Zalando macht einen Bogen um Avantis

Von: Stephan Mohne
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Es bleibt vorerst bei der gäh
Es bleibt vorerst bei der gähnenden Leere: Der Internet-Händler Zalando macht einen Bogen um Avantis und geht nach Mönchengladbach. Die Stadt ist dennoch zuversichtlich. Es gebe einige andere Interessenten für große Grundstücke. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Eile bei der Änderung des Bebauungsplans und damit auch einigen Ärger hätten sich Verwaltung und Politik sparen können. Was seit Wochen bereits die Spatzen von den Dächern pfiffen, ist seit Montag Gewissheit: Der Internet-Händler Zalando aus Berlin macht einen Bogen um das darbende Gewerbegebiet Avantis.

Und damit ist einmal mehr ein Hoffnungsschimmer wie eine Seifenblase geplatzt. Zalando verkündete am Montag einen anderen Standort für ein neues Logistikzentrum mit rund 1000 Arbeitsplätzen. Dieser liegt auch noch ganz in der Nähe, in Mönchengladbach nämlich. Dem Vernehmen nach war für diese Wahl letztlich nicht der Grundstückspreis ausschlaggebend. Den hatte auch Aachen deutlich heruntergeschraubt.

Kein Wunder, denn Zalando wollte gleich 120.000 Quadratmeter und damit deutlich mehr als zehn Prozent der Gesamtfläche in Avantis kaufen. Das allerdings barg dann doch ein Problem. Denn vom Zuschnitt her konnte diese Fläche nicht alleine auf deutschem Gebiet liegen und ragte mithin in die Niederlande hinein. Das führte offenbar zu rechtlichen und steuertechnischen Bedenken beim Investor, der die Zentren für Zalando baut.

Bedenken beim Investor

Zunächst war Aachen Favorit für den neuen Standort. Allerdings musste eine Änderung des Bebauungsplans her. Der bisherige ließ eine solche Nutzung nicht zu. Die Änderung war ohnehin politisch gewollt, nun aber musste sie in großer Eile vonstatten gehen, da Zalando beim Bau auf die Tube drücken wollte. Was in Mönchengladbach tatsächlich geschieht. Bereits im Oktober soll dort Baubeginn sein. In Aachen führte das jedoch dazu, dass die Bürgerbeteiligung ausgerechnet in die Zeit der Sommerferien fiel. Das führte zu Kritik. Die es im Übrigen auch an der Bebauungsplanänderung selber gibt. So hat etwa der Naturschutzbund nochmals eindringlich gefordert, die Flächen dort für die Erzeugung regenerative Energien weiterzuentwickeln.

Unter dem Strich bleibt die Frage, ob dieser erneute Rückschlag nun das Aus des Gewerbegebiets einleitet. Das sieht die Stadt mitnichten so: „Die Entwicklung mit Zalando ist bedauerlich”, sagt Stadtpressesprecher Hans Poth, Aber: „Es gibt einige andere überregionale Interessenten aus dem Logistikbereich für Flächen in einer Größenordnung um 50.000 Quadratmeter”, berichtet er. Nach AZ-Informationen gibt es sogar eine ganz konkrete Anfrage eines niederländischen Unternehmens, das wie Zalando über 100.000 Quadratmeter belegen würde - allerdings mit weniger Arbeitsplätzen. Aachen soll dort zumindest in der Endauswahl sein.

Interesse gibt es laut Poth aber auch für kleinteiligere Ansiedlungen bis 4000 Quadratmeter. Hier handele es sich um lokale und regionale Firmen. OB Marcel Philipp sagte am Montag auf Nachfrage, man werde nun „offensiv in die Vermarktung gehen”. Der geänderte Bebauungsplan biete dafür ganz andere Grundlagen als bisher. „Das ist eine völlig neue Situation”, so Philipp. Und: „Es gibt keine Alternative. Wenn es eine Chance gibt, dann jetzt.”

Fakt ist jedenfalls: In Avantis muss sich bald etwas tun. Klappt es mit dem neuen Bebauungsplan auch nicht, sieht es für das einstige von der Stadt als solches proklamierte europäische Vorzeigeprojekt zappenduster aus. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Vermarktungsgesellschaft Avantis G.O.B. vor der Pleite gestanden. Die vier Anteilseigner - darunter die Stadt - mussten die Gesellschaft bei der Gläubigerbank „freikaufen”. Jeder Partner musste knapp sieben Millionen Euro an Krediten dafür locker machen. Die Gesellschaft stand kurz vor der Insolvenz mit einem Schuldenstand von weit über 20 Millionen Euro. In mehr als zehn Jahren hatte man nur ein paar Prozent der Flächen an den Mann bringen können. Die Anteilseigner musste in der Zeit jede Menge Geld für die Unterhaltung des Gebiets in die Hand nehmen.

Stadt schießt viel Geld zu

Das hatte jüngst auch die Zeitschrift des Steuerzahlerbundes zum Anlass für eine Geschichte über Avantis genommen. So gebe die Stadt nicht bekannt, mit welcher Summe Avantis jährlich den Haushalt belaste. Dem neuen unternehmerischen Etat der Stadt ist das tatsächlich schwer zu entnehmen. Nicht aber jenen Haushalten der Vergangenheit, in denen jede Position haarklein ausgewiesen war. So war zum Beispiel für 2006 eine Summe von 108.000 Euro eingeplant. Über die Jahre ist da also einiges zusammengekommen.
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