„YouCheck 2014“: 3000 Schüler geben Auskunft

Von: Matthias Hinrichs
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Wegweisende Erkenntnisse: Professor Dr. Claudia Mayer präsentierte eine erste Bilanz der Schulabgänger-Befragung. Nicht nur FH-Prorektor Professor Dr. Norbert Janz (rechts) und Städteregionsrat Helmut Etschenberg zeigten sich beeindruckt von der Studie, die auch neue Impulse für die Partizipation liefern soll. Foto: Michael Jaspers
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Informationen rund um Ausbildung und Beruf: Einschlägige Angebote wie die Ausbildungsmesse „ZAB“ werden gut angenommen. 41 Prozent der Befragten in der Städtregion kennen sie. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Was wollen, fürchten, hoffen, kritisieren junge Leute in der Region, wenn sie an der Schwelle zum „wahren Leben“ stehen? Wie motiviert sind sie, wenn es darum geht, ihre eigene Zukunft zu planen und zu gestalten, sich auch für die Gemeinschaft, ihre Stadt einzubringen? Wie ist es bestellt um Angebote zur Orientierung, wenn es um Weichenstellungen für Jahrzehnte geht?

Wie blicken Jugendliche (zurück) auf ihre Zeit in der „Penne“? Kurzum: Wie ist sie drauf, die sogenannte kommende Generation, die doch in Wahrheit in mehr als einem Sinne längst voll da ist? Antworten liefert der „YouCheck 2014“.

Die erste umfassende Befragung von knapp 3000 mehr oder weniger frisch gebackenen Schulabsolventen aus der gesamten Städteregion vermittelt eine Fülle von Informationen und Analysen rund um die Situation des Nachwuchses – und soll jetzt nicht zuletzt die Basis für effektive Handlungskonzepte bieten. Vorweg: Am Willen zum „Engagement“ fehlt es jungen Menschen im Dreiländereck keineswegs – allein mit dem Begriff haben sie in aller Regel ihre Probleme . . .

So könnte man eine prägende Erkenntnis der Erhebung zusammenfassen, die Professor Dr. Claudia Mayer, Kommunikationswissenschaftlerin an der FH Aachen, in den vergangenen zwei Jahren mit Studierenden der Fachhochschule erarbeitet hat. Gestern stellte das Forschungsteam die wichtigsten Resultate seiner detaillierten Online-Befragung erstmals der Öffentlichkeit vor – und die war in Gestalt etlicher führender Politiker und Verwaltungschefs, allen voran Städteregionsrat Helmut Etschenberg, sichtlich „ganz Ohr“ bei der fast zweistündigen Präsentation im Senatssaal der FH.

Knapp 14 000 Schüler aller weiterführenden Sparten und Arten waren da aufgefordert, ihrerseits einmal Noten zu verteilen in Sachen Selbsteinschätzung und Per-spektiven. 2878, also gut 20 Prozent, antworteten. Damit verfügen die Feldforscher jetzt über den zweitgrößten einschlägigen Datensatz bundesweit. Einziger Wermutstropfen: Die Gesamtschulen haben sich so gut wie nicht beteiligt, obwohl mit 37 Prozent immerhin mehr als ein Drittel der Befragten die Stadt Aachen als Wohnsitz angaben.

So zeigt sich etwa, dass rund 81 Prozent der künftigen Schulabgänger genau wissen, wie und wohin es für sie weitergeht. Mehr als drei Viertel sind gar „sehr zufrieden“ mit ihrer aktuellen Situation. Und dies, obwohl vor allem das sogenannte Turboabi äußerst negativ bewertet wird: Lediglich 17 Prozent der Abiturienten halten „G8“ für gut, 61 Prozent klagen über Mangel an Zeit für außerschulische Aktivitäten.

Viele wollen sich mehr einbringen

94 Prozent der Befragten aller Schulformen sind derweil vertraut mit Maßnahmen und Angeboten zur Berufsorientierung wie Praktika, Berufsberatung, Aktionstagen für Mädchen und Jungen oder Jobmessen. Defizite macht die Studie indes abermals bei den Gymnasien aus: Hier fehle es offensichtlich vor allem an zielgruppenorientierten Hilfestellungen zur Studienwahl. Und: 60 Prozent aller Ex-Schüler geben an, sie fühlten sich im Ganzen nicht gut genug informiert, um ein eigenes Bild für ihren weiteren Lebensweg zu entwerfen.

Dabei interessieren sich weit über ein Drittel durchaus für gesellschaftlich-soziale Fragen und Themen wie Bildung, Umwelt, Kultur. Zwar sind nur etwa sieben Prozent aller Befragten dezidiert ehrenamtlich aktiv, aber knapp ein Drittel nutzt die Angebote der Kinder- und Jugendarbeit häufig. Und fast zwei Drittel erklären, dass sie sich zumindest „ein bisschen“ aktiver in die Gestaltung ihres Umfeldes einbringen wollen – solange dabei nicht das offensichtliche Unwort „Engagement“ strapaziert wird.

Fazit: „Alles in allem sind die Jugendlichen in der Region durchaus engagiert und interessiert“, bilanziert Claudia Mayer. „Jetzt gilt es, sie auf Augenhöhe weiter heranzubringen an die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung.“ Viele gute Ansätze haben die Forscher dabei allemal ausgemacht. In fünf Modellkommunen der Städteregion haben sie nämlich auch umfängliche Interviews zur „Ist-Situation“ mit Sozialarbeitern, Ehrenamtlichen und Jugendlichen aus unterschiedlichsten Bildungs- und Freizeiteinrichtungen geführt.

Die Analyse soll jetzt in jedem Fall fortgesetzt werden. Und: Das Forscherteam hat bereits eine Fülle von Projektideen rund ums Stichwort Partizipation entwickelt.

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