Zu Unrecht der Pädophilie bezichtigt

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Üble Flugblätter mit dem Konterfei eines entfernten Verwandten hatte der 62-jährige Angeklagte Anfang 2012 in Eilendorf aufgehängt. Darin wurde der 48-jährige Mann zu Unrecht der Pädophilie bezichtigt.

Das hinterhältige Pamphlet wurde in der Nachbarschaft und in der Nähe seines Arbeitsplatzes verteilt, eines landete bei unserer Zeitung.

Am Freitag nun hätte der 62-jährige Rentner vor der Aachener Amtsrichterin Lena Michel erscheinen und dort Rede und Antwort stehen sollen. Der in Limburg wohnende Angeklagte war allerdings vor kurzem operiert worden und ließ daher von seinem Aachener Anwalt ein ärztliches Attest vorlegen. Bereits zu Beginn des Verfahrens machte der Verteidiger klar, dass sein Mandant sicherlich zurecht beschuldigt sei. Er habe bereits ein umfängliches Geständnis bei der Polizei abgelegt.

Mit Nachdruck

Er habe auch vorgetragen, berichtete der Verteidiger, dass er sein Opfer eigentlich gar nicht habe schädigen wollen. Das wies Nebenklageanwalt Altfrid Walk mit Nachdruck zurück. Walk führte an, dass er zwar dem Verteidiger guten Willen unterstelle. Der Angeklagte selber aber habe noch kurz nach einem Gütegespräch seine Verwandten bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Im Hintergrund ging es bei dieser Sache wohl um langjährige Erbstreitigkeiten. Mit den diskreditierenden Flugblättern, die er nicht nur ein Mal, sondern wiederholt in Eilendorf verteilte, habe er Druck auf die ganze Familie ausüben wollen.

Wegen des Tatbestandes der viermaligen Verleumdung und der zweifachen falschen Verdächtigung - letzteres, weil er zwei Mal seine Verwandten fälschlich angezeigt hatte - wurde der Mann zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Die Herstellungsmittel der Flugblätter waren bei ihm zu Hause konfisziert worden und wurden von der Richterin auf Dauer eingezogen.

Der Nebenklageanwalt hatte sich dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft angeschlossen. Sie habe, so Walk, „die Sache sehr ernst genommen”. Jetzt sei man froh, dass mit dem Urteil das unschöne Kapitel hoffentlich abgeschlossen sei. Die Staatsanwaltschaft hatte sich laut ihrem Sprecher Oberstaatsanwalt Robert Deller in eigener Sache verleumdet gefühlt. Denn auf dem Flugblatt gab es sogar den dreisten Satz „Leider wurde die Staatsanwaltschaft nicht aktiv, aber das ist bei solchen Tätern oft der Fall oder üblich”. Das ärgerte die Behörde natürlich.
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