Zieht türkische Uni ins Saint-Gobain-Glashaus?

Von: Oliver Schmetz
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Die heutige Heimat von Saint Gobain: Der Mietvertrag für das Vegla-Haus im Frankenberger Viertel läuft 2014 aus. Und es gibt türkische Interessenten, die dort die Gründung einer Uni erwägen. Foto: Michael Jaspers
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Die neue Heimat von Saint Gobain? Am Dienstag berät die Politik über den Verkauf eines Grundstücks am alten Tivoli. Foto: Michel Jaspers

Aachen. Saint Gobain wird in Aachen bald wohl nicht mehr im „Glashaus“ sitzen. Die deutsche Generaldelegation des französischen Glasherstellers will mit ihrer Hauptverwaltung das gläserne Vegla-Haus im Frankenberger Viertel verlassen und favorisiert nach AZ-Informationen einen Umzug auf das Areal des alten Tivolis an der Krefelder Straße. Und potenzielle Nachmieter für den grünen Glaspalast an der Ecke Viktoriaallee/Bismarckstraße sind offenbar auch schon in Sicht.

Dem Vernehmen nach soll es Interessenten aus der Türkei für die auffällige Immobilie geben, die dort eine Privatuniversität gründen wollen.

Da von alldem noch nichts endgültig besiegelt ist, schweigen sich die Beteiligten über Details weitgehend aus. Regina Decker, die Leiterin der Unternehmenskommunikation bei Saint Gobain, bestätigt auf Anfrage immerhin, dass der Mietvertrag für das Vegla-Haus Ende 2014 auslaufe und man sich derzeit nach einer „günstigeren Alternative“ in Aachen umsehe. Man spiele dabei verschiedene Möglichkeiten durch, es sei aber „noch überhaupt nichts entschieden“, erklärte sie vorige Woche.

Allerdings scheinen die Pläne bereits deutlich konkreter zu sein. Denn im städtischen Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss steht am kommenden Dienstag der Verkauf eines 4500 Quadratmeter großen Gewerbegrundstücks an der Krefelder Straße, genauer auf dem Areal des alten Tivoli, auf der Tagesordnung. Dort wo bislang zwischen noch zu bauendem Hotel und Supermarkt eine Art Appartementhaus geplant war, will ein Investor nun ein „Gewerbeobjekt von mindestens 5000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche“ errichten – und zwar „zur Ansiedlung der Firma Saint Gobain“, wie es in der nicht-öffentlichen Verwaltungsvorlage vom 1. März heißt.

Den Mantel des Schweigens decken die Verantwortlichen derweil auch über die möglichen Nachmieter im Vegla-Haus – und auch über das Ansinnen, in Aachen eine türkische Privatuni zu gründen. Bei der Stadtverwaltung verweist man darauf, dass es sich um ein privates Vorhaben handele, das die städtischen Wirtschaftsförderer lediglich begleiteten. Dort wiederum heißt es, dass der Begriff „türkische Uni“ eigentlich „etwas irreführend“ sei; schließlich solle die Einrichtung nicht nur türkischen Studierenden offenstehen. Es handele sich vielmehr um „eine internationale Universität auf Basis einer privaten Initiative aus der Türkei mit großem Interesse an Deutschland und den Ingenieurwissenschaften“, so die offenbar mit den Interessenten abgesprochene offizielle Sprachregelung. Das Vegla-Haus sei überdies, so heißt es bei der Verwaltung, nur einer von mehreren möglichen Standorten, über die man derzeit nachdenke.

Aber auch hier scheint das Interesse bereits etwas konkreter zu sein. Nach AZ-Informationen wurde vor zwei Wochen im städtischen Planungsausschuss in nicht-öffentlicher Sitzung über die Immobilie im Frankenberger Viertel gesprochen. Dem Vernehmen nach hat die Verwaltung dabei bei der Politik vorgefühlt, ob man im Fall der Fälle mit einer Änderung des Bebauungsplans einverstanden wäre. Dabei soll es um einen Anbau ans Vegla-Haus gehen, der als Wohnheim für die Studenten dienen soll. Allerdings soll die Politik noch erheblichen Fragebedarf – etwa zur genauen Ausgestaltung der Uni und zu deren Trägern – gehabt haben, weswegen das Thema vertagt wurde.

Der Versuch der AZ, über die Stadt mit den Initiatoren ins Gespräch zu kommen, schlug bislang fehl. Öffentlichkeit sei auf Interessentenseite derzeit noch nicht erwünscht, heißt es dazu. In punkto Transparenz scheint das ins Auge gefasste „Glashaus“ offenbar noch nicht Programm zu sein.

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