Zeitungsmuseum: Denkmalpflege bringt den Stein ins Rollen

Von: Robert Esser
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Schwierige Verbindung: An der Zollernstraße integriert der Anbau zum Städteregionshaus denkmalgeschütze Altbauten. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Das triste Grau auf der sanierten Fassade des Zeitungsmuseums in der Pontstraße treibt manchen Betrachtern die Zornesröte ins Gesicht. Zu langweilig, zu monoton, zu einfallslos, lautet die Kritik.

Doch die Farbe Rot ist damit noch nicht aus dem Rennen. „Vielleicht könnte man in einigen Jahren, bei einem neuen Anstrich, wieder ein mildes Rot in Betracht ziehen”, sagt Monika Krücken.

Aber die neue Leiterin der Aachener Denkmalpflege stellt im Gespräch mit unserer Zeitung - charmant und eloquent - ebenso klar: „Zum jetzigen Zeitpunkt hätten wir dort neben Rot nie eine andere Farbe als Grau zugelassen.” Das liege unter anderem an der gotischen Geschichte von Erdgeschoss und 1. Stockwerk, der „gewaltigen Massivität” des Gemäuers und an der Absicht der Erbauer im Jahr 1495, es „steinern und komplex” wirken zu lassen. Historische Quellen berichten von einer „steinfarbenen Schlemme”. Und man ahnt schon: Denkmalpflege ist gerade in der Kaiserstadt eine komplexe Angelegenheit.

Seit 1980 wurden 3570 Baudenkmäler - vom Dom über Privathäuser bis zum Uniklinikum - und 55 Bodendenkmäler eingetragen - wie etwa der Marktplatz. Krücken und ihr fünfköpfiges Team beackern also ein riesiges Feld: 450 Bauanträge zählt man pro Jahr. Hinzu kommen noch etwa 500 Bürgeranfragen. Und auch Kritik von Bauherren und Architekten, die zuweilen Kämpfe ausfechten müssen, bis Denkmalschutz und Umbauideen in verträglichen Einklang gebracht sind. „Die Denkmalpflege ist auf gar keinen Fall eine Verhinderungsbehörde. Wir blocken nichts ab, im Gegenteil”, stellt Krücken klar. „Aber wir müssen oft einen Spagat schaffen: zwischen der Erhaltung des historischen Gebäude-Typus´ und zeitgemäßer Bauplanung.”

So habe man zuletzt sogar mit dem Architekten, der die auffällige Bauruine Niersteiner Hof in Laurensberg betreut, sehr konstruktive Gespräche geführt. Krücken glaubt, dass dort nach zehn Jahren Stillstand noch 2010 Bewegung ins Bauprojekt kommt. Oder die denkmalgeschützte Bruchbude am Hochgrundhaus auf der Lütticher Straße: Dort müsse - wenn man ein neues Ladenlokal in das historische Trafohaus implantiert - weniger die Denkmalschutz- als vielmehr die Parkfrage entlang der Bundesstraße geklärt werden.

Apropos Nutzung: Am liebsten ist Krücken, wenn alteingesessene Nutzer in ihren denkmalgeschützten Gebäuden bleiben. „Uns ist natürlich klar, dass beispielsweise Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern von Bauernhöfen teils unabdingbar sind, damit der Landwirt mit seinem Betrieb noch rentabel wirtschaften kann”, sagt die 39-jährige Chefin der Denkmalpflege. Da müsse man für jeden Einzelfall individuelle Lösungen finden. „Das Schlimmste wäre, wenn ein Eigentümer sein denkmalgeschütztes Gebäude aufgeben muss und dieses dann verfällt”, erklärt sie.

Genauso wie bei energiesparender Altbausanierung, zum Beispiel ganz aktuell in Burtscheid für die Siedlung „In den Heimgärten” aus den 20er Jahren. „Bis auf wenige Gebäude, die noch fast im Originalzustand sind, darf eine sechs Zentimeter starke Außendämmung verwendet werden”, sagt Krücken. Meist führe allerdings eine moderne Thermoverglasung und eine effiziente Heizung zu deutlich mehr Energiegewinn als Dämmmaßnahmen, die unter Denkmal-Gesichtspunkten Probleme auslösten.

Grundsätzlich gelte auch im Hinblick auf den „Denkmalbereich Innenstadt”, der nicht nur sämtliche Bauwerke innerhalb des kaiserstädtischen Grabenrings unter besondere Beobachtung stellt: „Es geht nicht um bauliche Behinderung, sondern um Weiterentwicklung im Einklang mit dem Unesco-Weltkulturerbe Dom.” Doch Krücken schränkt ein: „Die Gestalt der Altstadt, von der nach dem 2. Weltkrieg 40 Prozent völlig zerstört und weitere 43 Prozent erheblich beschädigt war, muss erhalten werden.” Warum? „Weil die denkmalgeschützte Bauwerke ohne Eintrittsgelder und Bildungsbarrieren von der Identität unserer Stadt künden.”

Zudem gibt es ganz handfeste, praktische Gründe: Bundesweit erhalten denkmalspezifische Förderprogramme laut Statistischem Bundesamt jedes Jahr 100.000 Arbeitsplätze für Handwerker. Allein in NRW erleichtert dies Bauherren um Steuern in Höhe von 18 Millionen Euro.

„Denkmalpflege ist Wirtschaftsförderung”, bringt Monika Krücken den finanziellen Aspekt auf den Punkt. Mehr als 10,5 Millionen Euro wurden 2007 in denkmalgeschützte Aachener Bauwerke investiert. Nach einem Einbruch im Jahr 2008 auf 4,5 Millionen habe man 2009 schon wieder ein Investitionsvolumen von 7,9 Millionen Euro erreicht.
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