Zu laut: Aquis Plaza muss Nachbarn neue Fenster zahlen

Von: Robert Esser
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Viel mehr Busse, aber auch mehr Autoverkehr im Umfeld: Wenn Gutachter den Nachbarn des Aquis Plaza zu hohe Lärmpegel in den Häusern bescheinigen, zahlt der Betreiber ECE neue Fenster. Foto: Michael Jaspers
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Viel mehr Busse, aber auch mehr Autoverkehr im Umfeld: Wenn Gutachter den Nachbarn des Aquis Plaza zu hohe Lärmpegel in den Häusern bescheinigen, zahlt der Betreiber ECE neue Fenster. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Vor einem buchstäblich teuren Scherbenhaufen steht bald ECE. Es geht um Glasbruch. Der Betreiber des Aquis Plaza soll nämlich laut Stadt Aachen für alle neuen Schallschutzfenster in Privathäusern im Umfeld des Einkaufszentrums aufkommen, wenn dort durch höheres Verkehrsaufkommen Lärmschutzgrenzwerte überschritten werden.

Die Rede ist von einem möglicherweise zweistelligen Millionenbetrag. Die riesige Einkaufsmall mit 130 Geschäften hatte bereits 290 Millionen Euro gekostet, die Eröffnung war Ende Oktober 2015.

Über 100 Hauseigentümer rund um den Konsumtempel wurden nun unterrichtet, dass die Stadt Aachen mit ECE einen sogenannten „Durchführungsvertrag“ geschlossen hatte. In diesem hatte sich ECE verpflichtet, „für von der erhöhten Lärmbelastung betroffene Bereiche (Straßenabschnitte) die Kosten der erforderlichen passiven Lärmschutzmaßnahmen zu übernehmen“.

Die betreffenden Grundstücke – etwa 270 Gebäude mit rund 1000 Wohnungen – seien gutachterlich ermittelt und im Vertrag benannt worden: Wilhelmstraße (Hausnummern 2 bis 96 sowie 5 bis 119), Heinrichsallee (2-16, 9-59), Adalbertsteinweg (2-128, 1-123d), Kaiserplatz 5-27 und Adalbertstift 7-9. Bei der Kostenübernahme für den Einbau von Schallschutzfenstern müsse allerdings ein „Vorteilsausgleich“ berücksichtigt werden.

Das heißt: Je älter die zu ersetzenden Fenster, desto geringer der Erstattungsbetrag. Als besonders schutzwürdige Räume gelten: Wohnräume einschließlich Wohndielen, Schlafräume, Unterrichtsräume in Schulen, Hochschulen und ähnlichen Einrichtungen, Büroräume (ausgenommen Großraumbüros), Praxisräume, Sitzungsräume und ähnliche Arbeitsräume.

„Wir haben die Hauseigentümer bereits darüber informiert, dass etwaige Ansprüche gegenüber ECE bis zum 28. Oktober 2020 geltend gemacht werden müssen“, bestätigt Harald Beckers vom städtischen Presseamt. „Dann läuft die vertragliche Frist aus.“ Offenkundig sei, dass die Kundschaft des Aquis Plaza ein höheres Verkehrsaufkommen verursache, auch wenn bis auf Spitzenzeiten nicht das befürchtete Ausmaß auf der Straße erreicht worden sei, heißt es.

Hunderte Busse passieren täglich die Stiftsumfahrt am Kaiserplatz, außerdem bekanntlich viele tausend Autos die benachbarten Verkehrsadern. „Eine Lärmsanierung kommt in Frage, wenn die Lärmbelastung tagsüber 70 Dezibel und nachts 60 Dezibel überschreitet. Werden diese Werte dauerhaft überschritten, müssen Menschen damit rechnen, krank zu werden“, erläutert Beckers.

Nun muss jeder Hauseigentümer seine Ansprüche von einem Gutachter – Einzelfall für Einzelfall – prüfen lassen. Die Gutachterkosten übernimmt ECE ebenfalls. „Wir kennen das Thema, sind vorbereitet“, erklärt ECE-Centermanagerin Kathrin Landsmann. „Es wurden entsprechende Rückstellungen für den finanziellen Ausgleich gebildet, erste Anfragen von Hauseigentümern liegen uns schon vor“, sagt sie.

Die Stadt weist darauf hin, dass Ansprüche ausschließlich ECE gegenüber geltend gemacht werden können. Lediglich bei Fragen zum Lärmschutz stehen die Mitarbeiter des städtischen Fachbereichs Umwelt beratend zur Verfügung – erstmal kostenlos.

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