zehn Euro oder umgekehrt gar nichts zusätzlich entrichten. Zwei Drittel spenden bereits Geld über den Beitrag hinaus.

Ein Drittel wünscht andere Zeiten für Veranstaltungen, wobei der Vorsitzende die Berufstätigen dahinter vermutet. Denen müsse man versuchen entgegenzukommen. Schwierig werde das bei dem Wunsch nach kleineren Gruppen je Angebot. Bräutigam: „Der größte Teil läuft ehrenamtlich, da gibt es zeitliche Grenzen.” Ferner äußerten einige den Wunsch nach mehr Angeboten für junge Leute und nach mehr aktuellen Informationen besonders via Internet. Informationen zum Dom sowie Vorträge und Führungen stehen in der Relevanz der Bindungsmaßnahmen an den Verein ganz weit oben.

Dahinter folgt, immer noch mit gut 70 Prozent, die Jahresgabe. 36 Prozent lesen die hochwertigen Hefte intensiv durch. 45 Prozent gaben an, diese Bände der Schriftenreihe langfristig zu verwahren. Nicht auf dem Fragebogen stand allerdings, wohin die anderen ihre Exemplare wann geben. 36 Prozent wären mit einem Preis von fünf Euro für die bislang kostenlosen Hefte einverstanden, 19 Prozent sogar mit zehn Euro. Die Schriftenreihe ist nur für Mitglieder erhältlich, Neumitglieder erhalten auch die Hefte vergangener Jahre. Die aktuelle Ausgabe trägt den Titel „Himmlisches Licht in Wänden aus Glas” und widmet sich sämtlichen Fenstern des Domes.

Schatzmeister Dr. Karl-Heinz Paffen rechnete die Kassenlage vor. Aus der Lotterie Spiel 77 erhielt der Verein mit 167.000 Euro wieder den größten Einnahmeneinzelposten. Das sind 21.500 weniger als im Vorjahr. Paffen resümiert daraus, „dass der Mittelzufluss nicht auf dem Niveau der letzten Jahre gehalten werden kann”. Aus Bußgeldern bekam der Karlsverein 9800 Euro zugeteilt, mehr als im vorigen Jahr, doch an den Betrag des Jahres 2002 - damals 33.000 - reicht auch das nicht mehr heran. Die steigende Mitgliederzahl macht sich in den Einnahmen bemerkbar: Aus den eigenen Reihen kamen 43.500 Euro Beiträge sowie 70.000 Euro Spenden. 315.525 Euro nahm der Dombauverein ein, 339.000 gab er aus. Darin enthalten sind der seit Jahren fixe Betrag von 260.000 Euro an das Domkapitel, 25.500 Euro Dienstleistungspauschale, 5 000 Euro für eine Dachreparatur und 4000 Euro Kosten für die Umfrage. Die Bedeutung des Karlsvereins brachte Dompropst Helmut Poqué mit einem Wort auf den Punkt: Zuverlässigkeit.
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