Aachen - Zentralabitur macht bundesweit mehr Sinn

Zentralabitur macht bundesweit mehr Sinn

Von: Thorsten Karbach
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Packt seine sieben Sachen: Die
Packt seine sieben Sachen: Dieter Spillner geht als Rektor des Einhard-Gymnasiums in den Ruhestand. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Vergebung wartet auf Dieter Spillner. Vergebung lautet nämlich der Titel des Stieg-Larsson-Krimis, denn Spillner endlich lesen wird. Pläne hat er viele, wenn der Rektor des Einhard-Gymnasiums mit dem Ende des Schuljahres in den Ruhestand geht - oder präziser in die Ruhephase seiner Altersteilzeit.

Aber bis Ende des Jahres will er sich eine Auszeit nehmen und das Buch endlich mal in Ruhe lesen. Nach 17 Jahren endet nun also Spillners Zeit am Einhard. Auf eine öffentliche Verabschiedung verzichtet er, stattdessen hat er eine Nicht-Einladung verschickt. Er will keine großen Reden, keinen Festakt, er will einfach gehen nach 34 Jahren Schuldienst in Düren, Herzogenrath, Laurensberg und Burtscheid. Zuvor bilanziert er mit der AZ, was ihn in den letzten Jahren bewegt hat.

G8: „Grundsätzlich spricht nichts gegen G8. Aber nur ein Jahr zu kürzen, das ist nicht stimmig”, sagt Spillner. Die letzten G8-Lehrpläne kamen erst raus, als die ersten Schüler bereits in die Oberstufe kamen. „Dann ist das handwerklich schlecht vorbereitet”, ärgert sich der Schulleiter. Auch das Thema Mensen hätte man bereits vor zehn Jahren angehen müssen. „Das Gesetz war vorhersehbar.”

Die Schüler: „Man muss abwarten, ob die jungen Schüler die persönliche Reife haben, um im Studium zu bestehen. Aber Sorgen mache ich mir nicht, weil die Studiengänge verschulter sind”, erklärt Spillner. Es gehe um Beschleunigung, aber ob sich die als sinnvoll herausstellt, mag Spillner nicht prophezeien. „Mit 17 Abi, mit 20 Bachelor, mit 22 Master und dann ins Referendariat - das geht irgendwie. Aber ist das gesund?”, fragt Spillner. Die Antwort werden seine Schüler in den nächsten Jahren geben.

Zentralabitur: „Von den vielen Fehlern abgesehen grundsätzlich okay”, kommentiert Spillner. Er würde sogar noch einen Schritt weiter gehen. Und zwar einen großen: „Ich bin für ein bundesweites Zentralabitur, fremd korrigiert. Das wäre endlich mal Objektivität im Ländervergleich.”

Kopfnoten: „Wenn man sich auf Leistungsbereitschaft/Arbeitsverhalten und Sozialverhalten beschränken würde, dann sehe ich in Kopfnoten nach wie vor einen Ansporn für die Schüler”, sagt der 61-Jährige. Doch erst sechs, dann drei, dann wieder keine - das Durcheinander hat Spillner nachhaltig verärgert. „Warum fragt man nicht mal die Basis? Wir hätten sagen können, was Sinn macht und was keinen.”

Lehrerversorgung: „Die personelle Situation ist erkennbar besser geworden”, lobt Spillner. Doch den Traum von einer günstigeren Schüler-Lehrer-Konstellation nimmt er mit in den Ruhestand. „Individuelle Förderung wäre ein Schüler pro Lehrer. In Skandinavien sind es teilweise 15 Schüler mit zwei Lehrern. Das wäre super!”, sagt Spillner. In diesem Jahr zählte das Einhard 100 Pädagogen für 1130 Schüler.

Nachfolge: Die Schulkonferenz des Einhard-Gymnasiums hat sich für Ralf Gablik ausgesprochen, nur die formale Bestätigung des Schulausschusses der Stadt Aachen und der Bezirksregierung steht noch aus. Am 1. August wird Gablik dann seinen Dienst antreten. Zuletzt war er Lehrer am Kaiser-Karls-Gymnasium und Fachleiter für Kunst und Hauptseminarleiter des Studienseminars für Referendare.

Schönste Erinnerungen: Meine schönsten Erlebnisse waren immer im Unterricht - der ist es, für den mein Herz schlägt”, erzählt der Lehrer für Chemie und Geographie. „Es wird schon ein Einschnitt, nicht mehr unterrichten zu dürfen. Das werde ich vermissen. Auf das Bürokratische und so manchen Brief vom Ministerium oder der Bezirksregierung kann ich aber gut verzichten.”
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