Zensus nimmt Aachen tausende Einwohner

Von: Thorsten Karbach
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Gewaltige Diskrepanz: Der Zensus hat für den 9. Mai 2011 nur 236 420 Einwohner in Aachen ergeben. Damit erzielt Aachen im Vergleich zum bisherigen Wert das schlechteste Ergebnis aller deutschen Großstädte.

Aachen. Am 9. Mai 2011 hat die Stadt Aachen 5000 Einwohner verloren – zumindest statistisch. Denn der Zensus, also die erste große Volkszählung im wiedervereinigten Deutschland, hat für die Kaiserstadt im Westen der Republik 236 420 Einwohner mit Hauptwohnsitz ermittelt – und damit rund 5000 weniger als die städtische Statistikbehörde mit 241.722.

 Die Landesbehörde IT NRW war für den Zensusstichtag sogar von 258 189 Einwohnern ausgegangen. Grundlage dieses Wertes ist eine Erhebung aus dem Jahr 1987. Mit der nun offenkundigen Differenz von 8,4 Prozent erzielt Aachen das drittschlechteste Resultat in ganz NRW. Nur Unna (10,7 Prozent) und Schöppingen (17 Prozent) müssen mit einer verhältnismäßig noch niedrigeren Einwohnerzahl leben. Und von den Großstädten verliert keine Stadt mehr als Aachen. Damit war im Rathaus so nicht zu rechnen.

Schlüssige Erklärungen für diese Diskrepanz konnten am Montag – um 8 Uhr erhielt Oberbürgermeister Marcel Philipp Einsicht – nicht gegeben werden. „Die Zahlen werfen mehr Fragen auf, als dass sie Antworten geben. In den nächsten Tagen wird es darum gehen, in Ruhe auszuwerten und dann die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen“, erklärte der OB.

Gesucht wird vor allem der Vergleich mit anderen Städten – und da zeichnet sich ab, dass Universitätsstädte – mit Ausnahme von Münster – mehr Einwohner missen als andere Kommunen. Ebenso verlieren Städte mit hohem Migrantenanteil meist überdurchschnittlich viele Einwohner im Vergleich zu den bisherigen Zahlen. Während die Stadt Aachen am 9. Mai 2011 laut eigener Statistik 33.664 ausländische Mitbürger zählte, ermittelte der Zensus „nur“ 29.710.

„Bei Migranten und Studenten waren die Zahlen offensichtlich überzeichnet, da nach einem Wegzug Abmeldungen nicht vorgenommen wurden“, glaubt Dr. Stephan Articus, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages. Über ausbleibende Abmeldungen spekuliert auch die Leiterin der Aachener Statistikstelle, Yvonne Debald.

Auszahlen wird sich die geringere Einwohnerzahl für Aachen ganz gewiss nicht. Im Gegenteil. Wie groß die Konsequenzen sind, kann Stadtpressesprecher Hans Poth aber noch nicht abschätzen. Auch nicht, ab wann die Zensuszahlen angewendet werden. Nach der Einwohnerzahl richten sich nämlich die Schlüsselzuweisungen des Landes (Geld für die Kommunen), die Größe des Stadtrates und der Lohn von OB und Dezernenten.

„Wenn wir weniger Einwohner haben, bedeutet das aber nicht unbedingt geringere Schlüsselzuweisungen. Wenn es ein genereller Trend ist, dass Einwohnerzahlen geringer ausfallen, dann nivelliert sich am Ende alles wieder“, sagt Poth. Und ein genereller Trend ist auf Anhieb auszumachen.

Würden die Zensuszahlen bis zur Kommunalwahl 2014 Berücksichtigung finden, würde der Aachener Stadtrat schrumpfen – von 66 auf 58 Mitglieder (ohne Überhangmandate). Für das Salär der Spitzenbeamten gibt es laut Poth wohl eine Bestandssicherung. Heißt: Amtierende Dezernenten und der Oberbürgermeister müssen keine Einschnitte befürchten, neue müssten aber mit weniger Gehalt auskommen.

Zum 31. Dezember 2012 zählt die städtische Statistik 245.412 Aachener. Zählen kann sie auf diese Zahl nicht mehr.

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