Aachen - Zu wenig Reue bei jungem Messerstecher

Zu wenig Reue bei jungem Messerstecher

Von: Wolfgang Schumacher
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Das Plädoyer der Staatsanwaltschaft verlangt Haftstrafen für die brutale Tat in der Nacht des 22. Oktober. Das Urteil fällt am Montag. Foto: dpa

Aachen. Das Geständnis, das der heute 17-jährige Mariusz K. vor der 7. Großen Jugendkammer am Aachener Landgericht abgelegt habe, das reiche ihr in Sachen „Einsicht und Reue“ überhaupt nicht. Staatsanwältin Melissa Hilger, die das in ihrem Plädoyer formulierte, war trotz eines einigermaßen positiven Gutachtens der Jugendgerichtshilfe nicht von der Einsichtsfähigkeit des jungen Angeklagten überzeugt.

Denn Mariusz K. hatte zwar den groben Tatablauf eingestanden, hatte sich allerdings im Nachhinein ansonsten nicht wirklich von seiner Tat distanziert. Er und der ebenso wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung angeklagte Konrad R. (27) hätten bei der Tat der beiden in der Nacht des 22. Oktober 2016 nach vier Uhr morgens vor der (bereits verschlossenen) Türe einer Diskothek in der Aachener Wirichsbongardstraße den Tod ihres Opfers in Kauf genommen.

Nächte wie diese

Es sei eine jener Nächte gewesen, in der die jungen Leute mehrfach Gelegenheit gehabt hätten, sich während ihres Partyabends in der Innenstadt zwischen Elisenbrunnen und Bushof aus dem Wege zu gehen. Mehrfach hätten sich die Bahnen der in Gruppen feiernden Jugendlichen oder noch jungen Erwachsenen gekreuzt, mehrfach habe schon vor der Messerattacke im Eingangsbereich der Disko die Polizei einschreiten und die Feiernden trennen müssen.

Doch dann trafen sich der damals 16-Jährige und sein zehn Jahre älterer Kumpel mit den höchstens vom Sehen bekannten Männer wieder. Auf dem Kapuzinergraben habe es bereits ein Aufeinandertreffen gegeben, dabei schlug das spätere Opfer dem jungen Täter einen Zahn aus. In der nahen Wirchsbongardstraße kam es dann zum Showdown.

Sicherlich sei kaum zu leugnen, dass das Opfer den Streit mit provoziert habe. Allerdings zog ­Mariusz K. dann ein Messer und stieß es dem Kontrahenten in den Bauch, verletzte ihn auch am Oberschenkel und am Rücken. Während der Messerattacke hatte der Kumpel mitgeholfen, das Opfer niederzuringen und zu verprügeln, er ging zu Boden.

Die Beiden traten und schlugen immer wieder auf das bereits wehrlose Opfer ein. Dessen Kumpel griff ein, rettete ihm durch seine Einmischung, die ebenfalls einige Verletzungen einzur Folge hatte, womöglich das Leben des Party-Kumpanen. Selbst als die Polizei auftauchte und die Kämpfenden trennte, habe sich der 16-Jährige nicht gestellt, sondern sei mit dem Messer in der Hand geflüchtet.

Für Staatsanwältin Hilger war damit insgesamt das Thema einer zur Bewährung mit strengen Auflagen ausgesprochenen Jugendstrafe vom Tisch. Der geordnete Rahmen der Jugendhaftanstalt mit Möglichkeiten eine Berufsausbildung anzufangen, sei der richtige Ort für K.. Sie beantragte eine dreijährige Jugendstrafe für ihn. Die Tat hätten beide gemeinsam ausgeführt, so dass die Staatsanwältin für den nach Erwachsenenrecht zu verurteilenden Konrad R. eine Haftstrafe von vier Jahren wegen gemeinschaftlichen versuchten Totschlags forderte.

Beide Verteidiger beantragten für ihre Mandanten Bewährungsstrafen. Andreas Fleuster ging für den jungen Angeklagten an die Grenze, beantragte zwei Jahre Jugendhaft auf Bewährung, Anwalt Peter Schäfer für seinen Schützling ein halbes Jahr Haft auf Bewährung. Das Urteil wird am Montag, 7. August, um 13 Uhr gesprochen.

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