Aachen - Zu Haftstrafen verurteilt: Gericht ahndet Prügelei in der Pontstraße

Zu Haftstrafen verurteilt: Gericht ahndet Prügelei in der Pontstraße

Von: Wolfgang Schumacher
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Symbol Schlägerei Prügel Faust Gewalt Polizei Überfall Foto Karl-Josef Hildenbrand dpa
Für seine Schläge Mitte Juli in und vor einer Diskothek nachts in der Pontstraße erhielt Selim S. eine Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Symbolfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Aachen. Das Jugendschöffengericht hat den 19-jährigen Selim S. am Donnerstag wegen schwerer gemeinschaftlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Für seine Schläge Mitte Juli in und vor einer Diskothek nachts in der Pontstraße hielt das Gericht diese Jugendstrafe für angemessen.

Es ging damit erheblich über die von der Staatsanwaltschaft beantragte Jugendstrafe, die zunächst zur Bewährung ausgesetzt werden sollte, hinaus.

Anders lag der Fall bei dem gleichfalls wegen der brutalen Schlägerei angeklagten Mehmet O. (21), für den wegen seines Alters von vorne herein eine höhere Haftstrafe beantragt worden war. Hier blieb das Gericht unter Vorsitz von Richter Christoph Gast mit zwei Jahren und zwei Monaten Haft etwas unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Angehörige des 21-Jährigen, die im Publikum saßen, waren zuvor nach den Plädoyers in Tränen ausgebrochen. Ein Betroffener, der bei einer der Taten selbst verletzt worden war, hatte hingegen Unverständnis geäußert. Nach seiner Ansicht war die eigentlich treibende Kraft bei den gewalttätigen Aktionen in der Disco und Minuten später am Ponttor eindeutig der jüngere Angeklagte. Dass dieser womöglich milder bestraft würde als sein älterer Kumpel, entsprach keinesfalls dem Rechtsempfinden des Geschädigten. So zeigte er nach dem Urteil deutliche Erleichterung und sagte gegenüber unserer Zeitung: „Mit diesem Urteil ist meinem Rechtsempfinden genüge getan.“

Die Folgen der nächtlichen Gewalttaten waren verheerend. Bereits in der Disco habe der Hauptgeschädigte einen Faustschlag ins Gesicht erhalten, so der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. „Wie bei der Jagd“ seien die drei Opfer dann draußen vor der Tür weiter verfolgt worden. Die Opfer gehörten zu einer Gruppe von Doktoranden der RWTH, die die Doktorfeier eines Kommilitonen mit einem Absacker in der Pontstraße ausklingen lassen wollten. Dort trafen sie auf die gerichtsbekannten Schläger. Ein 40-jähriger Maschinenbauer wurde schwerstens am Kopf verletzt, er ist bis heute nicht völlig wiederhergestellt.

Vier Anklagen auf dem Tisch

Besonders der Jüngere der beiden Angeklagten hatte in den vergangenen Monaten immer wieder in betrunkenem Zustand aus nichtigen Anlässen Schlägereien provoziert. Gegen ihn lagen insgesamt vier Anklagen auf dem Tisch. So musste er sich am Donnerstag auch wegen eines Vorfalls aus dem Frühjahr verantworten.

Vor dem Hauptbahnhof hatte er nachts einen Mann beschimpft und ihm eine Glasflasche über den Kopf gezogen, weil dieser ihm keine Zigarette geben wollte. Das Gericht sah keine Veranlassung, den Jüngeren mit einer Bewährungsstrafe zu belegen, die Gefahr, dass er rückfällig werde, sei erheblich, er müsse stark am Abbau seiner Gewaltbereitschaft arbeiten.

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