Zollmuseum greift den Kulturbetrieb an
Gefährlich: Wenn herausragende Exponate des Zollmuseums Friedrichs verkauft werden müssen, um Erben auszuzahlen, würde die Sammlung erheblich an Anziehungskraft verlieren. Foto: Andreas Herrmann
Aber 30.000 Euro sind immerhin so viel Geld, dass Kurt Cremer wegen dieser (Fehl-)Summe um den Fortbestand des kleinen, aber feinen Zollmuseums Friedrichs fürchtet. Eine Mitschuld würde er der Stadt Aachen anlasten.
Die Museumsbetreiber müssen nämlich einen beträchtlichen Teil der Sammlung des ehemaligen Hauptzollamts-Leiters Christian Friedrichs verkaufen, weil dessen drei Kinder den Pflichtteil ihres Erbes einfordern. Fast anderthalb Jahre rührte sich nichts, da die Rechtslage unklar war. Die von Friedrichs eingesetzte Alleinerbin war schwer erkrankt und konnte einem Verkauf aufgrund ihres Gesundheitszustandes nicht zustimmen. Mittlerweile liegt Cremer eine „Erklärung an Eides statt” vor, in der ein Sohn der Alleinerbin versichert, als Generalbevollmächtigter den Verkauf abwickeln zu können. Die Stadt Aachen hatte bislang einen Kauf der Exponate abgelehnt - was einerseits die Pflichtteile der drei Kinder finanzieren und andererseits den Fortbestand der Sammlung garantiert hätte. „Die Stadt Aachen wird aufgrund der Haushaltslage kein von Ihnen vorgeschlagenes Vorkaufsrecht ausüben”, hatte der Kulturbetrieb noch im Dezember 2011 an Cremer geschrieben. Als der Ehrenamtler, der Jahr für Jahr immerhin rund 2000 Besucher durch die 22 Räume mit 3000 Exponaten an der Horbacher Straße 497 führt, nun aus der Zeitung erfuhr, dass der Kulturbetrieb 2011 rund 150.000 Euro des Budgets nicht abgerufen hat, verstand er die Welt nicht mehr.
„Warum der Kulturbetrieb aus dem Überschuss von 150.000 Euro nicht 30.000 Euro für den Ankauf der Exponate aus der Erbmasse Friedrichs abgezweigt hat, um den Fortbestand des Zollmuseums Friedrichs mit allen dort befindlichen Exponaten auf Dauer zu sichern, ist für mich völlig unerklärlich”, schrieb Cremer nun in einem Offenen Brief an die Fraktionen des Stadtrats. „Ich kann das Verhalten des Kulturbetriebs wirklich nicht nachvollziehen”, sagt er. Zur angedachten Verwendung des „Überschusses” argumentiert Cremer: „Wenn man in dem Zeitungsartikel liest, dass sich die Besucherzahl im Ludwig Forum erfreulicherweise im Jahr 2011 mehr als verdoppelt hat, so erscheint der Umbau des Eingangsbereiches nicht so vordringlich zu sein.” Und weiter: „Wenn dagegen die Exponate aus der Erbmasse Friedrichs an Dritte außerhalb der Stadt Aachen verkauft werden müssten, würde dem Zollmuseum das Herzstück fehlen, wodurch das Museum stark an Attraktivität verlieren würde.”
Erst im April 2012 hatte der Betriebsausschuss Kultur dafür votiert, das Zollmuseum Friedrichs zu erhalten. Jetzt müssten Taten folgen, meint Cremer. Der 72-Jährige fordert die Politiker auf, „sich mit Nachdruck für den Ankauf der Exponate aus der Erbmasse einzusetzen, damit endlich die Ungewissheit über den Fortbestand des Zollmuseums beendet wird”.
Irit Tirtey, die kaufmännische Leiterin des Kulturbetriebs, weist darauf hin, dass die Rechtslage in Sachen Verkaufsvollmacht bislang unklar gewesen sei. „Sollte sich daran etwas geändert haben, müssen wir mit der Politik über einen möglichen Ankauf sprechen”, sagt sie. Die Sache sei durchaus zu regeln, heißt es - im Unterschied zum bislang letzten Schreiben des Kulturbetriebs aus dem Dezember 2011. Im August wollen sich Tirtey und Cremer zu einem persönlichen Gespräch treffen. Es geht um 30.000 Euro.
3000 Exponate in 22 Räumen besichtigen
In den 22 Räumen und anhand von 3000 Exponaten des Zollmuseums Friedrichs lässt sich die Geschichte der Zölle und ihre Entwicklung von der Einnahmequelle bis hin zum Schutz für die einheimische Wirtschaft nachvollziehen. Neben historischen Dokumenten gibt es zahlreiche Bilder und Objekte aus der Zeit der „sündigen Grenze” nach dem Zweiten Weltkrieg, als Zollbeamte und Schmuggler sich heiße Jagden lieferten und dabei auf beiden Seiten heute vielfach kurios anmutende technische Tricks und Innovationen entwickelt wurden. 1998 erwarb die Stadt das 1933 erbaute Zollhaus vom Bund und beauftragte den Verein Heimatfreunde des Heydener Ländchens mit der Betreuung.
Zu besichtigen ist das Museum an der Horbacher Straße 497 jeden ersten und dritten Sonntag im Monat um 11 Uhr und um 14.30 Uhr inklusive Führung. Außerdem wird es nach Absprache für Gruppen geöffnet. Schulklassen genießen kostenlosen Eintritt bei Kurt Cremer (Bild) und seinen Mitstreitern.
