Wutausbruch im Gericht: Wachleute ringen Angeklagten nieder

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Drei Wachbeamte waren nötig, um den Angeklagten bei der Urteilsverkündung vor der 8. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht zu bändigen, zu fixieren und dann in die Arrestzelle zu bringen.

Orestis K. war wegen Nachstellung, Nötigung und versuchter gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Der 26-jährige Student rastete regelrecht aus, als seine im Saal sitzende Mutter lautstark zu schimpfen begann und während der Urteilsbegründung von der Kammer des Saales verweisen wurde.

„Ja, ich werde euch alle töten“, schrie der nach Ansicht der Gutachter und des Gerichts psychisch kranke Stalker in den Saal. Er sprang auf und wollte seiner Mutter helfen. Doch die Wachleuchte überwältigten den kräftigen jungen Mann und zwangen ihn nach einem Gerangel schließlich zu Boden. In Handschellen gelegt, richteten die Beamten ihn wieder auf und führten ihn ab.

Auch die Mutter war auf dem Gerichtsflur nur schwer zu beruhigen, sie schrie wechselweise in ihrer Muttersprache und auf Deutsch so laut, dass mehrere Wachbeamte herbeigerufen werden mussten.

Zuvor hatte das Gericht gegen K. eine Strafe von einem Jahr und drei Monaten Haft verhängt. Die Kammer unter Vorsitz von Richter Hans Günter Görgen war zudem der Meinung, dass der Maschinenbau- und Elektrotechnik-Student in seiner momentanen Verfassung eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle und eine Unterbringung in der Psychiatrie vonnöten sei. Diese Ansicht der Richter bestätigte sich dann schneller als gedacht.

Drohungen stieß K. auch in Richtung der beiden Frauen aus, die er Ende 2012 und im Jahr 2013 ins Visier genommen hatte. Mit unablässigen Nachstellungen, Drohungen und Beschimpfungen über Facebook und per SMS brachte er sie buchstäblich an den Rand des Nervenzusammenbruchs. Die beiden 20- und 24-jährigen Studentinnen hatten als Zeuginnen beschrieben, in welcher Intensität und Bedrohlichkeit K. ihnen nachgestellt hatte.

Neben gewalttätigen Drohungen beschimpfte er die Frauen am Telefon und per SMS unflätig. Der mildeste Ausdruck war „Schlampe“, wie das Gericht feststellte. „Doch das Wort Schlampe ist auch heutzutage nicht normal, sondern eine Beleidigung“, unterstrich Richter Görgen nachdrücklich.

Im Sommer 2013 kam es zu einem Vorfall mit dem Türsteher einer Disco in der Pontstraße. Als der Mann den 26-Jährigen nachts aus dem Gebäude bugsieren wollte, weil er auf der Tanzfläche die 20-Jährige belästigt hatte, griff K. zu einem Pflasterstein und zielte auf den Kopf des Sicherheitsmannes. Der konnte sich nur knapp vor dem Geschoss ducken.

Nach dem gewalttätigen Ausbruch des Angeklagten im Gerichtssaal setzte die Kammer die Urteilsbegründung ohne ihn fort. Die Mutter wurde schließlich unter strengen Auflagen wieder in den Saal gelassen.

Der Angeklagte hatte laut Gericht allenfalls teilweise Einsichten in sein Fehlverhalten gezeigt. Dazu komme aber eine verminderte Schuldfähigkeit, die in seiner Krankheit, einer wahnhaften chronischen Psychose, begründet sei. K. habe überdeutlich gezeigt, wie gefährlich er sei, resümierte Görgen. Eine Bewährungsstrafe komme also nicht in Frage. Ohnehin wird der Studen zunächst auf unbestimmte Zeit in die Psychiatrie eingewiesen.

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