Yunus-Emre-Moschee: Ein exklusiver Blick auf den 25-Tonnen-Koloss

Von: Caroline Kruff
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Auf dem Weg nach oben: Süleyman Zembilci hofft, dass die Kuppel der neuen Yunus-Emre-Moschee in wenigen Wochen auf das Dach des riesigen Gotteshauses am Eisenbahnweg gehievt wird. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Noch stehen Werkzeug und Baumaterialien in den Ecken des Rohbaus, Türen und Fenster fehlen größtenteils. Und über dem zukünftigen Gebetsraum muss noch die imposante Glaskuppel eingesetzt werden. Dies soll in wenigen Wochen passieren – ein 25 Tonnen schwerer Koloss, der schon draußen vor dem Haupteingang bereit liegt, wird dann auf das klaffende Loch gehievt.

Ende nächsten Jahres soll das Gebäude vollständig fertig sein. Die Rede ist von der Yunus-Emre-Moschee an der Stolberger Straße. Sie war neben dem Islamischen Zentrum Aachen Bilal-Moschee und der Islamischen Gemeinschaft Bosnien-Herzegowina Aachen eine von rund 1000 Moscheen bundesweit, die am Tag der Deutschen Einheit zum „Tag der offenen Moschee“ einluden. Diese Tradition wurde 1997 von den islamischen Religionsgemeinschaften in Deutschland ins Leben gerufen.

Viele Aachener nutzten ihren freien Tag nicht nur, um sich über den Islam zu informieren, sondern auch, um einen Blick in die neue – wenn auch noch nicht fertige – Moschee im Aachener Ost-Viertel zu werfen. Schließlich wird sie nach der DITIB Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld mit einer Nutzfläche von rund 3230 Quadratmetern die zweitgrößte in Deutschland sein.

Europaweit punktet sie mit einem einzigartigen Konzept, wie Süleyman Zembilci, stellvertretender Vorsitzender der Türkisch-Islamischen Gemeinde DITIB in Aachen, weiß: „Hier entsteht nicht nur eine Moschee mit Gebetsraum, sondern ein Gemeindezentrum mit einem Mehrzweckraum, gewerblichen Flächen, einer Bibliothek, einem Schulungs- und Seminarbereich, einem Café sowie einem Frauentreff sowie zwölf behindertengerechten Sozialwohnungen.“

Zembilci ist eines von vielen Gemeindemitgliedern, die am Donnerstag die neugierigen Besucher durch den riesigen Rohbau der Moschee führten und Fragen beantworteten. Zuvor war die Moschee an selber Stelle in den Räumlichkeiten einer alten Tankstelle untergebracht. „Die Räume wurden mit der Zeit jedoch zu klein, vor allem waren sie unwürdig“, so Zembilci. Der Neubau wird komplett über Spenden finanziert, sechs Millionen Euro sollen die endgültigen Baukosten betragen.

Provisorisch im Container

Derzeitig sind die Gebets- und Verwaltungsräume noch provisorisch in Containern untergebracht. Viele Gemeindemitglieder haben selbst beim Aufbau der neuen Moschee mit angepackt. Das schweißt zusammen. Zembilci weiß diesen Zusammenhalt zu schätzen. Er kam 1986 aus der Türkei nach Aachen, um hier ein Studium zu beginnen.

Seine erste Anlaufstelle war die damalige Yunus-Emre-Moschee an der Elsassstraße. „Diese bestand lediglich aus einem knapp 30 Quadratmeter großen Gebetsraum und einem kleinen Büro.“ Er ist geblieben. Heute arbeitet er hier als Ingenieur, viele seiner Freunde leben in Aachen.

In Deutschland, so sagt er, fühlt er sich zu Hause. Es sind diese spannenden und menschlichen Geschichten, die am „Tag der offenen Moschee“ bewegen. Denn unabhängig von der Religion hatte jeder seine eigene Lebensgeschichte zu erzählen.

Davon hörte man im provisorisch eingerichteten Café in der Yunus-Emre-Moschee – neben vielen Fragen – bei türkischem Gebäck und einer Tasse heißem Chai zuhauf. Warum gibt es beim Beten eine Geschlechtertrennung? Wie lässt sich das fünf Mal tägliche Beten in den Berufsalltag integrieren?

Aber eben auch spannende Geschichten waren dabei, Rezepte wurden ausgetauscht, über typische Aachen-Themen wurde diskutiert – ein offener und respektvoller interreligiöser Dialog. „Ich war neugierig, daher habe ich die Yunus-Emre-Moschee besucht. Mir gefällt es hier sehr gut, die Menschen sind sehr freundlich und offen. All meine Fragen wurden richtig gut beantwortet“, so Ella Bergheim, die mit ihrer Schwester Emma Steinhauer die Moschee besichtigte.

So sahen es auch die meisten anderen Besucher. Und auch Zembilci freut sich: „Genauso habe ich mir den Tag vorgestellt – ein Zusammenkommen der unterschiedlichsten Religionen und Kulturen. Nur so können Vorurteile abgebaut werden. Abgesehen von dem heutigen Tag stehen jederzeit bei uns die Türen offen.“ Und vielleicht wird man beim nächsten „Tag der offenen Moschee“ schon eine fertiggestellte Yunus-Emre-Moschee besichtigen können.

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