Zehn Grundschulen müssen i-Dötzchen ablehnen

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
i-Dötzchen
Anmeldezahlen der Grundschulen: Nicht überall passen Nachfrage und Kapazität zusammen.

Aachen. Die gute Nachricht: Keiner Aachener Grundschule droht akut die Schließung. „Nach jetzigem Kenntnisstand sind die einzügigen Standorte mittelfristig gesichert”, sagt Elke Münich.

Die Leiterin des städtischen Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule meint damit die kleinsten Aachener Grundschulen, beispielsweise in Horbach oder Bildchen, die nur eine Eingangsklasse haben und deren Bestand in der Vergangenheit bereits wegen geringer Nachfrage gefährdet schien.

Die schlechte Nachricht: Nach den jetzt vorliegenden Anmeldezahlen für das kommende Schuljahr 2011/2012 müssen an zehn der 39 Aachener Grundschulen Schüler abgelehnt werden, weil Nachfrage und vorhandene Kapazitäten nicht zueinander passen. Dazu gehört zum Beispiel die Grundschule Laurensberg, die mit 103 Anmeldungen die gefragteste Grundschule der Stadt ist, aber als dreizügige Schule wegen der gesetzlich vorgeschriebenen Klassengrößen - mindestens 18, maximal 30 Schüler - höchstens 90 Kinder aufnehmen darf. Und dazu gehört auch der ebenfalls dreizügige Standort Am Höfling in Burtscheid, der 94 Anmeldungen verzeichnet.

Es gibt aber auch Schulen, die Schüler ablehnen müssen, weil sie ein paar oder sogar nur eine Anmeldung zu wenig haben. Das erscheint auf den ersten Blick paradox, liegt aber an den vorgeschriebenen Klassenmindestgrößen. Die extremsten Fälle: In der Mataréstraße und auf der Hörn sind jeweils 35 Kinder angemeldet, um die zweizügige Kapazität auszufüllen, wären aber mindestens 36 nötig. Deshalb müssen dort nun je mindestens fünf Kinder abgelehnt werden. Einfach ein Auge zuzudrücken, sei in solchen Fällen unmöglich, sagt Münich: „Das hat die Bezirksregierung ausdrücklich untersagt.” Und dass diese strenge Auslegung Sinn mache, unterstreicht auch Ulla Roder, die für die Aachener Grundschulen zuständige Schulrätin: „Sonst müssten wir an diesen Schulen Miniklassen mit Lehrern versorgen, und das ginge auf Kosten der anderen Schulen.”

Denn die Lehrerstellen berechnen sich nach den Schülerzahlen - in Aachen werden nächstes Jahr 2286 Kinder schulpflichtig - und nicht nach der Zahl der Klassen. „Wir müssen aus der Vogelperspektive auf die ganze Stadt schauen”, wirbt Münich um Verständnis, auch wenn die Abweisungen im Einzelfall für die betroffenen Eltern bitter seien. „Das ist jedes Jahr ein schwieriger Prozess”, sagt Roder, „aber es gibt keine Alternative.”

Kapazitäten an einzelnen Schulen werden jedenfalls nicht ausgebaut, obwohl die Grundschule Walheim und die Brander Karl-Kuck-Schule dies beantragt haben. In Walheim verzeichnet die zweizügige Schule 69 Anmeldungen und muss sogar Schüler ablehnen, die aufgrund ihres nahen Wohnorts „Anspruchsschüler” sind. Doch sieht die Verwaltung dort die baulichen Voraussetzungen für eine dritte Eingangsklasse nicht gegeben. In Brand, wo 62 Anmeldungen vorliegen, ist es eher ein Stellenproblem. Dort drei kleine Klassen zu bilden, „das würde die knappe Lehrerversorgung an anderen Stellen gefährden”, sagt die Schulrätin.

Dass durch solche Probleme die freie Grundschulwahl beschnitten wird, glauben Münich und Roder nicht. Zwar nutzen viele Aachener die Möglichkeiten, die die Aufhebung der Schulbezirksgrenzen eröffnet: 26 Prozent entscheiden sich nicht für die nächste, sondern für eine Wunschschule. Doch sei nur 1,25 Prozent von ihnen im vorigen Jahr der Wunsch verwehrt worden. Im Einzelfall kann das aber krasser aussehen. So werden wohl in Laurensberg nur die 86 Anspruchsschüler unterkommen und die 17 „Wunschschüler” in die Röhre gucken und nach Richterich oder Horbach ausweichen müssen.

Laurensberg ist gefragteste Grundschule

Zu viele Anmeldungen gibt es in Laurensberg (103), Am Höfling (94), in Walheim (69), in der Birkstraße (69), in der Karl-Kuck-Straße (62) und in Vaalserquartier. Dort wird es wohl Ablehnungen geben.

Zu wenige Anmeldungen gibt es in der Mataréstraße (35), auf der Hörn (35), in der Michaelsbergstraße (31) und in der Montessori-Schule Eilendorf (31). Dort ist zwar teils Zweizügigkeit vorgesehen, doch fehlen jeweils einige Anmeldungen, um zwei Klassen bilden zu können. Deshalb müssen auch hier Kinder abgelehnt werden. In einzelnen Fällen können sich die Zahlen aber auch noch ändern.

Die kleinsten Grundschulen liegen in der Beeckstraße (24), in Bildchen (22) und Horbach (14). Für sie sieht die Verwaltung aber gute Perspektiven. Mittelfristig seien diese einzügigen Standorte gesichert, heißt es.
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