Kontakt: Tel. 0241/9970615 und http://www.zollmuseum-friedrichs.de .
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Die Museumsbetreiber müssen nämlich einen beträchtlichen Teil der Sammlung des ehemaligen Hauptzollamts-Leiters Christian Friedrichs verkaufen, weil dessen drei Kinder den Pflichtteil ihres Erbes einfordern. Fast anderthalb Jahre rührte sich nichts, da die Rechtslage unklar war. Die von Friedrichs eingesetzte Alleinerbin war schwer erkrankt und konnte einem Verkauf aufgrund ihres Gesundheitszustandes nicht zustimmen. Mittlerweile liegt Cremer eine „Erklärung an Eides statt” vor, in der ein Sohn der Alleinerbin versichert, als Generalbevollmächtigter den Verkauf abwickeln zu können. Die Stadt Aachen hatte bislang einen Kauf der Exponate abgelehnt - was einerseits die Pflichtteile der drei Kinder finanzieren und andererseits den Fortbestand der Sammlung garantiert hätte. „Die Stadt Aachen wird aufgrund der Haushaltslage kein von Ihnen vorgeschlagenes Vorkaufsrecht ausüben”, hatte der Kulturbetrieb noch im Dezember 2011 an Cremer geschrieben. Als der Ehrenamtler, der Jahr für Jahr immerhin rund 2000 Besucher durch die 22 Räume mit 3000 Exponaten an der Horbacher Straße 497 führt, nun aus der Zeitung erfuhr, dass der Kulturbetrieb 2011 rund 150.000 Euro des Budgets nicht abgerufen hat, verstand er die Welt nicht mehr.
„Warum der Kulturbetrieb aus dem Überschuss von 150.000 Euro nicht 30.000 Euro für den Ankauf der Exponate aus der Erbmasse Friedrichs abgezweigt hat, um den Fortbestand des Zollmuseums Friedrichs mit allen dort befindlichen Exponaten auf Dauer zu sichern, ist für mich völlig unerklärlich”, schrieb Cremer nun in einem Offenen Brief an die Fraktionen des Stadtrats. „Ich kann das Verhalten des Kulturbetriebs wirklich nicht nachvollziehen”, sagt er. Zur angedachten Verwendung des „Überschusses” argumentiert Cremer: „Wenn man in dem Zeitungsartikel liest, dass sich die Besucherzahl im Ludwig Forum erfreulicherweise im Jahr 2011 mehr als verdoppelt hat, so erscheint der Umbau des Eingangsbereiches nicht so vordringlich zu sein.” Und weiter: „Wenn dagegen die Exponate aus der Erbmasse Friedrichs an Dritte außerhalb der Stadt Aachen verkauft werden müssten, würde dem Zollmuseum das Herzstück fehlen, wodurch das Museum stark an Attraktivität verlieren würde.”
Erst im April 2012 hatte der Betriebsausschuss Kultur dafür votiert, das Zollmuseum Friedrichs zu erhalten. Jetzt müssten Taten folgen, meint Cremer. Der 72-Jährige fordert die Politiker auf, „sich mit Nachdruck für den Ankauf der Exponate aus der Erbmasse einzusetzen, damit endlich die Ungewissheit über den Fortbestand des Zollmuseums beendet wird”.
Irit Tirtey, die kaufmännische Leiterin des Kulturbetriebs, weist darauf hin, dass die Rechtslage in Sachen Verkaufsvollmacht bislang unklar gewesen sei. „Sollte sich daran etwas geändert haben, müssen wir mit der Politik über einen möglichen Ankauf sprechen”, sagt sie. Die Sache sei durchaus zu regeln, heißt es - im Unterschied zum bislang letzten Schreiben des Kulturbetriebs aus dem Dezember 2011. Im August wollen sich Tirtey und Cremer zu einem persönlichen Gespräch treffen. Es geht um 30.000 Euro.
3000 Exponate in 22 Räumen besichtigen
In den 22 Räumen und anhand von 3000 Exponaten des Zollmuseums Friedrichs lässt sich die Geschichte der Zölle und ihre Entwicklung von der Einnahmequelle bis hin zum Schutz für die einheimische Wirtschaft nachvollziehen. Neben historischen Dokumenten gibt es zahlreiche Bilder und Objekte aus der Zeit der „sündigen Grenze” nach dem Zweiten Weltkrieg, als Zollbeamte und Schmuggler sich heiße Jagden lieferten und dabei auf beiden Seiten heute vielfach kurios anmutende technische Tricks und Innovationen entwickelt wurden. 1998 erwarb die Stadt das 1933 erbaute Zollhaus vom Bund und beauftragte den Verein Heimatfreunde des Heydener Ländchens mit der Betreuung.
Zu besichtigen ist das Museum an der Horbacher Straße 497 jeden ersten und dritten Sonntag im Monat um 11 Uhr und um 14.30 Uhr inklusive Führung. Außerdem wird es nach Absprache für Gruppen geöffnet. Schulklassen genießen kostenlosen Eintritt bei Kurt Cremer (Bild) und seinen Mitstreitern.
Kontakt: Tel. 0241/9970615 und http://www.zollmuseum-friedrichs.de .








