Zu teuer: Parteien dämmen Plakatflut ein

Von: Robert Esser
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Kaum zu glauben: Die Parteien sparen 2013 in Aachen bei der Aufstellung der kostspieligen „Wesselmänner“. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Welches Bild die Parteien im Wahlkampf abgeben, kann jeder auf Aachens Straßen und Plätzen schon sechs Wochen vor der Bundestagswahl am 22. September sehen. Dabei gibt es allerdings einen erstaunlichen Trendwechsel: Vor allem die großen Volksparteien – CDU und SPD – rüsten in Sachen Wahlwerbung erheblich ab.

2009 hatten etwa die Sozialdemokraten 60 „Wesselmänner“ im Stadtgebiet platzieren lassen. So heißen die 3,70 mal 2,90 Meter großen Plakatwände, die eine Bochumer Werbefirma quasi als Monopolist seit Jahrzehnten zu jedem Wahlkampf an Parteizentralen vermietet. Deutschlandweit stehen knapp 30.000 „Wesselmänner“ zur Verfügung. Die Aachener SPD lässt 2013 genau 45 dieser Werbewände aufbauen – 15 weniger als vor vier Jahren. Grund: Die fetten Jahre sind vorbei, es wird abgespeckt. Wahlkampfmanager schnallen die Gürtel enger.

„Allein die Anmietung der Wesselmänner schlägt jetzt mit rund 8000 Euro zu Buche“, rechnet Aachens SPD-Geschäftsführer Stefan Mix auf Anfrage unserer Zeitung vor. Hinzu kommen bis zu 100 Dreiecksständer rund um Laternen und Ampelmasten sowie knapp 150 Din-A-1-Poster, die hoch an entsprechende Masten am Straßenrand montiert werden. „Hohlkammer-Plakate“ heißen diese für Vandalen schwer erreichbaren Werbemittel. Knapp 60.000 Euro beträgt das gesamte Wahlkampfbudget der Aachener Genossen nach Angaben der SPD-Geschäftsstelle. Die Plakatwerbung verschlingt davon einen Löwenanteil.

CDU-Geschäftsführer Harro Mies beziffert sein Wahlkampfbudget auf knapp 50.000 Euro. „Ja, es steht überall weniger Geld zur Verfügung“, bestätigt er. Auch die Spendenbereitschaft der Anhänger sei spürbar gesunken. Dass die CDU weit weniger Großplakate als die SPD-Konkurrenz an den Straßenrand stelle, sei aber schon seit Jahren ganz bewusst gepflegte Praxis. 25 „Wesselmänner“ mit CDU-Motiven sind bereits in der Kaiserstadt gelandet. Am Mittwoch sollen acht weitere hinzustoßen. Die Zahl der Dreiecksständer wird von rund 200 (2009) auf 50 bis 100 Exemplare reduziert. Denn: Neu beim Wahlkampf der Aachener CDU ist, dass Spitzenkandidat Rudolf Henke weitgehend auf das Engagement kostenträchtiger Werbemittel-Firmen verzichten will. Stattdessen sollen seine Parteifreunde aus den Ortsverbänden die Plakatierung – vor allem mit den leichteren Hohlkammer-Plakaten – ehrenamtlich stemmen. Da neben größerer Spenden aber auch der Parteinachwuchs weniger üppig als früher sprießt, dürfte die CDU im Straßenbild deutlich weniger Präsenz zeigen als in zurückliegenden Wahlkämpfen. Zumal: Schon im Mai 2015 stehen Kommunal- und Europawahl an.

Für die Aachener FDP hat Wahlkampf-Koordinator Daniel George zwölf „Wesselmänner“ geordert, Bis zum Wochenende will man noch 45 Dreiecksständer und 600 Kandidatenposter platzieren. Acht Plakatwände und 400 Kleinformate haben die Piraten bestellt. Die Linke indes bevorzugt Kleinplakate. Über 300 von 1100 geplanten Laternenpositionen hat die Linke nach eigenen Angaben bereits besetzt. Bei der Platzierung von Wahlplakaten gilt grundsätzlich: Nur die Standorte der großen „Wesselmänner“ muss die Stadtverwaltung im Fachbereich Verkehrsanlagen absegnen – damit die Plakatwände keine verkehrsgefährdende Sichtbehinderung darstellen. Für Laternen und Co. gilt: Wer zuerst mit seinem Wahlplakat vor Ort ist, darf hängen bleiben.

Den Aachener Grünen sponsert der Bundesverband übrigens neun „Wesselmänner“ – weil sie hier bislang erfolgreicher Stimmen sammelten als anderswo. Fünf weitere finanzieren die Aachener Grünen aus eigener Tasche. Dazu gesellen sich 95 Dreiecksständer und kleinformatige Poster zur Bewerbung besonderer Aktionen – etwa wenn Jürgen Trittin am 22. August im Hof um Stimmen buhlt. „Wir geben nur aus, was wir haben. Ein Viertel unseres Budgets fließt in den Wahlkampf“, erklärt Grünen-Geschäftsführer Jochen Luczak.

Schließlich: Nach dem Wahlsonntag müssen die Parteien ihren Plakat- und Werbeschilderwald „unverzüglich“ roden. Sonst drohen Ordnungsgelder. Was angesichts des verordneten Sparzwangs kein gutes Bild abgeben würde.

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