Zähes Ringen um neuen Klinikstandort

Von: Oliver Schmetz
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Standort ohne Zukunft: Die Besitzer des Burtscheider Schwertbades planen nach wie vor einen Neubau an anderer Stelle. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Stimmung unter den knapp 250 Beschäftigten des Schwertbades ist – man glaubt es kaum – derzeit ziemlich gut. Denn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Burtscheider Kurklinik, die aus der Fusion von Rheumaklinik und „altem“ Schwertbad hervorgegangenen ist, haben eine Gehaltserhöhung bekommen – nachdem sie zuvor jahrelang Lohnkürzungen und Jobverlust fürchten mussten.

Da habe der neue Eigentümer „seine Zusage eingehalten“, kommentiert der Betriebsratsvorsitzende Frank Stehr diese „erste richtige Lohnerhöhung seit vielen, vielen Jahren“.

Um die Stimmung im Hause dauerhaft hochzuhalten und die weiterhin latente Unsicherheit zu vertreiben, müsste die Krefelder Inoges AG, die das Schwertbad vor 15 Monaten übernommen hat, aber auch eine andere Ankündigung wahr machen. Denn das Unternehmen will 60 Millionen Euro in einen Klinikneubau investieren und bis zu 300 neue Jobs schaffen. Am alten Standort an der Benediktinerstraße hätten solche Expansionspläne und damit die langfristige Sicherung des Kurwesens keine Chance, so die Besitzer.

Fehlt bloß ein Grundstück für den Neubau, der nach Möglichkeit in Burtscheid errichtet werden soll. Über ein Stück des Ferberparks an der Viehhofstraße ist vor Jahren schon spekuliert worden, als bereits der Vorbesitzer des Schwertbades Neubaupläne hegte, über eine Freifläche am Viadukt ebenfalls.

Seit über einem halben Jahr konzentrieren sich die Gespräche auf eine ehemalige Fabrik an der Jägerstraße, die zurzeit noch mehrere RWTH-Institute beherbergt und dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) gehört – aber bislang ohne Ergebnis. Die Rahmenbedingungen seien dort „sehr komplex, so dass aktuell die Verkaufsbedingungen und ein zeitlicher Rahmen noch konkretisiert werden müssen“, erklärt Schwertbad-Geschäftsführer Reinhard Strauch dazu auf AZ-Anfrage.

Damit dürfte gemeint sein, dass der BLB Verkäufe europaweit ausschreiben muss – es sei denn, ein öffentliches Interesse rechtfertigt einen Direktverkauf. Hier sieht der Aachener Landtagsabgeordnete Karl Schultheis, der für die Klinikbetreiber bei der Landesregierung quasi als Türöffner fungierte, einen Hebel: „Die Inoges AG will viel investieren, und es liegt im öffentlichen Interesse der Stadt und des Landes, diesen Reha-Standort und die vielen Arbeitsplätze in Aachen zu erhalten“, sagt der Sozialdemokrat.

Schultheis sieht da das Wirtschafts- und das Wissenschaftsministerium in der Pflicht, in Kürze soll es zum Grundstück Jägerstraße eine weitere Gesprächsrunde in Düsseldorf geben: „Es muss bald eine Entscheidung her, damit die konkreten Planungen für den Neubau begonnen werden können.“

Die Zeit drängt, denn der Mietvertrag für die Rheumaklinik läuft Mitte dieses Jahres aus. Sie wurde vom Vorbesitzer verkauft, wird aber vom Schwertbad weiter genutzt. Nachdem es im Vermieter-Mieter-Verhältnis zuletzt arg geknirscht hatte, verhandele man wieder über eine Verlängerung und wolle die Interessen „konstruktiv in Einklang“ bringen, so Strauch.

Zumal es schwierig sein dürfte, Ausweichräume zu finden. Und da es außer dem Areal an der Jägerstraße in Burtscheid kaum einen anderen Standort für einen Klinikneubau gibt, hofft man im Schwertbad nun auf positive Signale aus Düsseldorf. In der Belegschaft dürften diese als Stimmungsmacher vermutlich sogar eine Lohnerhöhung toppen.

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