Aachen - Zirkus in St. Petersburg begleitet

Zirkus in St. Petersburg begleitet

Von: Sonja Ceri
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Drei Tage über die Ostsee und sechs Stunden an der Zollabfertigung - so begann die Reise des Aachener Kinderzirkus Pinocchio im Sommer 2009 nach St. Petersburg. Im Gepäck: Zwei Bullis mit Zirkusutensilien, jede Menge Zollpapiere, eine große Portion Geduld und die Aachener Fotografin Katja Mummert.

Sie begleitete die vierwöchige Tournee des Mitmach-Zirkus durch St. Petersburg und dokumentierte die Arbeit von Josef Steinbusch alias Zauberclown Juppino mit kriegstraumatisierten Kindern.

„Die Kinder aus St. Petersburg”: So lautet die dokumentarische Ausstellung der Fotografin, die jetzt im deutsch-belgischen Verein „Kuckuck” zu sehen ist. Seit 1995 wandert der Aachener Kinderzirkus jährlich durch ehemalige Kriegsgebiete und begegnet dort mit traditioneller Zirkusarbeit traumatisierten Kindern. Unabhängig von Volks-, Religions- und Kulturzugehörigkeit erarbeiten sie ein Bühnenprogramm mit anschließender Aufführung in der Manege. Für diese Arbeit wurde der Zirkus 2007 mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet.

Die Eindrücke dieses Abenteuers hat Mummert in atmosphärischen Bildern festgehalten. Der Kontrast der schrillen Zirkuskulisse und den oft sehr einfachen Verhältnissen, in denen die Kinder ihr Leben verbringen, setzt die Frau hinter Kamera wachsam und sensibel in Szene.

Sensibel begann auch die Vernissage im ehemaligen deutschen Zollhaus am Grenzübergang Köpfchen. Da Arcos-Ensemble stimmte die Besucher auf den teilweise schwer verdaulichen Erlebnisbericht der Künstlerin ein. In einer Diashow fasste sie ihre Erfahrungen und Bilder der Reise zusammen. Sie fotografierte die An- und Rückreise, die Organisation der Tournee, Krankenhausauftritte von Josef Steinbusch, die Proben der Kinder mit dem Zirkusdirektor, Arbeiten hinter den Kulissen, Generalproben, Aufführungen der Kinder an verschiedenen Orten und natürlich auch die Erlebnisse zwischen den Zirkusterminen. Einen weiteren Schwerpunkt der Fotodokumentation legte sie auf Porträts der Kinder. Mit und ohne Masken, vor und hinter der Manege motivierte die Künstlerin die Kinder in andere Rollen zu schlüpfen. Die Kinder verwandelten sich in Tiere, Helden oder Superstars. Mummert fotografierte sie aber auch hinter der Bühne - ohne Glamour, im Flur und im Hinterhof. Der Wandel der Kinder ist erstaunlich, wenn sie in ein Affenkostüm steigen, sich die Herkulesmuskeln in ihr Kostüm stopfen oder die Clownsnase anschnallen. Ohne Kostüme und Masken wirken sie vor der Kamera beinahe verloren, unsicher und hilflos.

„Es scheint so, als hätten die Kinder in der Manege des Lebens keinen Platz gefunden. Durch ihre Krankheiten oder ihre sozialen Verhältnisse werden sie an den Rand der Gesellschaft gedrängt”, erklärte die Künstlerin. „Aber kaum durften sie in eine andere Rolle schlüpfen, verwandelten sie sich. Sie fühlten sich in ihrer Verkleidung stark, sicher und irgendwie auch unverwundbar”, erin-nerte sie sich. „Dennoch sind es Kinder, die wir respektieren müssen, denn es braucht weder Maske noch Verkleidung, um wichtig zu sein!”

Ihre Dia-Show ist auf CD käuflich zu erwerben, davon gehen zwei Euro pro CD an ein Waisenhaus in Russland. Die Ausstellung ist noch bis zum 30. September im „Kukuk” zu sehen.
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