Zehnjährige Zeugin kriegt besonderen Schutz

Von: Wolfgang Schumacher
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Mitarbeiter des städteregionalen Jugendamtes mussten im vergangenen Jahr vor den Drohungen eines Vaters geschützt werden. Jetzt steht der Mann vor Gericht. Foto: Harald Krömer

Aachen. Als Mitte Dezember vergangenen Jahres im Internet massive Drohungen gegen Mitarbeiter des Jugendamtes der Städteregion Aachen auftauchten, reagierte man prompt. Im Gebäude an der Zollern­straße, Sitz der städteregionalen Verwaltung, gab es umgehend Eingangskontrollen, die Türen wurden insbesondere im Bereich des Jugendamtes für Außenstehende verriegelt, nichts ging mehr.

Die Sicherheitsmaßnahmen hatte Daniel P. (42) aus Baesweiler ausgelöst, der seit Mittwoch vor der 5. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht wegen sexuellen Missbrauchs, Körperverletzung, Nötigung und Bedrohung angeklagt ist. Den sexuellen Missbrauch und die Züchtigungen soll er an der älteren Tochter begangen haben.

Das Jugendamt hatte daraufhin die heute Zehnjährige zu einer Pflegefamilie gegeben, ein Akt, mit dem sich P. nicht abfinden wollte. Er stieß über Facebook immer wieder Drohungen gegen die Mitarbeiter des Amtes aus. Daraufhin griff die Staatsanwaltschaft ein und beantragte einen Haftbefehl, P. wurde festgenommen.

Laut der am Mittwoch vor der Kammer unter Vorsitz von Richterin Regina Böhme verlesenen Anklage war P. zwischen Dezember 2013 und Mai 2016 in sechs Fällen übergriffig. Einmal soll er im Schlafzimmer der elterlichen Wohnung das Kind zunächst auf das entblößte Gesäß geschlagen haben, bei einer anderen Gelegenheit soll sich der mit einer Kolumbianerin verheiratete ehemalige Postangestellte sexuell an dem Mädchen vergriffen haben.

Der auf freiem Fuß befindlichen Ehefrau und Mutter der Kinder – das Paar lebt seit etwa 2015 getrennt, wie Angie P. (35) am Mittwoch bekundete – wird Beihilfe zu drei Taten vorgeworfen. Zur genauen Erörterung der Vorgänge kam es in dem Verfahren am Mittwoch noch nicht.

Denn sowohl die Angeklagte als auch der mutmaßliche Haupttäter Daniel P. schwiegen zu den Vorwürfen. Sie äußerte sich auf Spanisch zunächst zu ihren Lebensumständen und zur Familiengeschichte. Demnach wuchs sie in Kolumbien in einer Pflegefamilie auf, habe aber „eine sehr glückliche Kindheit“ erlebt, betonte die studierte Telematik-Ingenieurin. So heiße die Ausbildung, die sie an der Universität Bogota absolviert habe. In Bogota lernte sie auch den Touristen Daniel P. kennen, den sie 2006 geheiratet hat.

Eltern müssen in Nebenraum

Weil am Donnerstag die Zehnjährige als Zeugin vor der Kammer aussagen soll, gab es einige juristische Scharmützel zu überstehen. In solchen Fällen ist es üblich, die Öffentlichkeit bei der Erörterung intimer Details auszuschließen. Entsprechende Anträge wurden von der Nebenklageanwältin, die das Kind vertritt, auch gestellt.

Allerdings stimmte der Verteidiger des Angeklagten, Jens Ferner, nicht zu. Er wollte die Öffentlichkeit nur wegen der angeblichen Sexualdelikte ausschließen.

Doch es kam anders. Die Kammer beschloss auf Antrag der Nebenklage und mit Unterstützung der Staatsanwaltschaft, die beiden Elternteile des Mädchens während der Vernehmung des Kindes in einen anderen Raum zu bringen. Sie können dort dem Geschehen per Live-Videoübertragung folgen. Wieder öffentlich könnte die Verhandlung womöglich am kommenden Dienstag, 11. Juli, fortgesetzt werden.

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