Aachen - Zehn Stunden Martyrium, fünf Jahre Haft

Zehn Stunden Martyrium, fünf Jahre Haft

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Der Tattag - es war der 5. Februar 2010 - sei im Wesentlichen so verlaufen wie die unselige Beziehung des Paares. In der Verbindung zwischen dem Angeklagten Srdan R. (27) und Violetta T. (29) habe es Ausschläge von einem Extrem ins andere gegeben, und das innerhalb weniger Minuten.

Das sagte der Vorsitzende des Aachener Schwurgerichts, Richter Gerd Nohl, in der Urteilsbegründung gegen den Busfahrer, der am 5. Februar dieses Jahres in das Studentenappartement seiner Freundin in der Rütscher Straße eindrang und sie zehn Stunden lang einem Martyrium aussetzte.

Der Angeklagte hatte am Mittwoch gehörig Glück, immerhin hatte Staatsanwältin Claudia Schetter zwölf Jahre Haft wegen versuchten Totschlags, Geiselnahme und Vergewaltigung gefordert.

Heraus kam eine Haftstrafe von nur fünf Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung, dies weil juristisch ein nicht strafbewehrter Rücktritt von einem Tötungsversuch vorgelegen habe, erklärte der Richter. „Es ist nicht anzunehmen, dass der Würgeangriff zum Schluss des Tattages, also gegen 21.30 Uhr, stattfand. Wir gehen davon aus, dass es am Anfang des Geschehens war, als der Angeklagte seine ehemalige Partnerin im Bad würgte.”

Geschenke zerstören

Er habe sie töten wollen. Da sie danach jedoch noch lebte und sich der Tötungsvorsatz nicht wiederholte, müsse die Kammer juristisch von einem strafbefreienden Rücktritt ausgehen. Srdan R. hatte seine Ex-Freundin über etwa zehn Stunden in seiner Gewalt. Er habe mit ihr zusammen „gemeinsame Geschenke” zerstören und Bilder des Paares aus glücklichen Tagen im Internet löschen wollen, begründete er seinen Besuch im Appartement.

Nach ihrer Zeugenaussage sei sie mehrfach vergewaltigt worden, die Staatsanwaltschaft sah das ebenso. Doch das Gericht konnte die Version des Angeklagten, der Sex sei einvernehmlich gewesen, nicht zweifelsfrei entkräften.

Auch waren die Richter der Auffassung, dass das Opfer durchaus die Sache hätte beenden können, weil beide im Laufe des Tages dämmernd auf dem Bett gelegen hätten.

Doch erst als am Abend Mutter und Tante des Angeklagten gekommen waren, flüchtete das Opfer zu den Nachbarn. Violetta habe viel Glück gehabt, denn sie habe Phasen „im Zwischenbereich zwischen Leben und Tod” zugebracht. Die Strangulationskräfte beim Würgen, so zitierte der Richter den Rechtsmediziner Prof. Markus Rothschild, seien sehr heftig gewesen.
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