Aachen - Zirkus Roncalli schlägt am Blücherplatz sein Zelt auf

Zirkus Roncalli schlägt am Blücherplatz sein Zelt auf

Von: Ines Kubat
Letzte Aktualisierung:
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Aufbau des Circus Roncalli, Roncalli-Zelt wird aufgestellt, Blücherplatz,
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...befestigen die Techniker noch am Boden die vielen Lampen unter der Kuppel. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Eins! Zwei! Drei! – Zieh!“, „One! Two! Three – Pull!“, ruft der Zeltleiter den Männern zu. Mit vereinter Kraft ziehen sie am Seil, das von der riesigen blauen Plane schräg hinunter zum Boden führt. Mit schnellen Bewegungen wird das Tauende um einen großen Eisenstab geschlungen. So arbeiten sich die knapp 30 Männer weiter am Zelt vor, stemmen massive Stangen unter den Rand der Plane und hieven schließlich gemeinsam das weiße Vordach hoch.

Zwar liegt das Hauptzelt noch am Boden, als die Zeltarbeiter in die Mittagspause gehen, doch schon jetzt erkennen Passanten, was hier aufgebaut wird: Denn zwischen den 16 Meter hohen Hauptmasten zeichnet sich in großen Buchstaben der Name „Roncalli“ vor dem blauen Himmel ab. Der Zirkus ist in der Stadt! Und es ist nicht irgendeine Show, die „Roncalli“ hier spielt, es ist die Jubiläumstour: Denn der Zirkus feiert seinen 40. Geburtstag.

Vor einigen Tagen schon sind die ersten Wagen angerollt, am Dienstag nun kam der spannende Teil, der Zeltaufbau. Und der lief unter dem kritischen Blick von Patrick Philadelphia ab. Er ist Betriebsleiter des Zirkus und damit auch für den Auf- und Abbau zuständig. Er kümmert sich um die Koordination und die Logistik von „Roncalli“. Und die ist manchmal recht knifflig – zum Beispiel auch am kleinen Blücherplatz. An jedem Ort herrschen nämlich andere Gegebenheiten, die Philadelphia für den Aufbau in Betracht ziehen muss. Denn ob es Clowns, Artisten, Musiker oder Techniker sind – jeder bringt sein Equipment mit. Und das ist recht groß mit 100 Wagen, die für „Roncalli“ durch die Lande rollen.

Die Handgriffe sitzen

Früh morgens kommt Philadelphia mit seinem Aufbauteam am Dienstag in Aachen an, um direkt mit dem Aufbau loszulegen: Da stellen die Zeltarbeiter zuallererst die vier großen Hauptmasten auf, rollen dann die Planen aus, die sie miteinander verknüpfen und dann an die große Zeltkuppel knoten. Bevor sie das ganze Konstrukt in die Höhe hieven, befestigen die Techniker unter der Kuppel noch flink Lampen und Strahler. Die Handgriffe sitzen.

„Die Jungs wissen genau, was sie tun“, sagt Philadelphia. Und das müssen sie auch – schließlich ist übermorgen Premiere am Blücherplatz. Als das Zelt mit knapp 37 Metern Durchmesser nach sechs Stunden steht, geht es ans „Feintuning“, wie Philadelphia es nennt: Dann werden sämtliche Knoten und Verbindungen geprüft. Denn locker darf jetzt nichts mehr sein.

Zum Feintuning gehören aber auch die Zuschauerränge: 1499 Plätze müssen noch für die Vorstellung aufgebaut werden. Warum genau diese krumme Zahl? „Weil bei einer Veranstaltung mit mindestens 1500 Personen die Feuerwehr anwesend sein muss“, erklärt Philadelphia. Und deren Einsatz koste täglich 300 bis 400 Euro. „Da ist es dann günstiger, einen Platz wegzulassen.“

Über die Sicherheit müssten sich die Zuschauer aber keine Sorgen machen, versichert der Betriebsleiter, der seit 22 Jahren bei „Roncalli“ arbeitet: Der Zirkus hat 15 ausgebildete Feuerwehrhelfer, außerdem gibt es ein großes System aus Feuerwehrschläuchen. Für Notfälle hat der Zirkus außerdem intern einige Rettungssanitäter ausgebildet.

Dass das Zelt ihnen um die Ohren fliegt – auch das müssten die Zuschauer nicht befürchten: Dafür sorgen insgesamt 102 im Zelt verbaute Metallstangen.

Außerdem halten 160 Eisennägel im Boden das Konstrukt an Ort und Stelle. Die haben die „Roncalli“-Mitarbeiter schon am Wochenende in den Boden geschlagen. Dabei ist ihnen allerdings ein Fehler passiert, der leicht die Premiere in Gefahr hätte bringen können: Denn einen Pfahl haben sie ausgerechnet in eine Wasserleitung gerammt und diese damit beschädigt. „Glücklicherweise ist es am Wochenende passiert.“ So konnte das Missgeschick noch repariert werden. Wäre so etwas am Dienstag geschehen, wären die Zirkusleute beim Aufbau ziemlich ins Schwitzen gekommen.

Dabei ist es nicht das erste Mal, dass „Roncalli“ am Blücherplatz gastiert: 1991 feierte man dort Aachen-Premiere. Im Jahr 2009 war der Zirkus das letzte mal dort. Danach sei man auf den Bendplatz ausgewichen, weil man nur dort eine etwas größere Show mit Pferden logistisch umsetzen konnte. Aber „Roncalli gehört in Aachen einfach auf den Blücherplatz“, findet Patrick Philadelphia.

Das hat aber nicht nur etwas mit Tradition zu tun. Denn zum Bendplatz kommen 25 bis 30 Prozent weniger Zuschauer als zum Blücherplatz, berichtet der Betriebsleiter. So erklärt sich auch, dass man die große logistische Herausforderung auf sich nimmt, denn der Blücherplatz ist „klein, vermutlich der kleinste Platz, auf dem wir überhaupt spielen.“

Dort können beispielsweise nicht alle „Roncalli“-Wagen parken, obwohl man die angrenzenden Grünflächen mitnutzen kann.

Daher wohnen die Artisten während der Spielzeit auf einem Platz am Prager Ring. Die restlichen Zirkuswagen stehen derzeit auf dem Bendplatz, der vorübergehend zum Logistikzentrum für Roncalli wird: Von dort werden nach und nach weitere Materialien zum Blücherplatz geliefert. Und auch das wird zur Herausforderung, weil die Straßen rund um den eigentlichen Parkplatz stark befahren sind.

Umgang mit Kritik

Eine Herausforderung ist der Spielort auch für die Anwohner: Denn für den Aufbau wurde in den vergangenen Tagen eine Spur in Richtung Europaplatz gesperrt, die angrenzende Grünfläche wird derzeit von Wagen belagert, und auch der Lärm war selbstverständlich etwas größer – vor allem, als die Stahlpfähle in den Boden geschlagen wurden. Solche Probleme sind Philadelphia bekannt: „Natürlich gibt es immer wieder Kritik. Damit muss man leben, aber wir versuchen, auch Rücksicht zu nehmen und Kompromisse einzugehen.“

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