Zeitungsmuseum läuft „super gut”

Von: Thorsten Karbach
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Das Publikum ist am Drücker:
Das Publikum ist am Drücker: Das Internationale Zeitungsmuseum erfreut sich nach dem Umbau großer Foto: Michael Jaspers

Aachen. Das Internationale Zeitungsmuseum (IZM) sorgt für schöne Schlagzeilen. Denn binnen eines halben Jahrs nach der Neueröffnung wurden im multimedial aufgemöbelten Museum an der Pontstraße 10.369 Besucher (davon 1000 bei der offiziellen Eröffnung und allein 2056 am Eröffnungswochenende) gezählt.

Und das, obwohl noch keine Sonderveranstaltungen über die Bühne gingen und die Museumspädagogik, solange der Anbau fehlt, noch nicht beworben wurde. Warum Museumschef Andreas Düspohl kaum sieben Monate nach der feierlichen Eröffnung im Juli 2011 von einem „durchweg positiven Feedback” spricht und Evelin Wölk vom städtischen Presseamt von „super guten Zahlen” berichtet, wird beim Vergleich deutlich.

Vor zehn Jahren beispielsweise wurden in den leicht angestaubten Ausstellungsräumen gerade einmal 6299 Besucher gezählt - im gesamten Jahr. 2008, also im letzten Jahr vor der Schließung für die Neuaufbereitung der Sammlung und dem damit verbundenen Umbau zur Station „Medien” der Route Charlemagne, waren es zwar 16 545. Dies aber eben in zwölf Monaten und mit umfangreichem museumspädagogischen Programm, also vielen Führungen für Schulklassen.

Entsprechende Anfragen und Führungen gibt es zwar jetzt schon, ohne dass sie laut Düspohl „groß beworben” wurden. Sie sollen aber noch deutlich zahlreicher erfolgen und sich dann auch in der Besucherstatistik niederschlagen.

„Wir gehen davon aus, dass wir diese noch steigern können”, erklärt Düspohl. Voraussetzung ist aber eben der angekündigte Anbau, der je nach Wetterlage im März fertiggestellt werden könnte. Andere kleinere Baustellen wurden in der letzten Woche behoben, die Ausgangstüre der Dauerausstellung wurde repariert, ein defekter Rechner im ersten Raum ausgetauscht. „Pubertäre Krankheiten, die Kinderkrankheiten haben wir längst hinter uns”, kommentiert Wölk die kleinen Probleme, die sich leicht beheben ließen. Ein anderes dagegen bleibt - das der Klimatisierung.

„In Sachen Klimaanlage in der Dauerausstellung forschen wir zurzeit hinsichtlich einer Lösung, wie man die Luft auch ohne klassische Klimaanlage in Bewegung bringen kann. Das IZM steht unter Denkmalschutz, und eine Klimaanlage kann dort nicht installiert werden. Das würde Beschädigungen an den Wänden hervorrufen”, erklärt Wölk. Und das wären keine schönen Schlagzeilen.

Auch die anderen Museum vermelden in diesen Tagen bemerkenswerte Besucherzahlen. Im Ludwig Forum (4000 Quadratmeter Ausstellungsfläche) wurden - vor allem dank der Jubiläumsausstellung „Hyper Real” - vergangenes Jahr 30 637 Besucher gezählt. Addiert man die Gäste von Sonderveranstaltungen wie Vorträgen oder Vermietungen, kommt die Stadt auf 54.982 Besucher. 2010 waren es bloß 14 388 beziehungsweise 38.600. Anstiege werden auch für das Suermondt-Ludwig-Museum (dank „Joos van Cleve”) und das Couven-Museum verbucht. 2011 wurden an der Wilhelmstraße (3600 Quadratmeter) 28 482 Besucher der Ausstellungen und 39 936 Besucher aller Veranstaltungen gezählt. 2010 waren es hier 27.034 beziehungsweise 36 459 Menschen.

Im „Couven” (680 Quadratmeter) gehen 20.065 Ausstellungsbesucher und 31 576 Gäste insgesamt in die Statistik 2011 ein. 2010 waren dies 17 105 beziehungsweise 24 710. Allerdings sagt die städtische Statistik für 2011 auch, dass viele dieser Besucher letztlich keinen Eintritt gezahlt haben - beispielsweise bei kostenlosen Eröffnungen zu Gast waren. Die Eintrittserlöse für das Ludwig Forum (Eintritt 7 Euro, ermäßigt 5 Euro) liegen 2011 bei 118 148,50 Euro und damit unter denen des Suermondt-Ludwig-Museums (Eintritt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro) mit
120 639,50 Euro, obwohl an der Jülicher Straße 3603 Museumsbesucher mehr gezählt wurden.

Und teilt man - auch wenn man an dieser Stelle Ermäßigungen und Ähnliches ignoriert - am Ludwig Forum die Einnahmen durch den Eintrittspreis, kommt man auf gerade einmal 16 878 zahlende Besucher - also kaum mehr als der Hälfte des statistisch erfassten Zuschaueraufkommens.

Das Zeitungsmuseum hat nach Angaben der Stadt seit Juli 19 187 Euro eingespielt. „Wir sind zufrieden”, sagt Wölk. „Wir haben mit der Neueröffnung Neuland betreten und erfahren viel Lob. Es hat sich gelohnt”, sagt Düspohl.

Es sind die alltäglichen Bilder, in der Tageszeitung, die den Aachener Künstler Reiner Nachtwey (Foto:) zu seiner aktuellen Ausstellung „....../Nachbilder/...” im Zeitungsmuseum (Pont-straße 13) inspiriert haben.

Seine Medienausstellung bietet eine vielfältige Auswahl von Fotografischen Bildern, Bewegungsfilmen und Foto-Büchern. Gearbeitet hat er fast ausschließlich mit Fotografien aus der Zeitung. Dabei weicht er ganz bewusst von der klassischen Fotografie ab.

Er arbeitete mit gefundenen fotografischen Bildern und entwickelt daraus Bilderzählungen. „Gemeint ist kein Erzählen im klassischen, linearen Sinne”, erklärt Nachtwey. „Es ist ein umherschweifendes Erzählen, dass bei genauer Betrachtung deutlich wird”, sagt er.

Ausgestellt sind unter anderem seine Foto-Bücher. Ein Buch pro Jahr mit Bildern aus der Zeitung eines bestimmten Tages stellt er her. Diese sind spielerisch und doch mit Konzept angeordnet. Auch Fotofilme mit Ton werden gezeigt, von denen ebenfalls einer pro Jahr entsteht.

„Diese Art der Zusammenstellung ist erstmalig und ich freue mich, dass alles so zustande gekommen ist”, sagt er. Offiziell Eröffnet wird die Sonderausstellung am 13. Januar um 20 Uhr

Weitere Termine des IZM sind am Sonntag, 5. Februar, wenn Harald Redle um 12 Uhr im „Café Ornero” Reportagen von Egon Erwin Kisch liest, am Samstag, 25. Februar im Haus Löwenstein, wenn Ulrich Fritsch um 12 Uhr aus seinem Roman „Der Tanz der Heuschrecken” vorträgt und am Sonntag, 26. Februar, 12 Uhr, wieder im Café, wenn Dr. Rainer Schmidt Texte von Walter Hasenclever darbietet. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.izm.de

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