Aachen - Zähes Ringen um eine barrierefreie Brücke

Zähes Ringen um eine barrierefreie Brücke

Von: Andreas Cichowski
Letzte Aktualisierung:
17014843.jpg
Endlich barrierefrei: Dank der jetzt montierten stählernen Rampen können nun auch Rollstuhlfahrer die Brücke über den Pariser Ring bequemer und gefahrloser überqueren. Als der Verkehrsraum in den Jahren 2012 und 2013 aufwendig neu gestaltet wurde, hatte man dies nicht so sehr im Blick gehabt. Foto: Andreas Cichowski
17014872.jpg
Endlich barrierefrei: Dank der jetzt montierten stählernen Rampen können nun auch Rollstuhlfahrer die Brücke über den Pariser Ring bequemer und gefahrloser überqueren. Als der Verkehrsraum in den Jahren 2012 und 2013 aufwendig neu gestaltet wurde, hatte man dies nicht so sehr im Blick gehabt. Foto: Andreas Cichowski

Aachen. Bereits seit einigen Jahren sorgt die „ovale Ringfahrbahn“ – wie der Kreisverkehr, der eigentlich gar keiner ist, bei den Verkehrsplanern genannt wird – für einen reibungslosen Verkehrsfluss auf der Brücke über dem Pariser Ring nahe des Klinikums. Zumindest für Autofahrer. Denn wer als Fußgänger die Brücke überqueren möchte, der sucht vergebens nach einem Fußweg.

Rollstuhlfahrer mussten gar auf den Radweg ausweichen, machte doch eine Stufe für sie das Überqueren beinahe unmöglich. Und tatsächlich hat man häufiger beobachtet, dass auch Fußgänger über die Fahrbahn gehen. Wenig verwunderlich, blockiert doch eine Betonmauer den Weg geradeaus.

Nach Jahren hat man nun einen Ausweg gefunden: „Nach langem Ringen um eine technische Lösung ist es endlich gelungen, dem Wunsch der Behindertenverbände zu entsprechen und auf der Brücke über den Pariser Ring barrierefreie Rampen anbringen zu lassen“, teilte das städtische Presseamt auf Nachfrage mit. Stählerne Rampen also, samt Geländer, für rund 15 cm Höhenunterschied. „Dazu waren langwierige Verhandlungen zwischen dem Landesbetrieb Straße, dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes und der Stadtverwaltung zu führen“, hieß es weiter.

Scheint eine schwierige Angelegenheit gewesen zu sein. Dabei wurde der Verkehrsraum in den Jahren 2012 und 2013 doch aufwendig neu gestaltet. Wurden die Fußgänger vergessen oder bewusst nicht eingeplant? Vergessen habe man die Fußgänger natürlich nicht, versicherte Regina Poth, Abteilungsleiterin für Straßenplanung und Straßenbau der Stadt Aachen, gestand jedoch ein, dass man den eher weniger frequentierten Bereich „nicht mit so hoher Priorität im Auge gehabt“ habe.

Auch bei wem die Zuständigkeit liege, sei in der Tat nicht leicht zu beschreiben, meinte Poth, „Die ovale Ringfahrbahn ist städtisch, aber wurde vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb gebaut als Konsequenz zur Erschließung des Campus Melaten.“ Im Zuge dessen hätte man doch gleich die Kappen der Brücke rollstuhltauglich betonieren können? Nein, so einfach ist das natürlich nicht. Auf erneute Nachfrage wurden die Akten aus dem Oktober 2013 gewälzt, und hier wurde Poth fündig, warum die ganze Geschichte so unglaublich kompliziert war. Denn die Brücke gehöre dem Landesbetrieb „Straßen.NRW“, sagte sie.

Tatsächlich gab es im ersten Gestaltungsentwurf des BLB eine andere Lösung zur Barrierefreiheit. „Diese konnte aus bautechnischen Aspekten und daraus folgenden Sicherheitsanforderungen nicht umgesetzt werden“, schilderte Poth. Daher lehnte der Landesbetrieb den Entwurf ab und betonierte als Eigentümer die Kappen nach geltenden Bestimmungen – mit Stufe, so wie man die Brücke seitdem kennt. Der Gehweg sei meist Teil der Brückenkappe, so auch in diesem Fall. Jene diene mit dem Geländer der Absturzsicherung und trage zur Entwässerung bei. Der BLB setzte sein Konzept um, die Barrierefreiheit blieb allerdings zunächst auf der Strecke.

20.000 Euro Kosten

Über Jahre wurde die Diskussion geführt, was am Schluss übrig blieb, ist die Metallkonstruktion, die nun aufgebaut wurde. „Das war die einzige Möglichkeit“, so Poth. „Wir haben uns über Monate damit beschäftigt, überhaupt eine Lösung zu finden.“ Diese Lösung erfülle nun alle Anforderungen wie Breite und Steigung, sei aber nur bedingt in Einklang mit dem gestalterischen Anspruch der Brücke zu bringen.

Über die Rampe geht es im 90-Grad-Knick rauf auf die – damals neu betonierte – Kappe der Brücke, um wenige Meter weiter eine zweite Rampe runter nehmen zu können. Am Donnerstag voriger Woche wurden die drei Stahlkonstruktionen aufgebaut. Fußgänger schüttelten bereits den Kopf: „Für meinen Hund ist das nichts“, sagte ein Herr, der seinen Vierbeiner um die Konstruktion herum führte, und eine Mitarbeiterin des Klinikums erzählte: „Es ist funktionell schon besser, aber schön ist anders.“ Jeden Morgen gehe sie über die Brücke und sehe öfters eine Familie mit Kinderwagen und Roller. „Für sie ist es so mit Sicherheit leichter. Die Stufe ist recht hoch, da haben sie damals etwas vergessen“, bemerkte die Dame. „Wenn es glatt ist, bin ich auch über den Radweg und die Fahrbahn gegangen, das ist nicht durchdacht gewesen“.

Das Aussehen ist Geschmackssache, und über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Was das Kunstwerk gekostet hat, darüber wollte zunächst keiner Auskunft geben. Auf erneute Nachfrage teilte der BLB mit, dass es 20.000 Euro gewesen seien. Dafür können Rollstuhlfahrer nun durch den Parcours aus Brücke, Betonmauer und Stahlrampe über den Pariser Ring gelangen – und das ab sofort immerhin „barrierefrei“.

 

Die Homepage wurde aktualisiert