Aachen - Workshop: Manches Talent hat einfach den richtigen Dreh

Workshop: Manches Talent hat einfach den richtigen Dreh

Von: Kathrin Albrecht
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Wolfgang Dinslage (l.) gehört zum festen Dozentenkreis der Schauspielschule. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Schauspieler – für viele ist das ein Traumberuf: Die eigene Person hinter sich lassen, jemand anderes sein, mal den strahlenden Helden, mal den verschlagenden Intriganten geben. Doch was braucht es, um Gefühle glaubhaft spielen zu können, und das jedes Mal auf Kommando, Einstellung für Einstellung?

15 Männer und Frauen möchten das an diesem Morgen wissen. Sie haben sich bei der Aachener Schauspielschule, die am Sonnenweg in der Soers ihren Sitz hat, zu einem Filmschauspiel-Workshop angemeldet.Zwei Tage lang soll es mit dem Dozenten Wolfgang Dinslage ans Eingemachte gehen: Drehbücher richtig lesen, Regieanweisungen verstehen und umsetzen, Authentizität und Ausdruckskraft vor der Kamera steigern.

Dinslage, Jahrgang 1968, in Düren geboren, kennt sowohl die Arbeit vor als auch hinter der Kamera. 1999 wirkte er im Ruhrpott-Kultfilm „Bang Boom Bang“ mit, drehte zugleich seinen ersten Kurzfilm. Für seinen Film „Für Elise“ wurde er 2012 mit dem Filmkunstpreis ausgezeichnet. Er gehört zum festen Dozentenkreis der Aachener Schauspielschule.

Das Teilnehmerfeld selbst ist bunt gemischt: Alle Altersstufen sind vertreten, von 18 bis 70 Jahre, von Menschen ohne Schauspielerfahrung über Laienschauspieler bis zu abgeschlossener Ausbildung mit Bühnenreife, wie es in der Fachsprache heißt. Gabriele Giersiepen ist aus Frankfurt angereist, um mit Dinslage zu arbeiten. „Er gilt als Schauspielerregisseur, er weiß um die Nöte der Darsteller und er versteht, dass wir nicht immer auf den Punkt agieren können, auch wenn er als Regisseur anderes verlangt.“

Zu Beginn geht es ums gegenseitige Kennenlernen, die Teilnehmer dürfen frei über ihre Erwartungen und ihre Faszination für den Beruf sprechen. Auch Dinslage erzählt von seiner Arbeit für Film und Fernsehen und von seinen Erwartungen an die Schauspieler.

„Ich fand immer gut, wenn Leute echt sind“, erklärt er. Diese Echtheit ist es auch, was die meisten Teilnehmer bei Schauspielern anspricht. Doch echte Emotionen zu spielen, ist eine große Herausforderung, auch für die Profis. Dinslage lässt das gleich mal alle ausprobieren. Sie sollen sich zu zweit zusammentun und abwechselnd die Gefühle Liebe und Hass mit den Sätzen „Ich liebe dich“ und „Ich hasse dich“ darstellen. Und schnell wird deutlich: Nicht jeder kann so selbstverständlich diese Gefühle anknipsen.

Worauf es ankommt, erläutert Andrea Royé, Schauspieldozentin an der Aachener Schauspielschule: „Ich muss mich ganz auf mein Gegenüber einlassen können, meine ganze Aufmerksamkeit gilt in diesem Moment dem anderen, nicht mir. Wir nennen das auch jemandem ein Licht anzünden.“ Menschenscheu darf man dafür nicht sein.

Eigentlich gute Voraussetzungen für die angehende Physiotherapeutin Melanie (20). „Eigentlich wollte ich immer in den künstlerischen Bereich. Aber das ist schwierig, wenn man keine Kontakte hat.“ Jetzt liegt sie „im Clinch“ mit Jochen. Die Aufgabe: dem Blick des anderen standhalten und herausfinden, was man dabei empfindet. Für René Blanche, Leiter der Schauspielschule, sind Workshops wie dieser eine Möglichkeit, die Arbeit der Schule in die Breite zu bringen und Menschen die Möglichkeit zu geben, selbst ihr Talent zu entdecken.

Für einige der Teilnehmer eröffnet sich möglicherweise auch die zukünftige berufliche Perspektive. Maximiliane (18) steht von Kindesbeinen an auf der Bühne. Von Dinslage will sie wissen, wie sie an ihrem Ausdruck arbeiten kann. Außerdem möchte sie jetzt, wo sie die Schule abgeschlossen hat, wissen, ob sie die Schauspielerei auch zum Beruf machen kann. Das Geheimnis hinter der Schauspielerei ist neben Talent harte Arbeit, betont Dinslage. „Ihr müsst die persönliche Notwendigkeit spüren, etwas zu tun, das kann man nicht lernen.“ Und dann: üben, üben üben.

Das tun die Darsteller, jetzt mit einer kurzen Szene, in der Stress eine Rolle spielt. Die Darsteller sollen sich dazu eine Hintergrundgeschichte ausdenken und diese vor der Kamera spielen. Dinslage lässt die Szene wiederholen, animiert die beiden, mehr aus der Szene herauszuholen.

„Du hast das Wasser zuhause laufen lassen und deine Schlüssel verloren. Würdest du im echten Leben dann auch so entspannt gehen?“, fragt er den Teilnehmer, der einen Passanten auf der Straße um Hilfe bitten soll. Jetzt klappt es besser, Dinslage ist zufrieden. „Das macht Spaß mit euch“, sagt er in die Runde.

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